Was Ex-Commerzbank-Managerin mit NordLB-Firmenkunden vorhat

(Bloomberg) -- Die NordLB will nach ihrem Schrumpfkurs wieder wachsen. Ein zentraler Treiber soll das Firmenkundengeschäft sein. Hier setzt die Bank unter anderem auf mehr Finanzierungen von Transaktionen aus dem Bereich Private Equity und auf Geschäfte mit Mittelständlern. Das erklärte Ingrid Spletter-Weiß, die Ende 2021 von der Commerzbank AG in den Vorstand der NordLB gewechselt war, in einem Interview mit Bloomberg.

“Wir wollen profitables Wachstum, und keines um jeden Preis oder jedes Risiko,” sagte Spletter-Weiß mit Blick auf das Firmenkundengeschäft, wo die Erträge “signifikant steigen” sollen. Der Schwerpunkt liege dabei klar auf Deutschland. Wachsen wolle die Bank mit Bestandskunden, aber auch mit neuen Kunden, um die sie sich derzeit intensiv bemühe.

Die Suche nach Wachstum mit begrenztem Risiko zeigt sich auch bei den Finanzierungen von Zukäufen durch Private-Equity-Unternehmen, welche die NordLB ausweiten wolle. Die Bank habe zwar bereits gute Kontakte zu einigen deutschen Firmen aus der Branche, die sich auf kleinere und mittlere Unternehmen konzentrieren würden. “Wir begleiten aber keine großen kapitalmarktorientierten Leveraged Buyouts. Wir sind durchaus konservativ”, sagte die Firmenkunden-Chefin.

Bei der Betreuung von Mittelständlern wolle sie den Fokus auf Branchen wie Energie, Ernährung, Agrar, Handel und Healthcare legen. Interessant seien dabei Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu mehreren Milliarden Euro. “Dax-Unternehmen spielen weniger eine Rolle für uns”, erklärte Spletter-Weiß, die eine der wenigen Frauen in den Chefetagen der Spitzeninstitute der Sparkassen ist. Von den 29 Vorständen bei NordLB, BayernLB, Helaba, LBBW und DekaBank sind gerade einmal drei weiblich.

Ihre Aussagen zum Wachstum klingen ähnlich optimistisch wie die von CEO Jörg Frischholz. Er hatte im Februar in einem Bloomberg-Interview gesagt, die Bank habe sich wegen der Restrukturierung lange bei manchen Geschäften zurückgehalten. Nun jedoch gebe es wieder Spielräume für Neugeschäft.

Die NordLB war im Jahr 2019 wegen hoher Risiken in ihrem Portfolio an Schiffskrediten mit einem 3,6 Milliarden Euro schweren Rettungspaket gestützt worden. Im Gegenzug versprach sie, kleiner und regionaler zu werden. Die Bilanzsumme lag damals bei 145 Milliarden Euro, Ende März war sie ein Viertel niedriger.

Wachstumsfelder der Bank für die Zukunft sollen Finanzierungen von Projekten und Gewerbeimmobilien sein - und eben das Firmenkundengeschäft. Letzteres zählte mit einem Gewinn vor Steuern von 142 Millionen Euro, einer Cost-Income-Ratio von knapp 43% und einen Return on Risk-adjusted Capital von 10% im vergangenen Jahr zu den erfolgreicheren Segmenten im Konzern. Die Bank hatte insgesamt in dem Zeitraum nur 16 Millionen Euro vor Steuern verdient und im ersten Quartal 2022 sogar Verluste gemacht.

Auch der Krieg in der Ukraine, hohe Energiepreise und Lieferkettenprobleme bringen Spletter-Weiß, die für ihren neuen Job aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Hannover gezogen war, nicht von ihren Plänen ab. “Bisher haben wir keine Anhaltspunkte dafür, dass es zu mehr Kreditausfällen kommen wird”, sagte sie. Staatliche KfW-Hilfen, um die Folgen des Krieges abzufedern, seien bislang von den eigenen Kunden nicht in Anspruch genommen worden.

Ganz spurlos gehe das aktuelle Umfeld aber nicht an den Kunden vorbei. „Wir beobachten, dass Unternehmen ihre Kreditlinien bei uns ausweiten und auch vermehrt in Anspruch nehmen”, so Spletter-Weiß. “Sie nutzen die Liquidität, um sich etwa mit Rohstoffen einzudecken.“

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund will Spletter-Weiß auch am derzeitigen Zins- und Währungsmanagement für die eigenen Firmenkunden und jene der Sparkassen festhalten - und zwar im eigenen Haus. Gerade im Moment seien diese Instrumente von hoher Bedeutung. BayernLB, Helaba und die ehemalige HSH Nordbank hatten ihr Zins- und Währungsmanagement für Sparkassen hingegen an die LBBW abgegeben.

Ihren Wechsel von einer Privatbank in den öffentlich-rechtlichen Bankensektor bereut Spletter-Weiß nicht. Im Vergleich zu einem großen Konzern seien bei der NordLB die Hierarchien flacher und Entscheidungen würden schneller getroffen, sagte sie.

Derzeit beobachtet sie, dass nach der Pandemie wieder mehr Kollegen in die Bank kommen. “Für die Gesamtbank geben wir die Empfehlung aus, dass die Kollegen in etwa die Hälfte ihrer Zeit auch wieder ins Büro kommen, das kann aber auch individuell von Bereich zu Bereich differieren”, sagte sie.

(Neu: Homeoffice im letzten Absatz)

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