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Der Spaß am Grusel: Warum uns Angst Freude bereitet

Es ist Halloween-Zeit- Nie gruseln sich die Menschen lieber und mit größerem Vergnügen. Aber warum kann uns eigentlich Angst solchen Spaß machen?

Drei Mädchen in Halloween-Kostümen kreischen vor Schreck.
Halb Schauer, halb Freude: Oft macht es uns Spaß, uns ein bisschen zu gruseln. (Bild: Getty)

Angst hat eine fundamentale Funktion in der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Instinktiv zu wissen, dass eine Schlange gefährlich oder ein Abgrund tödlich sein kann, hat es dem Menschen ermöglicht, zu überleben. Der Körper warnt vor Gefahr, bevor Auge und Gehirn die entsprechenden Informationen verarbeitet haben. Wie kommt es dann aber, dass wir uns gerne gruseln? Dass unzählige Kinozuschauer*innen in Horrorfilme strömen oder Geisterhäuser an Halloween besuchen?

Angst als wichtiges Instrument der Menschheitsgeschichte

Es ist ein Phänomen, das die Neurowissenschaftlerin Dr. Charlotte Lawrenson an der britischen Universität in Bristol erforscht. Sie erklärt dem "Guardian", dass aus neurologischer Sicht noch viele Aspekte der menschlichen Angst ungeklärt seien. Ein mandelförmiges Neuronenbündel im Zentrum des Gehirns ist für Angst-Reaktionen verantwortlich. Dieser "Mandelkern" wird wissenschaftlich Amygdala genannt und stimuliert Hormone, die den Flucht- oder den Kampfreflex auslösen.

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Kompliziert wird es aber, wenn das Gehirn entscheiden muss, ob es sich um eine reale Gefahr handelt. Sitzt da eine echte Vogelspinne oder doch nur eine aus Gummi? Dafür seien vermutlich mehrere Gehirnbereiche zuständig, vermuten Wissenschaftler*innen wie Dr. Lawrenson. Deshalb ist dieser Prozess etwas langsamer. Im Cortex, der Gehirnrinde sind Bewusstsein, Vernunft und Erinnerung beheimatet. Sie helfen, eine scheinbare Bedrohung genauer zu analysieren. Danach kann der Körper dann entsprechend reagieren. Gleichzeitig wird die Erinnerung an die Gefahr im Hippocampus abgespeichert, für spätere Situationen.

Doch die Fähigkeit, Gefahren zu erkennen, wird in der Menschheitsgeschichte schon immer von Generation zu Generation weitervermittelt. Dies geschah früher durch verbale Geschichten, später durch aufgeschriebene, wie zum Beispiel Märchen. Und heute sind es eben Horrorfilme, Gruselposts oder Videospiele, die kollektive Angsterfahrungen vermitteln.

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Aber warum bereitet das Anschauen oder Anhören dieser Geschichten vielen Menschen so eine Freude? Direkt zu Beginn der Pandemie wurde zum Beispiel der Film "Contagion" wieder zum Streaming-Hit. Dabei gab es ja durchaus ausreichend echte Bedrohung in der realen Welt. Wie dies zusammenhängt, erforscht der dänische Professor Marc Malmdorf-Andersen an der Universität von Aarhus. Er erklärte im "Guardian", wie Angst zum Vergnügen den Menschen helfen kann, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihre Emotionen zu regulieren. Man müsse den Grusel dafür als eine Art von Spiel betrachten, so Malmdorf-Andersen.

"Sweet Spot" zwischen Angst und Freude

Die Menschen genießen es offensichtlich, ein kleines bisschen aus ihrer normalen Komfortzone herausgeholt zu werden. Bei einem Feldversuch in einem Spukhaus mit echten Grusel-Schauspielern stellte sein Forschungsteam fest, dass es anscheinend bei vielen Menschen einen - sehr individuellen - "Sweet Spot", einen optimalen Zustand, zwischen Angst und Freude gibt. Auch die nach dem überstandenen Schock ausgeschütteten Endorphine und Dopamine spielen eine Rolle. Sie verschaffen dem Körper des zuvor Geängstigten zu einer kurzen Euphorie-Welle.

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