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Ich bin Teil der Gen Z und empfand meinen 9-to-5-Job erdrückend — dann veränderte Home Office mein Leben

Die Autorin arbeitet von zu Hause aus – ihre Katze auch! - Copyright: Juliana Kaplan/Business Insider
Die Autorin arbeitet von zu Hause aus – ihre Katze auch! - Copyright: Juliana Kaplan/Business Insider

Die Generation Z will keinen 9-to-5 Job und findet die Vollzeitarbeit deprimierend. Darüber berichten viele Medien gerade. Und ich bin froh, dass die Gesellschaft darüber redet. Denn bevor die Pandemie drastisch änderte, wie und wo wir arbeiten, war ich selbst auch fast am Untergehen mit meiner Arbeit.

Ich schloss 2019 mein Studium ab und begann sofort, im klassischen 9-to-5-Job zu arbeiten. Natürlich konnte ich mich unglaublich glücklich schätzen, einen Job zu finden, der mich begeisterte. Vor allem lag er in einem Bereich, in dem ich Karriere machen wollte (Spoiler-Alarm: Ich fing bei Business Insider in den USA an). Trotzdem war ich schockiert, wie drastisch sich mein Leben veränderte.

Mein 9-to-5-Job tat mir nicht gut

Plötzlich ging es morgens nur noch darum, früh genug aufzustehen, um pünktlich loszugehen. Ich hatte immer einen langen Weg zur Arbeit. Denn auf dem New Yorker Mietmarkt 2019 eine Wohnung zu finden, die meinem Budget entsprach, bedeutete, weit weg von der Arbeit zu wohnen.

Jeden Tag saß ich in der überfüllten U-Bahn und musste an meine Uni-Tage denken. Denn damals verbrachte ich die Tage mit meinen Freunden und Freundinnen in der Bibliothek. In aller Ruhe bereiteten wir uns neben den Vorlesungen auf die Prüfungen vor.

2017 beschäftigte sich die University of West England in einer Studie mit den An- und Abreisewegen von Beschäftigten. Heraus kam, dass jede zusätzliche Minute, die man mit Pendeln verbringt, die Zufriedenheit bei der Arbeit und in der Freizeit verringert und die psychische Gesundheit verschlechtert. Zusätzliche 20 Minuten für eine Hin- und Rückfahrt kommen einer Lohnkürzung von 19 Prozent gleich.

Ich wachte immer früh auf und schlief nie genug. An den Wochenenden hatte ich Zeit, meine Freunde zu sehen, meine Familie anzurufen, Schlaf nachzuholen, endlich meine Wohnung zu putzen und die Wäsche zu waschen. Aber trotzdem sah ich im Supermarkt oder beim Brunch ständig auf die Uhr. Ich zählte die Stunden herunter, bis ich ins Bett musste, um die Woche wieder zu beginnen.

Nicht nur ich fühlte mich überfordert

Ich erinnere mich, dass ich ein Meme gesehen hatte: "Schlaf, Freundschaft und gute Arbeit — du kannst nur eins wählen." Als ich das las, wollte ich weinen. Trotzdem wusste ich, dass ich mich in einer privilegierten Position befand. Ich hatte nur einen Job und war immer noch Berufseinsteiger. Aber mehr als 40 weitere Jahre in dieser 9-to-5 Situation klangen für mich untragbar.

Natürlich ist der Übergang von der Schule in die "reale Welt" eine Geschichte, so alt wie das Büro selbst. Schon 1856 veröffentliche der US-amerikanische Schriftsteller Herman Melvilles die klassische Kurzgeschichte "Bartleby der Schreiber". Die Geschichte handelt von einem gebrochenen jungen Arbeiter, der in sein Büro einzieht und feststellt, dass er viele Aufgaben "lieber nicht" machen möchte. Nicht umsonst ist "The Office" eine erfolgreiche Serie. Sie handelt von Menschen, die in der seelenlosen Umgebung des Büroalltags zu bestehen versuchen.

Meine Generation ist jedoch die Erste, die in so kurzer Zeit mehrere Wechsel erlebte: von der Schule ins Büro, dann zu Remote Work – und jetzt zur Hybridarbeit. Wir haben alle Optionen kennengelernt. Auf Plattformen wie Tiktok diskutieren wir dann sofort über Vor- und Nachteile mit Millionen von Gleichaltrigen.

