US-Moderatorin verspottet Prinz George wegen seiner Ballettstunden

Antonie Hänel
Freie Autorin

Die Geschlechterrollen, die wir kleinen Kindern überstülpen, sind noch lange nicht vom Tisch: Im amerikanischen Fernsehen machte sich eine Moderatorin über Prinz George lustig, der das Ballett für sich entdeckt hat. Warum das so problematisch ist.

Der kleine Prinz George bei der "Trooping The Colour"-Parade im Juni 2019 (Bild: Max Mumby/Indigo/Getty Images)

Jungs mögen Autos, Fußball und Raufereien, Mädchen stehen auf Rosa, Prinzessinnen und Pferde - und bloß nicht umgekehrt! Dass so ein antiquiertes Denken die Entfaltung von Kindern nachhaltig hemmt, beweisen zahlreiche Studien. Verstanden haben das trotzdem noch lange nicht alle.

Die amerikanische Moderatorin Lara Spencer zum Beispiel. Sie machte sich in der quotenstarken Sendung “Good Morning America” darüber lustig, dass auf dem Stundenplan von Prinz George, dem sechsjährigen Sohn von Prinz William und Herzogin Kate, künftig auch Ballettstunden stehen.

Prinz George: So durfte der kleine Prinz seinen 6. Geburtstag feiern

Nachdem sie die neuen Fächer vorgelesen hatte, wurde ein Bild des lachenden George eingeblendet. Für Spencer anscheinend eine gute Gelegenheit, um ihr Unverständnis über die Leidenschaft des kleinen Prinzen auszudrücken: “Man kann nicht verstehen, warum er sich wegen des Ballett-Unterrichts so freut.” Unter dem Gelächter des Publikums fährt sie fort: “Prinz William hat gesagt, dass George Ballett absolut liebt. Ich habe Neuigkeiten für dich, Prinz William: Mal sehen, wie lange das noch so bleibt!”

Wenn Prinz George weiter solche Kommentare hören muss und für sein Hobby öffentlich ausgelacht wird, könnte sie damit tatsächlich Recht behalten. Seine Familie unterstützt den kleinen George dagegen sehr: "Wenn man etwas mag, sollte man es machen, egal, was die anderen dazu sagen!", sagte William schon 2018 zu dem Thema.

Beyoncé-Choreograf teilt seine Mobbing-Erfahrungen

Genauso sieht das einer, der es mit Tanz schon sehr weit gebracht hat: Der erfolgreiche Tänzer und Choreograf Brian Friedmann arbeitete etwa für Stars wie Beyoncé, Britney Spears oder Cher und warnt auf Instagram vor den Folgen solcher Kommentare.

“Dieser entzückende Junge wird von einer erwachsenen Frau im nationalen Fernsehen in Amerika bloßgestellt, weil er Ballett-Unterricht nimmt!”, schreibt Friedmann zu dem Video-Ausschnitt. “Als ich als Tänzer groß geworden bin, wurde ich furchtbar gemobbt, was genau dasselbe ist. Sie zeigt der Welt, dass es ok ist, Jungs, die tanzen, auszulachen und das ist traurig. Denkt nur an die kleinen Jungs, die das gesehen haben und jetzt ihre Leidenschaft wegen ihr aufgeben.”

Zwangsjacke aus Gender-Konstrukten

Für Kinder ist es schwierig bis unmöglich, sich mit einer Zwangsjacke aus Gender-Konstrukten – zu der genau diese Erwartungen und Vorstellungen der Gesellschaft führen – frei zu entwickeln. Und wer von klein auf lernt, seine wahren Interessen zu unterdrücken und seine Persönlichkeit der Gesellschaft anzupassen, der wird es schwer haben, als Erwachsener glücklich zu werden.

Das ist mittlerweile auch bei Moderatorin Spencer angekommen. In den sozialen Medien hat sie sich nun für ihre unsensiblen Kommentare entschuldigt. “Ich glaube vollkommen daran, dass wir alle unseren Leidenschaften folgen sollten. Besteige den Berg – und liebe jede Minute davon“, schreibt sie in ihrer Instagram-Story.

Collien Ulmen-Fernandes: “Gleichberechtigung finden nur in der Theorie alle gut”

Kleiner TV-Tipp: Wer mehr über die Auswirkungen von Gender-Konstrukten auf die Entwicklung von Kindern erfahren möchte, dem sei die ZDF-Dokumentation “No More Boys and Girls“ mit Collien Ulmen-Fernandes ans Herz gelegt.

VIDEO: Prinz George besticht mit seinem Look