10 Dinge, die Travel-Influencer lieber nicht verraten wollen

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Das Leben als Influencer ist nicht so perfekt, wie ihre Fotos uns weismachen wollen. (Symbolbild: Getty Images)

Jeden Tag Frühstück im Bett, den schönsten Sonnenaufgang erleben und das beste Wetter im Luxushotel genießen. Und das alles auch noch kostenlos! Das Leben eines Travel-Influencers scheint in jeglicher Hinsicht perfekt zu sein. Sie bereisen die ganze Welt – und zwar nicht nur ohne dafür monatelang sparen zu müssen, sie bekommen auch noch Geld dafür. Und natürlich Anerkennung. So schön der Schein auf Instagram aber sein mag: Das vermeintlich sorgenfreie Leben hat auch seine Schattenseiten. Hier kommen 10 Dinge, die die Reiseprofis lieber geheim halten würden.

1. Leben aus dem Koffer

Klar, man steigt zwar in den schönsten und besten Hotels ab und sieht die ganze Welt, doch so ein Leben aus dem Koffer kann auch ganz schön traurig sein. „Ich habe keine Wohnung. Schon seit zwei Jahren nicht mehr“, verrät Alyssa Ramos (30) von „My Life’s a Travel Movie“ und „Alyssa Ramos Travels“ gegenüber Cosmopolitan. Ihre Habseligkeiten hat die Reise-Influencerin in einem mietbaren Lagerraum, einem sogenannten Selfstorage untergebracht. Der Rest wird im Koffer verstaut. „Wenn ich eine Pause brauche oder habe, suche ich mir ein Hotel oder ein Airbnb, in dem ich mich für zwei Wochen oder so wohl fühle. Danach geht’s wieder auf Reisen.“

2. Schreiben muss man können

Als Reise-Influencer muss man seinen Followern nicht nur gute und ansprechende Bilder präsentieren, sie wollen auch mit interessanten Infos versorgt werden. Das hat zur Folge, dass nicht nur ein schönes Foto gemacht werden muss (was oft genug Stunden dauert), es muss auch eine ausführliche Bildunterschrift dazu geschrieben werden. Alyssa Ramos braucht manchmal ganze 30 Minuten, um ein einziges Foto zu betexten. Bei Melissa Hie von „Girl Eat World“ gilt das Motto: „Weniger schreiben ist besser.“ Hinzu kommt natürlich noch die Bildbearbeitung, die ebenfalls sehr zeitintensiv sein kann.


3. Das Bankkonto füllt sich schnell

Darüber, wie viel sie verdienen, wollen Influencer in den seltensten Fällen sprechen. Und dennoch haben sich hier und da ein paar Zahlen zusammentragen lassen. Xenia Overdose verriet dem Vice-Magazin bereits in einem Interview, dass sie mittlerweile fünfstellig im Monat verdiene – also mindestens 10.000 Euro. Dank diverser Kooperationen und Kampagnen darf sich auch Alyssa Ramos über ein Jahreseinkommen von umgerechnet rund 97.000 Euro freuen. Wer mindestens drei Millionen Follower hat, kann für jeden einzelnen Post mehrere zehntausend Euro verlangen. Die ganzen tollen Reisen könnten sich die Influencer also definitiv auch selbst leisten.


4. Es ist kein Urlaub

Auch wenn es so aussehen mag: Die Trips sind kein Urlaub, sondern harte Arbeit. Sogar die Vorbereitung für die Reisen erfordert eine genaue Planung und Organisation. „Ich genieße immer ein frühes Abendessen und gehe selten auf einen Drink aus. Ich gehe lieber früh ins Hotelzimmer und gehe die letzten ein bis zwei Stunden meine Mails durch“, erklärt Christine Tran von „Tour de Lust“. „Etwas, das ich gar nicht auf Instagram teile, ist der Planungsprozess und die Location-Suche.“ Typische 08/15-Hotspots reichen nämlich nicht aus, um seine Insta-Follower bei Laune zu halten. Von einem typischen 9-to-5-Job kann also keine Rede sein. „Es sind quasi permanent Fotoshootings. „Wir arbeiten die ganze Zeit“, gibt Alyssa Ramos zu. Eine 80-Stunden-Woche ist daher keine Seltenheit – von nichts kommt schließlich nichts.

