Vermeintliche Perfektion: Angebot eines Fotografen sorgt für Empörung

Ein US-Fotograf hat angeboten, die Klassenfotos einer Grundschule zu retuschieren. Auf Twitter geht die Mutter einer Schülerin deshalb auf die Barrikaden. Denn solche Dienste fügen dem Selbstbewusstsein junger Kinder ihrer Meinung nach enormen Schaden zu.

Regelmäßige Schulfotos vom Profi gehören in den USA zum Schulalltag (Symbolbild: Getty Images)

Lange Zöpfe, viel zu große Schulränzen und vielleicht hier und da eine Zahnlücke, die beim breiten Grinsen für die Kamera sichtbar wird: Für Grundschüler ist es eigentlich so gut wie unmöglich, auf Fotos nicht unglaublich niedlich auszusehen. Dass auf Twitter nun Unverständnis über das Angebot eines US-amerikanischen Schulfotografen herrscht, leuchtet deshalb ein.

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Der Mann hatte den Eltern einer Grundschulklasse angeboten, die Fotos ihrer Kleinen zu retuschieren, etwa indem er die Zähne weißer macht, oder “den Hautton angleicht“. Sam Walker, deren achtjährige Tochter auch von dem Fotografen abgelichtet wurde, ist entsetzt über dieses Angebot.

“Was zum…? Welches achtjährige Kind muss sich Gedanken um einen ‘unausgeglichenen Hautton‘ machen?“, fragt die zweifache Mutter auf Twitter und stellt klar, dass sie sich bei dem Fotografen beschwert habe.

Gift für das Selbstbewusstsein

Offenbar handelt es sich bei dem Bestellformular um ein Standardschreiben, das auch für ältere Kinder verwendet wird. Das berichtet die Zeitung “Metro US“, die den Vorfall aufgegriffen hat.

Walker sagte der Zeitung, dass ihre Tochter eine seltene Auto-Immunerkrankung habe, die ihre Zähne gelblich erscheinen lässt und Läsionen auf der Haut verursacht. “Ich möchte nicht, dass sie denkt, sie müsse retuschiert werden, um auszusehen wie alle anderen Kinder; das ist einfach nur gefährlich und traurig”, sagt die Mutter. Sie befürchtet, dass solche Botschaften das Selbstbewusstsein ihrer Tochter zerstören könnten.

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Auf Twitter scheinen viele Menschen Walkers Empörung zu teilen. “Das ist einfach nur furchtbar und völlig unnötig“, findet eine Frau. Es sei kein Wunder, dass Kinder später alle Komplexe haben. Zumal es doch die kleinen Imperfektionen sind, die Klassenfotos so unvergesslich machen. “Ist es überhaupt ein richtiges Klassenfoto, wenn die Haare deines Kindes nicht in alle Richtungen abstehen, als sei es eine durchgeknallte Eule?“, fragt eine Mutter. Eine andere pflichtet ihr bei: “Ich liebe es, dass die Schulfotos meiner Kinder scheußlich sind, das ist doch der Sinn, oder nicht?“