Protest gegen Taliban-Dresscode: Afghanische Frauen zeigen auf Twitter, wie vielfältig ihre traditionelle Mode ist

·Freie Journalistin
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Models führen 2019 auf einer Modenschau in Kabul traditionelle Kleider unterschiedlicher afghanischer Ethnien vor (Bild: Rahmatullah Alizadah/Xinhua via Getty)
Models führen 2019 auf einer Modenschau in Kabul traditionelle Kleider unterschiedlicher afghanischer Ethnien vor (Bild: Rahmatullah Alizadah/Xinhua via Getty)

Aktuelle Bilder aus einem Vorlesungssaal der Universität von Kabul wirken verstörend. Darauf zu sehen sind vollständig verschleierte Frauen, die Taliban-Fähnchen schwenken. Und auch, wenn die Machthaber das mit Aktionen wie dieser suggerieren möchten: Der schwarze Nikab hat in Afghanistan keineswegs Tradition.

Nach der Machtübernahme durch die Taliban dürfen an Universitäten in Afghanistan Frauen und Männer nur noch getrennt voneinander unterrichtet werden. Laut dem Minister für höhere Bildung stünde die "Koedukation im Widerspruch zu den Grundsätzen des Islam sowie zu den nationalen Werten, Sitten und Gebräuchen", sagte Abdul Baghi Hakkani in Kabul. Der Unterricht habe nach den Regeln der Scharia zu erfolgen, zu denen auch islamische Kleidungsvorschriften zählten.

Inszenierungen wie diese vermitteln ein falsches Bild der Realität. Nun zeigen afghanische Frauen in den sozialen Netzwerken, wie ihre traditionelle Kleidung wirklich aussieht (Bild: AFP)
Inszenierungen wie diese vermitteln ein falsches Bild der Realität. Nun zeigen afghanische Frauen in den sozialen Netzwerken, wie ihre traditionelle Kleidung wirklich aussieht (Bild: AFP)

Schwarz und komplett verhüllt

Wie diese auszusehen haben, führten die neuen Machthaber dann auch gleich bei einer inszenierten Veranstaltung in der Uni Kabul vor. Dort drängten sich vermeintliche Studentinnen, komplett verhüllt in - im Gegensatz zur Burka - für Afghanistan komplett untypischen Nikabs mit Taliban-Fähnchen, die sich bei den anwesenden Männern sogar noch für deren angeblichen Schutz bedankten. Eine reine PR-Aktion, bei der auf einigen Fotos sogar Männer und kleine Mädchen unter den angeblichen Pro-Taliban-Studentinnen zu erkennen waren.

Die Realität sieht anders aus, als die Taliban sie gerne darstellen

Darauf, dass eine solche Kleidung viel mehr mit den Idealen der radikalislamistischen Taliban zu tun haben als mit afghanischer Kultur im Allgemeinen, verweisen seitdem vor allem zahlreiche Twitter-Userinnen. In den sozialen Medien teilen sie Fotos von sich oder anderen Afghaninnen, die diese so zeigen, wie es den Traditionen in dem ethnisch diversen Land tatsächlich entspricht: farbenfroh!

Dr. Bahar Jalali, Historikerin und Expertin für Gender Studies, zeigt sich unter dem Hashtag #AfghanistanCulture in einem glänzend grünen und wunderschön bestickten Kleid, zu dem sie ihr langes Haar offen trägt. Dazu stellt sie fest: "Das ist ein traditionelles afghanisches Kleid:"

Eine weitere Userin, die zur Volksgruppe der Hazara gehört, trägt ein seit Generationen vererbtes Kleidungsstück. Dazu schreibt sie: "Der lange schwarze Hijab repräsentiert nicht alle afghanischen Frauen." Und an die Taliban gerichtet: "Wir dürfen nicht zulassen, dass sie noch einmal unsere Kultur und Identität kolonialisieren."

"Unsere kulturelle Kleidung hat nichts mit den Dementoren-Outfits zu tun, zu denen die Taliban Frauen zwingen", schreibt die Politikerin Peymana Assad, die afghanische Wurzeln hat und in Großbritannien lebt, mit einer Anlehnung an "Harry Potter".

In einem traditionellen afghanischen Kleid in kräftigem Grün, Rosa, Rot und Gold und locker über die offenen Haare geworfenen Schleier zeigt sich diese Userin:

Unter dem Hashtag #afghandress postet eine weitere Userin eine Reihe prächtiger bunter Kleider mit dem Zusatz: "Das ist meine Kultur und war sie schon immer."

Strahlend Gelb ist dagegen das Outfit dieser Frau, die nur allzu gerne an der Kampagne teilnimmt, die dazu dient, "den Dresscode der Taliban zu verurteilen!"

Und diese Userin verweist in ihrem Tweet darauf, dass Kultur viele Facetten haben kann: "Manche von uns tragen traditionelle Kleidung, manche westliche, manche tragen Hijab und manche schlichte Kleidung." Die schwarze Vollverschleierung aber gehöre nicht zum afghanischen Dresscode und werde Frauen von den Taliban aufgezwungen.

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