5. Shit happens

Auch im Leben der Social-Media-Stars geht nicht immer alles glatt. Oft dauert es ewig, bis das perfekte Foto gemacht ist. Nur bekommen es die Follower nicht mit. Auch eine Pamela Reif musste bereits im Interview mit „Welt.de” zugeben: „Wenn man Fotos von sich macht, lädt man doch immer das hoch, auf dem man sich am besten findet.“ Bei einer Auswahl von hunderten Fotos auch nicht immer einfach. Bei so viel Reisen kommt es zudem vor, dass hier und da mal ein Koffer verloren geht. Von Jetlags und Flughafen-Rennereien ganz zu schweigen.

6. Der frühe Vogel fängt den Wurm

Licht ist beim Shooting ein wichtiges Thema. Vor allem der morgendliche Sonnenaufgang kann Fotos wunderschön in Szene setzen. Einziges Problem: Man muss früh aufstehen. „Das Morgen-Licht ist immer perfekt und weich und hat die richtige Wärme für das Foto. Es ist quasi unmöglich, ein schlechtes Foto während des Sonnenaufgangs zu machen“, verrät Kara Harms von „The Whimsy Soul“. Zudem ist man in den frühen Morgenstunden ungestört, da die riesigen Touri-Gruppen und Foto-Bomber meist noch in den Federn liegen.

7. Heimweh

Ohne Frage: Reisen ist spannend, aufregend und erweitert den Horizont. Vor allem, wenn man damit auch noch Geld verdienen kann, anstatt es nur auszugeben. Blöd nur, wenn Familie und Freunde ständig zu Hause bleiben müssen. Die Hochzeit der besten Freundin, der Abiball der kleinen Schwester, der Mädelstrip nach Paris: Alles Dinge, die ein Reise-Infleuncer wohl oder übel des Öfteren verpasst.

8. Allzeit bereit

Reisen mit leichtem Gepäck? Nicht bei diesem Job. Reise-Influencer schleppen immer ein riesengroßes Inventar an Kleidern und Utensilien mit. Schließlich muss man auf alle Eventualitäten gefasst sein und immer das gewisse Extra ins Foto bringen. „Ich habe immer eine süße Tasche oder einen Hut dabei, den ich im Foto platzieren kann“, so Christine Tran. Ansonsten wird im Hotel nach passenden Accessoires gefragt.


9. Vorbildfunktion und Ratgeber

Follower können ihre Insta-Stars regelrecht wie Gurus anhimmeln. Der Druck, der Vorbildfunktion standzuhalten und immer das Richtige zu sagen, ist also groß. „Ich bin mir natürlich bewusst, dass ich eine Vorbildfunktion habe. Schon allein durch die Nachrichten, die ich regelmäßig bekomme. Dem versuche ich, so gut wie möglich gerecht zu werden und in vielen Bereichen ein gutes Vorbild zu sein. Sollte sich jemand dadurch demotivieren lassen, dass er bestimmte Dinge nicht erreichen kann, finde ich das traurig. Letztlich ist es Einstellungssache und kommt darauf an, wie man sein Leben gestalten möchte“, findet Pamela Reif im Welt-Interview. „Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wie er Content konsumiert. Was man fühlt, hängt von deiner Einstellung ab. Ich bin viel öfter inspiriert, als dass ich mir schlechte Sachen einrede“, erklärt Xenia Overdose gegenüber Vice.


10. Wer macht das Foto?

Einige Influencer haben das Glück, den Job gemeinsam mit ihrem Partner ausüben zu dürfen. Andere reisen wiederum allein durch die Welt. Doch wer macht dann die tollen Fotos? Fremde! Eine Tatsache, die einen Reise-Influencer ganz schön nerven und beschämen kann. „Das ist echt unangenehm. Meine Ansprüche an ein gutes Foto sind inzwischen so hoch, dass ich nicht mehr ‚einfach so‘ ein Foto mache, sondern viel Mühe und Überlegung reinstecken muss. Ein Bild einzufangen, ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt“, gibt Xenia van der Woodsen alias Xenia Overdose zu. Ständig auf andere angewiesen sein? Nicht gerade eine Traumvorstellung.