Sex-Killer oder Beziehungs-Booster? Wie Toys, Internet und Co. unser Liebesleben verändern

Vanessa Schwake
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Sex-Killer oder Beziehungs-Booster? Wie Toys, Internet und Co. unser Liebesleben verändern

Durch das Internet, Sex-Toys und Dating-Apps ist sexuelle Befriedigung so leicht zu bekommen wie noch nie. Doch ist das wirklich positiv? Oder stumpfen wir ab und verliert die Zweisamkeit ihren Wert?

Früher musste man noch verschämt in die Videothek schleichen, um sich einen Porno auszuleihen. Heute sind Sexclips mit einem Mausklick im Internet erreichbar. Dasselbe gilt für Vibratoren in Online-Shops oder Singles in der Dating-App - Sex ist so leicht greifbar wie nie. Doch was macht das mit uns: Stumpfen wir ab oder werden wir spielerischer? Verliert Zweisamkeit und die gute alte Handarbeit ihren Wert und die moderne Technik sorgt dafür, dass wir im Bett nur noch perfekte Partner und optimierte Orgasmen akzeptieren, die wir variieren, wie es uns gerade passt?

Wie moderne Technik unser Sexleben verändert

Rund 43 Prozent aller Internet-User sehen sich pornografische Inhalte an. Ein Viertel aller Suchanfragen dreht sich um Pornografie. Sprich: Es ist keine Seltenheit, dass Sexfilme auf unserem Computerbildschirm gestreamt werden - und prinzipiell ja auch keine schlimme Sache! Wer seinem Partner Pornos verbieten möchte, wird wohl nicht weit kommen mit dieser Forderung.

Denn erstens machen Verbote nur noch mehr Lust und zweitens werden 70 Prozent aller pornografischen Inhalte werktags zwischen 9 und 17 Uhr abgerufen. In einer Umfrage gaben immerhin 20 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen zu, sich im Büro Pornos anzusehen. Pornos sind also allgegenwärtig. Wieso die sexy Streifen also nicht positiv in die Partnerschaft integrieren?

Vorteile von Pornos für unser Liebesleben

Wer statt Netflix gemeinsam einen netten Porno im Schlafzimmer schaut, kann zum Beispiel neue Sexstellungen kennenlernen und diese direkt nachturnen. Es gibt jede Menge kreative Ideen und Techniken, um im Bett auf neuen Wegen zum Ziel zu kommen - Pornos können ein effektiver Anheizer sein und Pep in eine eingeschlafene Beziehung bringen. Neue Fantasien können geweckt und bereits bestehende befriedigt werden. Wer gemeinsam einen Sexfilm schaut, in dem sexuelle Vorlieben gezeigt werden, dem fällt es hinterher leichter, diese anzusprechen und dem Liebsten vorzuschlagen.

Nachteile von Pornos für unser Liebesleben

Falsche Erwartungen können geweckt werden. Der regelmäßige Porno-Kosument kommt eventuell zu dem Punkt, dass er oder sie sexuelle Handlungen aus dem Film als "normal" erachtet und einfordert - ungeachtet dessen, dass diese vielleicht nicht den persönlichen Vorlieben des Sexualpartners entsprechen. Dies ist vor allem gefährlich bei Gewaltfantasien, extremen Rollenspielen und stark ausgeprägten Fetischen.

Beide Beteiligten sollten immer einvernehmlich handeln und sich im Klaren sein, was Realität und was Film ist. Ein Codewort kann helfen, um im Eifer des Liebesspiels "Stop" zu sagen. Sexualforscher nennen diesen Realitätsverlust Porn-Induced Erectile Dysfunction (PIED). Betroffene haben nach zu vielen Pornos Schwierigkeiten, Sex mit einer Person im normalen Leben zu haben. Ein Sexualtherapeut kann dann helfen.

Sexspielzeuge: Bereicherung fürs Schlafzimmer?

Glücklicherweise kommen Sextoys heutzutage bequem nach Haus, sodass man die elektrische Zahnbürste nicht mehr zweckentfremden muss. Singles kommen so auch ohne Partner auf unterschiedliche Weise zum Orgasmus.

Pro Sextoys: Batteriebetriebene, anatomisch angepasste Spielzeuge sind selbstverständlich kein angemessener Ersatz für leidenschaftliche Küsse, intensive Augenblicke und sanfte Streicheleinheiten. Aber Sextoys erweitern das Spektrum im Schlafzimmer, bringen Spaß in die Kiste und helfen, Höhepunkte schneller, anders oder überhaupt zu erreichen. Wer kann da schon was dagegen haben?

Kontra: Wenn die Frau auf einmal den Dildo oder Vibrator ihrem Partner vorzieht, läuft was schief im Schlafzimmer. Sextoys sollten die Sahne auf dem Kuchen sein und nicht zur Sahnetorte werden. Wenn Sie als Paar bemerken, dass die Spielzeuge zum Must-have werden, statt als Extra zu dienen, sollten Sie miteinander reden und herausfinden, wie Sie ohne Hilfsmittel miteinander Befriedigung beim Geschlechtsverkehr finden.

Sex-Apps: Supermarkt für Singles

Das Gute an Dating-Apps: Gerade in deutschen Großstädten fällt es gestressten Workaholics immer schwerer mit dem anderen (oder gleichen) Geschlecht in Kontakt zu treten. Da erleichtern Dating-Apps das Singleleben schon sehr. Ob daraus dann eine schnelle Nummer oder eine Beziehung wird, kann ja jeder selbst entscheiden.

Kontra: Menschen zu daten kommt mittlerweile fast einem Supermarkteinkauf gleich. Grenzenlose Möglichkeiten. Da muss man sich keine Mühe mehr geben. Passt es nicht auf Anhieb, nimmt man einfach die nächste Option. Gibt ja genügend Auswahl. Anstatt wie einst auf dem Festnetztelefon der Eltern der Angebeteten anrufen zu müssen, um ein Rendezvous zu erbeten, wischt man heute mit dem Finger über sein Smartphone und schreibt bei einem Match: "Hey, kommst du bei mir vorbei um 21 Uhr zum Chillen?" Romantik, Kavaliere, Vorfreude - Fehlanzeige!

Internet- Fluch oder Segen fürs Sexleben?

Rund neun Prozent der Internet-Nutzer sind mittlerweile stark abhängig vom Netz. Trend: steigend! Selbstverständlich wollen wir alle nicht mehr ohne die weltweite Vernetzung leben. Es hilft uns, miteinander in Kontakt zu treten und zu bleiben, schnell unsere Wunschprodukte zu erwerben und jegliche Art von Fetisch im Filmformat genießen zu können. So weit, so gut.

Doch nicht nur ein übersteigerter Pornokonsum und Dauerdating können eine gesunde Partnerschaft gefährden oder gar nicht erst entstehen lassen, auch Videospiele und soziale Netzwerke können zum Beziehungskiller werden. Denn anstatt abends gemeinsam etwas zu unternehmen oder sich zu unterhalten, sitzen viele Kerle vor der Playstation, während die Dame ihr Instagram-Profil updated. Selbst beim romantischen Abendessen beim Italiener starren viele Paare auf ihre Handys, anstatt einander in die Augen.

Fazit: Für die Nutzung von moderner Technik, Toys und Apps gilt wohl dasselbe wie für guten Wein - in Maßen genossen, spricht nichts dagegen.