Remote Work half mir, wieder ein Gleichgewicht in meinen Joballtag zu bringen

Remote Work in der Pandemie hat alles für mich verändert. Ich konnte plötzlich mehr schlafen und traf mich mit meinen Freunden auf Zoom, wo wir regelmäßig Spieleabende veranstalteten. Außerdem lernte ich, wie man richtig kocht.

Ich war kein Einzelfall. Im Jahr 2022 untersuchte die Federal Reserve Bank of New York, wie genau Arbeitnehmer ihre neu gewonnene Zeit nutzen. Bei den jüngeren Arbeitnehmern zwischen 18 und 30 Jahren verbrachten die Menschen mehr Zeit mit Schlafen, mit Freunden und Sport.

Von Zuhause zu arbeiten bedeutete, dass ich mir ein gesundes Mittagessen Zuhause machen konnte. Oder ich konnte mitten am Tag zum Café um die Ecke laufen. Ich fing auch mit dem Joggen an und nutzte kleine Pausen von 20 bis 30 Minuten, um kurz laufen zu gehen.

Andere Menschen hatten scheinbar die gleiche Idee: Hell Gate, ein lokales Magazin in New York City, fand heraus, dass die Stadt ihren eigenen pandemiebedingten Laufboom erlebte. Ein Sprecher der New York Road Runners erklärte der Zeitschrift, dass der durchschnittliche Wettlauf inzwischen in rekordverdächtigen 87 Tagen ausverkauft ist.

Daten des Bureau of Labor Statistics belegen, dass Arbeitnehmer im Haupterwerbsalter in den USA mehr Zeit mit Laufen, Spazierengehen und Spielen mit ihren neuen Haustieren verbringen, da die Arbeit im Home Office immer weiter zunimmt.

Das alles ist Teil eines Wandels, den der Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Heimarbeit Nick Bloom von der Stanford University beobachtet hat. Remote Work hat mir den Zeitplan des Studiums zurückgegeben, den ich vermisst habe. Als ich selbst entscheiden konnte, wann ich Unterricht, Mahlzeiten und Besorgungen erledige.

Bloom erklärte zuvor gegenüber Business Insider US, dass Remote-Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten von neun bis fünf Uhr weg verlagerten und stattdessen abends und an den Wochenenden arbeiteten. "Ähnlich wie Studenten sich dafür entscheiden, ihre Arbeit aufzuteilen — anstatt nur von Montag bis Freitag von neun bis fünf zu arbeiten — entscheiden sich auch Arbeitnehmer dafür, ihre Arbeit aufzuteilen", sagte Bloom.

Die Pandemie änderte meinen Joballtag nachhaltig — heute arbeite ich Hybrid

In Verbindung mit dem wirtschaftlichen Aufschwung bedeutet Remote Work gleichzeitig, dass die Arbeitnehmer in der Lage waren, sich ein finanzielles Sicherheitsnetz aufzubauen, wie sie es zuvor nicht getan hatten. Die persönliche Sparquote schnellte während der Pandemie in die Höhe. Für mich wurde die vor der Pandemie unerschwingliche Miete plötzlich zu einem Pandemieangebot. Ich konnte in eine Wohnung einziehen, die größer war, als ich es mir als Anfang 20-Jährige jemals hätte leisten können.

Ist es da ein Wunder, dass die Generation Z eine neue Normalität will? Einige der Generation Z setzen es bereits in die Tat um, indem sie das Leben als Vollzeitjob und ihre Arbeit als Teilzeitbeschäftigung betrachten. Sie setzen sich auch für die Vier-Tage-Woche ein und haben die Great Resignation (Kündigungswelle 2021) angeführt.

Heutzutage bin ich eher ein Hybridarbeiter. Das ist eine Entscheidung, die ich ganz allein getroffen habe. Dank meiner Finanzen kann ich nahe genug an der Arbeit wohnen, um meinen Arbeitsweg auf etwa 20 Minuten zu verkürzen. Wie andere Mitglieder der Generation Z genieße ich den persönlichen Kontakt zu meinen Kollegen und — ehrlich gesagt — auch das kostenlose Essen, das mein Arbeitgeber bereitstellt.

Aber was mir an meinem neuen Hybridmodell am meisten gefällt, ist die Tatsache, dass sich die Arbeit von neun bis fünf wie ein Novum anfühlt. Es ist etwas, das ich ein- oder zweimal in der Woche durchspiele. Die restliche Zeit arbeite ich von zu Hause aus — und gehe vielleicht auch noch joggen oder wasche Wäsche.