YouTuber Marvin deckt auf: Influencer-Marketing für Fake-Produkt

·Freie Autorin
·Lesedauer: 5 Min.

Stehen Influencer wirklich hinter allen Produkten, die sie bewerben? Wie YouTuber Marvin Wildhage herausfand, wohl nicht alle. Mit einem Fake-Produkt legte er ein paar echte Instagram-Größen rein und schaffte es, dass sie sich Gleitgel ins Gesicht schmieren – nur weil die Kohle stimmt.

Marvin Wildhage hatte mit seinem Experiment
Marvin Wildhage hatte mit seinem Experiment "Hydro Hype" Erfolg (Bild: Instagram/Marvin Wildhage)

Es wäre eigentlich schon fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre: Marvin Wildhage legt sich richtig ins Zeug und erfindet ein Fake-Produkt, um zu beweisen, dass Influencer für Geld fast alles tun. Das Erschreckende: Es gelingt ihm. Zumindest bei einigen. Der YouTuber verkauft Gleitgel als Gesichtscreme gegen Falten und schafft es damit, auch bekannte Internetgrößen aufs Kreuz zu legen.

"Ich wollte beweisen, dass Influencer für Geld wirklich alles sagen und sogar ihre Prinzipien vergessen", heißt es in dem Video, das Wildhage auf seinem YouTube-Kanal live gestellt hat und das bereits über 2,5 Millionen Aufrufe hat. Wie genau ihm das gelingen sollte? Mit einer erfundenen Gesichtscreme, die er in kleine Tiegel abgefüllt und mit einem Sticker namens "Hydro Hype" versehen hat. Die Creme hat allerdings keine Wunderkräfte, denn es handelt sich dabei – wie er später verrät – bloß um Gleitgel. 

Wer sich die Inhaltsliste genauer ansieht, merkt gleich, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Denn in der angeblich veganen Naturkosmetik stecken neben Aqua und Glycerin auch Uran, Asbest und "Pipikaka Seed Oil". Ein paar "Easter Eggs", die der YouTuber bewusst eingebaut hat, um zu zeigen, dass Influencer eben nicht alles lesen, was sie in die Hände bekommen. Natürlich sind diese Inhaltsstoffe nicht wirklich in der Creme enthalten. 

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Was braucht es noch, um einen Influencer zu täuschen? Eine schöne Webseite und ein Instagram-Auftritt dürfen natürlich auch nicht fehlen. Auch die zieht Marvin Wildhage hoch, kauft fleißig Follower, Likes und sogar Kommentare ein, damit alles authentisch wirkt. Ein knappes Jahr lang baut er eine Internet-Präsenz auf. Zu guter Letzt erfindet er eine PR-Firma, die ihn vertritt und Influencer für das Produkt gewinnt. Er erstellt auch ein Wunschkonzept mit Dos und Don'ts, wie die Influencer "Hydro Hype" bewerben sollen. 

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Natürlich sind nicht alle Influencer auf Marvin Wildhages Fake-Produkte hereingefallen, aber einige waren dann doch dabei. Darunter die ehemalige GNTM-Kandidatin Enisa Bukvic, die stolze 856.000 Follower auf Instagram hat. "Das sieht so glowy aus, das ist super gegen Falten", bewirbt Enisa das Produkt in ihrer Story.

BERLIN, GERMANY - JANUARY 14: Enisa Bukvic attends the Irene Luft show during Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2020 at Kraftwerk Mitte on January 14, 2020 in Berlin, Germany. (Photo by Matthias Nareyek/Getty Images for MBFW )
Enisa Bukvic fiel auf das Fake-Produkt von Marvin Wildhage rein (Bild: Matthias Nareyek/Getty Images for MBFW )

"Ich sehe da ehrlicherweise keinen Unterschied. Kann natürlich sein, dass die eine Gesichtshälfte trocken ist und die andere jetzt glänzt, weil da Gleitgel drauf ist", kommentiert Marvin Enisas Clip. Sie postet sogar ein Vorher-Nachher-Bild, auf dem sie den angeblichen Anti-Aging-Effekt der Creme präsentiert. "Hier sieht man ganz klar, dass sie gemogelt hat, denn so einen Effekt kann Hydro Hype gar nicht hervorrufen. Ist ja nur Gleitgel drin. Und das finde ich ehrlicherweise etwas schwierig, weil sie da offensichtlich für Geld ihre Follower belügt", so Marvin. Das ist "illegale Werbung", bestätigt auch Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei WBS in einem YouTube-Clip.

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Aber er sagt auch: "Enisa könnte auch – wenn sie in die Haftung genommen werden würde – Marvin in die Haftung nehmen, denn er hat ihr ja diese ganzen Merkmale untergejubelt, die für sie, zugegebenermaßen, nicht ganz einfach zu überprüfen waren."

Für ihren Fauxpas erntete die Influencerin einen Shitstorm, entschuldigte sich bei ihren Fans inzwischen aber. "Mir war ja von vorne herein klar, dass ich mit dem Thema polarisiere, und verständlicherweise gab es auch Kolleginnen und Kollegen, die das Thema nicht so gut fanden", erklärt Marvin in einem neuen Video. "Ich habe Enisa ja nicht dazu gezwungen, diesen Fehler zu machen oder dazu verführt – ich habe sie einfach nur getestet, und diesen Test hat sie einfach nicht bestanden."

Dass Enisa seit der Aktion angefeindet wird, bereut Marvin dennoch: "Unter ihren Postings waren einige Kommentare, [...] die unter die Gürtellinie gingen, und ich muss ehrlicherweise sagen, dass das Video nicht dazu aufgerufen hat, eine Hetzjagd zu starten." Marvin erklärt: "Klar, sie hat einen Fehler gemacht, aber Mobbing hat sie nicht verdient. Enisa, tut mir leid, das war nicht meine Absicht, das war nicht mein Ziel."

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Auch TV-Star Bastian Yotta gehört zu den Influencern, die Hydro Hype bewerben wollen. Doch mit ihm möchte Marvin nicht zusammenarbeiten. Denn: Er findet heraus, dass dieser seine "Insights“, die Traffic-Zahlen auf Instagram, mit Photoshop gefälscht hat. Gegenüber der "Bild" gab Yotta aber ein Statement ab und stellte klar: "Ich wollte es nicht bewerben, da mir von Anfang an klar war, dass das Bullshit bzw. Fake ist. Marvin hat von mir die gleiche Qualität als Zahlen bekommen, wie er mir als Creme geben wollte.“

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Wie Marvin ebenfalls der "Bild" verriet, haben alle Influencer für die Werbung Geld bekommen: "Im Laufe der Wochen hat sich da ein laues Sümmchen von knapp 10.000 Euro angesammelt. Alle, die etwas gepostet haben, wurden auch bezahlt.“

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Influencerin Vanessa Mariposa ist dem YouTuber ebenfalls auf den Leim gegangen sind. Sie fragt sogar eine Kooperation mit ihm an, bewirbt die Creme und auch sie flunkert ihre Follower an. Sie habe das Produkt angeblich bei ihrer Mutter entdeckt und sei total begeistert.

Inzwischen hat auch YouTube-Star Rezo Wind von der Aktion bekommen und auf Marvins Video reagiert. Und als er hört, dass Vanessa Mariposa von einem "mit Urangestein gefiltertem Wasser", kann er es nicht fassen und sagt: "Das ist schon .. das ist schon unangenehm." 

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