Alltagsfrage: “Bier auf Wein, das lass sein.” Ist Bier auf Wein wirklich schlecht?

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Welchen Unterschied macht die Reihenfolge von Wein und Bier beim Alkoholkonsum? (Symbolbild: Getty Images)

Zuerst ein kühles Blondes und dann ein Gläschen Rotwein … oder doch lieber umgekehrt? Auch wenn ein altes Sprichwort die richtige Reihenfolge suggeriert, ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Um den Alkoholkonsum ranken sich zahlreiche Mythen. So soll Rotwein zu Müdigkeit führen, ein Strohhalm schneller betrunken machen und ein Schnaps nach einer schweren Mahlzeit die Verdauung anregen. An den meisten Weisheiten ist allerdings wenig dran. Doch wie verhält es sich mit dem berühmten Ratschlag “Bier auf Wein, das lass sein – Wein auf Bier, das rat ich dir”?

Ist der Kater bei Wein auf Bier milder?

Das Sprichwort besagt, dass es dem Körper beim Konsum beider Getränke besser bekommt, zuerst Bier zu trinken und anschließend Wein zu genießen, während die andere Reihenfolge schlecht sein soll. Viele Menschen schwören auf den Tipp und behaupten, am nächsten Tag einen weniger starken Kater zu haben, wenn sie erst Bier und dann Wein trinken. Das ist jedoch falsch, denn auf die Menge kommt es an.

Die Redewendung ist besonders im deutschsprachigen Raum bekannt, wie die “Neue Zürcher Zeitung” erklärt. Die Herkunft des Spruchs soll sich auf frühere Zeiten zurückführen lassen: Weil Wein grundsätzlich schon immer das wertvollere Getränk war, konsumierte ihn vorrangig die Oberschicht, während Bier von ärmeren Menschen getrunken wurde. Ein gesellschaftlicher Abstieg führte also zum verpönten “Bier auf Wein”.

Für den Kater am nächsten Morgen ist die Reihenfolge beim Trinken irrelevant. (Symbolbild: Getty Images)

Bier auf Wein, Wein auf Bier: Versuch mit 90 Personen durchgeführt

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Kai Hensel vom Klinikum der Universität Witten/Herdecke ist dem Mythos um die vermeintlich richtige Reihenfolge beim Trinken auf den Grund gegangen, wie unter anderem die “Ärzte Zeitung” schreibt. Für eine Studie teilte die Arbeitsgruppe 90 Personen zwischen 19 und 40 Jahren in drei Gruppen ein.

Teilnehmer mussten mindestens einen Promillewert von 1,1 haben

In der ersten Gruppe tranken alle Probanden abends rund eineinhalb große Bier und anschließend vier große Gläser Weißwein. Die zweite Gruppe ging umgekehrt vor. Probanden der dritten Gruppe tranken ausschließlich Wein oder Bier. Die Forscher achteten während des Versuchs darauf, dass alle Personen am Ende des feucht-fröhlichen Abends einen Alkoholspiegel von 1,1 Promille erreicht hatten.

Auswertung von Katersymptomen zeigt eindeutiges Ergebnis

Einige Tage später fand eine zweite Testphase statt: Die Gruppen eins und zwei tranken nun ihre Getränke jeweils in der anderen Reihenfolge, die dritte Gruppe wechselte das Getränk. Am Ende sollten alle Probanden ihre Trunkenheit auf einer Skala zwischen null und zehn bestimmen. Auch die verschiedenen Katersymptome am nächsten Morgen wurden akribisch ausgewertet. Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich alle Probanden stets ähnlich schlecht fühlten – egal, in welcher Reihenfolge sie die Getränke zu sich nahmen oder ob sie nur Bier oder nur Wein konsumierten. Für den Kater ist laut der Studie also ausschließlich die Alkoholmenge maßgeblich.

Video: Immer mehr Menschen möchten gesünder leben - und viele verzichten daher auf Alkohol.