Ripped Jeans die Ursache allen Übels? Indischer Politiker löst heftige Diskussion aus

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 4 Min.

Jeans in allen Varianten gehören bei jungen Menschen zum modischen Standard-Repertoire. Indien ist da keine Ausnahme, doch dort sind sie konservativen Patriarchen ein Dorn im Auge. In Denim-Kleidung – vor allem, wenn sie auch noch Risse aufweist – haben sie den Übeltäter identifiziert, der die Jugend des Landes ins Verderben stürzt. Die lässt auf Twitter verlauten, was sie von diesen Ansichten hält.

Ein derartiger Anblick löst bei konservativen Patriarchen Empörung und Sexismus aus. (Symbolbild: Getty Images)
Ein derartiger Anblick löst bei konservativen Patriarchen Empörung und Sexismus aus. (Symbolbild: Getty Images)

Zuletzt war es Tirath Singh Rawat, der neue Ministerpräsident des Bundesstaates Uttarakhand, dem es beim Anblick einiger Risse in einer Jeans die Schamesröte ins Gesicht trieb. Bei einem Workshop einer Kinderrechts-Organisation wetterte er laut der BBC über eine anonyme Frau, der er auf seinem Flug begegnet war. Sie war in Begleitung zweier Kinder gereist und habe “Stiefel, Jeans mit Rissen am Knie und mehrere Armreifen” getragen.

Ripped Jeans als Einstiegsdroge zu vollkommener Nacktheit

Ein Unding, wie Rawat findet. “Sie leiten eine wohltätige Organisation, tragen zerrissene Jeans, bewegen sich frei in der Gesellschaft, Kinder sind dabei, welche Werte soll das vermitteln?”, zitiert die BBC den Politiker.

Zerrissene Jeans seien sowohl Symptom als auch Auslöser von moralischer Verdorbenheit, wie er weiter wetterte. Inder seien “auf dem besten Weg zur Nacktheit”, sagte er und war damit mit seinen verbalen Kuriositäten längst nicht am Ende: “Während Menschen in Indien zerrissene Jeans tragen, bedecken Menschen im Ausland ihre Körper anständig und machen Yoga.”

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Twitter-User sind mit den passenden Fotos zur Stelle

Rawats Wutrede zog viel Kritik nach sich. Unter anderem forderte die oppositionelle Kongresspartei, er möge sich bei allen Frauen des Landes entschuldigen – oder zurücktreten. Die Parteivorsitzende Priyanka Gandhi Vadra teilte Fotos von diversen männlichen Politikern, darunter Premierminister Narendra Modi, in – schluck – Shorts. “Oh mein Gott, ihre Knie sind zu sehen”, scherzte sie.

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Unter dem Hashtag #RippedJeansTwitter sammelten sich noch weitere spöttische und kritische Tweets, in denen Frauen ihre “anstößigen” Outfits zur Schau stellten.

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Jeans-Risse sind besser als Hirnrisse.

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Vergewaltigungen passieren nicht, weil Frauen kurze Kleidung tragen, sondern weil Männer wie Tirath Singh Rawat Frauenfeindlichkeit verbreiten und ihre Pflicht nicht tun.

Macht Rawat die Jeans unfreiwillig noch beliebter?

Schließlich sah sich Rawat tatsächlich zu einer Entschuldigung gezwungen. Er habe niemanden beleidigen wollen und jeder dürfe tragen, was er wolle, hieß es in einem Statement. Das Problem ist allerdings nicht neu. Seit Jahren deuten Politiker und Prominente in Indien immer wieder an, dass Vergewaltigungen auf die Kleidung einer Frau zurückzuführen seien.

Vor fünf Jahren sagte der damalige Kultusminister Mahesh Sharma, dass Touristinnen am Flughafen eine Liste erhalten würden, die ihnen rate, in Indien keine Röcke oder Kleider zu tragen. 2014 sorgte der beliebte Sänger KJ Yesudas mit der Aussage, dass Jeans “gegen die indische Kultur” gingen und “unerwünschtes Verhalten provozieren” würden, für Kritik.

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Denim ersetzt jedoch schon seit den 80ern bei jungen Frauen den traditionellen Sari. Und womöglich hat Rawat mit seinen Äußerungen den Trend unfreiwillig noch weiter verbreitet. Eine 69-jährige Frau, die nach eigener Aussage ihr Leben lang bevorzugt Sari getragen hat, fühlte sich von Rawats Aussagen derart verärgert, dass sie selbst zerrissene Jeans ausprobierte – und begeistert war.

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Wisst ihr was, diese zerrissenen Jeans sind super für alte Mädels mit kaputten Knien wie mich. Wieso bin ich nicht schon früher drauf gekommen?

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