Alltagsfrage: Warum ist Gähnen ansteckend?

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Gähnen kann ansteckend sein – insbesondere, wenn uns unser Gegenüber sympathisch ist. (Bild: Getty Images)

Das kennt fast jeder: Wenn jemand in unserer Umgebung gähnt, spüren wir selbst auch den Drang danach, den Mund weit zu öffnen und die Augen zusammenzukneifen. Doch warum ist Gähnen eigentlich so ansteckend? Hinter dem Phänomen steckt weit mehr als Müdigkeit, wie Wissenschaftler herausgefunden haben.

Insbesondere in Situationen, in denen wir müde oder angespannt sind, müssen wir beinahe reflexartig gähnen. Doch was es mit der Körperfunktion auf sich hat, ist noch immer ein Rätsel. Lange vermuteten Forscher, dass Sauerstoffmangel im Gehirn zum spontanen Gähnen führt, doch diese Hypothese gilt inzwischen als entkräftet. Eines steht allerdings fest: Auf sozialer Ebene können uns das Mundöffnen, das tiefe Einatmen und das Augenzusammenkneifen behilflich sein.

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Studie übers Gähnen

Wissenschaftler der Universität Pisa untersuchten bereits 2011 in einer Studie, ob Gähnen tatsächlich ansteckend ist. Mehr als ein Jahr lang waren 109 Erwachsene aus Europa, Asien, Afrika und Nordamerika Teil einer Untersuchung: Sie erklärten sich bereit, dass ihr Gähnen im gewohnten Umfeld analysiert wird. Die Forscher Elisabetta Palagi und Ivan Norscia sammelten dabei insgesamt 480 Gähn-Momente.

Dabei zeigte sich: Gähnen ist vor allem innerhalb der Familie und bei engen Freunden ansteckend. Weniger häufig reagierten die Probanden auf ein Gähnen von Bekannten – noch seltener ließen sie sich von Fremden anstecken. So konnte nachgewiesen werden, dass Gähnen vorrangig ansteckend ist, wenn wir eine emotionale Verbindung zu unserem Gegenüber spüren. Beinahe unbewusst ahmen wir uns nach.

Durch die Studie wurde auch deutlich, dass Nationalität, Geschlecht oder Situation eine untergeordnete Rolle spielen. Die Studienteilnehmer zeigten durchweg ähnliche Verhaltensmuster.

Empathie ist der Auslöser

Entscheidend ist bei dem Phänomen allerdings, wie empathisch ein Mensch ist. Wer sich schwerer in andere Menschen hineinversetzen kann, hat auch einen geringeren Drang, das Gähnen nachzuahmen. Hierfür spielen die sogenannten Spiegelneuronen im Gehirn eine entscheidende Rolle. Diese sind beispielsweise bei Autismus nicht besonders stark ausgeprägt, weshalb sich Betroffene weniger gut in die Situation anderer hineinversetzen können. Ähnliches gilt für kleine Kinder, bei denen sich das Empathievermögen erst noch entwickeln muss.

Ansteckendes Gähnen auch im Tierreich

Auch bei Schimpansen wirkt Gähnen ansteckend. (Bild: Getty Images)

Auch an Schimpansen konnte bereits beobachtet werden, dass sie sich vom menschlichen Gähnen anstecken lassen. Bei einem Versuch spielten Verhaltensforscher den Tieren Videos von gähnenden Menschen vor. Sowohl bekannte als auch unbekannte Gesichter lösten bei ihnen eine Reaktion aus.

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