Fische kennen keinen Schmerz? Forscher räumen mit Mythos auf

Larissa Kellerer
Freie Autorin

Angler behaupten oftmals, dass Fische keinen Schmerz fühlen, da sie nicht über ausreichend neuroanatomische Strukturen verfügen. Ein Mythos, sagen Wissenschaftler und weisen darauf hin, dass die schuppigen Tierchen ähnlich wie wir Menschen Schmerzen empfinden können. Eine britische Studie zeigt sogar, dass verschiedene Fischarten nach einer schmerzhaften Erfahrung ihr Verhalten ändern.

So vermenschlicht wie "Dorie" und "Nemo" müssen Fische nicht werden, doch Forscher haben längst mit dem Mythos aufgeräumt, dass Fische gefühllose Wesen sind (Symbolbild: Getty Images)

Zu diesem Ergebnis kam das Team rund um Dr. Lynne Sneddon, Biologin an der Universität in Liverpool. Beispiel Barsch: Die Süßwasserfische saugen ihre Nahrung mit dem Mund ein. Dr. Lynne Sneddon fand heraus, dass Barsche, die zuvor mit einem Angelhaken gefangen wurden, weniger gefressen haben, als wenn sie auf harmlose Weise etwa mit einem Kescher aus dem Wasser geholt wurden.

Auch Goldfische, die in dem Teil des Beckens, in dem sie normalerweise gefüttert wurden, Stromschläge bekommen haben, mieden diesen Bereich drei Tage lang, wodurch den Forschern zufolge die anhaltenden Auswirkungen der Schmerzen deutlich werden.

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Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass die Fische weniger aktiv waren als die Kontrollgruppe, hyperventilierten oder die betroffene Stelle mechanisch bearbeiteten.

“Wenn die Lippen des Fisches einen schmerzhaften Reiz erhalten, reiben sie den Mund gegen die Seite des Aquariumbeckens, ähnlich wie wir uns den Zeh reiben, nachdem wir ihn wo angeschlagen haben“, erläutert Dr. Lynne Sneddon in ihrer Studie.

Diese Reaktionen nahmen ab, sobald den Fischen ein Schmerzmittel verabreicht wurde, was beweist, dass Schmerzen die Ursache für Verhaltensveränderungen sind.

Tests mit Goldfischen belegten, wie schmerzempfindlich Fische tatsächlich sind (Symbolbild: Getty Images)

Dr. Lynne Sneddon weist aufgrund ihrer Erkenntnisse darauf hin, dass es wichtig ist, ein Bewusstsein zu entwickeln, dass Fische im Hinblick auf das Wohlergehen der Tiere Schmerzen empfinden, wie dies bei Säugetieren der Fall ist.

"Wenn wir akzeptieren, dass Fische Schmerzen verspüren, hat dies wichtige Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir sie behandeln. Beim Umgang mit Fischen sollte darauf geachtet werden, dass ihre empfindliche Haut nicht beschädigt wird. Sie sollten auf humane Weise gefangen und getötet werden", so die Biologin.

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