Wie sich ein Orgasmus eine Stunde danach auf Körper und Geist auswirkt

·Freie Autorin

Die gesundheitlichen Vorzüge eines Orgasmus sind nicht nur von der Wissenschaft belegt, sondern auch von all denjenigen, die regelmäßig einen haben: Orgasmen können Stress reduzieren, den Schlaf verbessern und sogar das Immunsystem stärken. Doch was genau passiert im Körper in der Stunde nach dem Orgasmus? Ein Überblick.

Was passiert nach dem Orgasmus im Körper? Mehr, als viele denken (Symbolbild: Getty Images)
Was passiert nach dem Orgasmus im Körper? Mehr, als viele denken. (Symbolbild: Getty Images)

Keine Frage: Ein Orgasmus fühlt sich gut an, bringt uns näher an den Partner, schafft intensiveres Bewusstsein über den eigenen Körper und hat positive Auswirkungen auf den Körper. Und diese ziehen einen längeren Effekt nach sich, als vielen bewusst ist. Denn während man entweder eingeschlafen ist oder sich wieder dem Alltag widmet, passieren nach dem Moment des Höhepunkts komplexe Vorgänge in Körper und Gehirn, sowohl auf physischer als auch psychischer Ebene - und das bis zu einer Stunde lang.

Die Website "Bedbible", die sich auf Tests von Sexspielzeug spezialisiert hat, hat sich diese Vorgänge genauer angesehen und grob auf einen Punkt gebracht. Diese Vorgänge variieren allerdings stark nach Geschlecht und Individuum.

0 Minuten nach dem Orgasmus

Unmittelbar nach dem Höhepunkt erreicht eine Welle des Glückshormons Dopamin das Gehirn und sorgt für eine Art Euphorie, die - rein physiologisch gesehen - einen ähnlichen Effekt auf das Belohnungszentrum im Hirn hat wie ein Drogenrausch.

1 Minute nach dem Orgasmus

Damit ist der Hormonrausch noch nicht zu Ende. Frauen erleben kurz darauf eine Welle von Oxytocin, das ebenfalls ein Glücksgefühl auslöst. Bei Männern hingegen sorgt Prolaktin dafür, dass der Dopamin-Rausch langsam nachlässt und sich stattdessen ein Gefühl der Befriedigung breitmacht. Bei beiden Geschlechtern reagiert der Körper in der Regel jetzt noch nicht besonders stark auf weitere sexuelle Stimulation.

5 Minuten nach dem Orgasmus

Blutdruck und Herzfrequenz, die während dem Sex noch deutlich erhöht waren, fahren nun wieder herunter und machen Platz für ein Gefühl der Entspannung. Bei manchen Frauen bleibt der Oxytocin-Spiegel - übrigens auch das Hormon, das während der Geburt eines Kindes ausgeschüttet wird - auch jetzt hoch, was die Bindung zum Partner stärken kann. Wer nach dem Sex gerne kuschelt: Jetzt ist die perfekte Zeit dafür!

10 Minuten nach dem Orgasmus

Bei manchen Menschen setzt jetzt eine Art postkoitaler Blues ein: Während der Körper quasi "auf Entzug" von all den Glückshormonen geht, die gerade noch durch den Körper geströmt sind und jetzt bisweilen auf einen niedrigeren Stand sinken als vorher, empfinden manche Menschen jetzt kurzzeitig Traurigkeit, Wut oder Unruhe. Nicht selten fließen nach dem Orgasmus bei einigen Menschen sogar Tränen.

Viele fühlen außerdem jetzt womöglich den Drang, auf die Toilette zu gehen, was sich durch Zuckungen in und um die Blase ergibt. Diese zu entleeren ist nach dem Sex ohnehin sinnvoll: Damit werden potentielle Keime aus der Harnröhre gespült, was Blasenentzündungen oder anderen Infektionen vorbeugen kann.

30 Minuten nach dem Orgasmus

Der Herzschlag und Blutdruck normalisieren sich, und wer nach dem Sex rosige Wangen bekommt, verliert diese langsam wieder, da sich auch die zuvor erweiterten Blutgefäße wieder verengen. Einige Menschen fühlen jetzt womöglich Krämpfe im Intimbereich, wenn die Muskelzuckungen während der Höhepunkts besonders intensiv waren - dies kann sowohl beim Penis als auch der Vagina passieren.

40 Minuten nach dem Orgamus

Bei Männern ist der Prolaktin-Spiegel nun meist immer noch hoch, was erneute sexuelle Erregung erschwert. Während die Erholungsphase - also die Zeit, bis ein weiterer Orgasmus möglich ist - bei Frauen in aller Regel wesentlich kürzer ist, brauchen Männer eine Weile, bis der Körper wieder für Erektion und Orgasmus bereit ist.

Stattdessen setzt jetzt oft Müdigkeit ein. Gerade Männer sind anfälliger für die Morphium-ähnliche Wirkung, die Endorphine - ebenfalls sogenannte Glückshormone - haben können. Bei Frauen setzt häufiger ein durch Adrenalin ausgelöster Energieschub ein.

60 Minuten nach dem Orgasmus

Wie lange die Erholungsphase beim Mann andauert, hängt von diversen Faktoren wie Alter, Gesundheit und Libido ab, doch bei vielen dauert sie laut "Bedbible" etwa eine Stunde an - bei älteren können es jedoch genauso gut 24 sein. Frauen erholen sich meist weitaus schneller von den körperlichen Vorgängen im Körper.

Wie nahezu alle körperlichen Vorgänge sind allerdings auch Lust, Sex und Orgasmen sehr individuell. "Bedbible" weist selbst darauf hin, dass man sich nach diesen physiologischen Phänomenen nach dem Höhepunkt nicht die Uhr stellen kann. Jedoch kann es sich lohnen, nach dem Sex ein wenig mehr in sich hineinzuhorchen und die Achterbahn an Gefühlen und Empfindungen, die der Körper gerade durchmacht, ein wenig bewusster wahrzunehmen.

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