Dieses Tinder-Kunstwerk zeigt die moderne Männlichkeit

Antonia Wallner
Freie Autorin

Auf Tinder die große Liebe zu finden, ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Wer dagegen nach erotischen Bildern sucht, wird auf der Dating-Plattform oft schneller fündig als gedacht. Eine Kunststudentin aus Großbritannien sammelte Tinder-Penisbilder – für eine spezielle Collage.

Eine Kunststudentin sammelte auf Tinder ganz spezielle Bilder (Symbolbild: Getty Images)

Bei der aktiven Partnersuche landen viele früher oder später bei einer Dating-App. Tinder ist der populärste Anbieter und die App mit dem Aufreißer-Ruf. Betritt man als Frau die Matching-Welt von Tinder, ist es, als wäre man in der digitalen Steinzeit gelandet. Die Männer versuchen, sich mit so vielen willigen Frauen, wie möglich zu paaren. Doch vorher muss natürlich die Alpha-Männlichkeit bewiesen werden. Der Großteil der Frauen hat das auf Tinder schon mindestens einmal erlebt: Im Chat mit einem passenden Kandidaten, einem Match, kommt plötzlich aus dem Nichts ein Foto von seinem Penis. Ganz nach dem Motto “Das wartet auf dich, zögere also nicht!”

Tinder: Penis-Bilder für die moderne Kunst

Das bemerkte auch die britische Kunst-Studentin Francesca Harris. Das Verhalten der Tinder-Männer brachte sie dann auf eine ungewöhnliche Idee für ihre Abschlussarbeit. Die 21-Jährige bat auf ihrer Tinder-Biografie aktiv nach Penis-Bildern – für ein Kunstwerk. Und wurde regelrecht überflutet mit Genitalien. Insgesamt 300 Pics von Geschlechtsteilen bekam die Studentin zugeschickt. Die meisten Männer reagierten begeistert. Ein Kandidat schickte gleich 25 Bilder seines Gemächts aus unterschiedlichen Perspektiven. Einige hatten aber auch Angst. Nicht etwa vor der öffentlichen Darstellung ihres Geschlechts in einem Museum. Sie fürchteten als absolute Klischee-Alpha-Männer, dass ihr Penis für die riesige Collage “zu groß“ wäre, wie Francesca Harris der britischen “Metro“ erzählte.

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“Der moderne Mann“ im digitalen Zeitalter

Aber sie hatte ja noch genug andere Männer. Aus den 300 Einsendungen wählte die Studentin 140 Penisse für ihr Kunstwerk aus. Es trägt den vielsagenden Titel “The Modern Male“ (“Der moderne Mann“) und hing tatsächlich Anfang Juli in einem Londoner Museum. Die Collage “zeigt, wie sich die männliche Identität mit narzisstischen Tendenzen über Genitalien-Bilder im digitalen Zeitalter präsentiert“, so Harris auf ihrem Instagram-Account.

Ganz ohne Botschaft ist Harris‘ Kunstwerk natürlich auch nicht: "Ich möchte, dass die Menschen darüber nachdenken und verstehen, warum sie sich beim Anblick männlicher Genitalien so unwohl fühlen", sagte die 21-Jährige der "Metro". "Wenn Männer es sich zweimal überlegen könnten, unaufgefordert Penis-Fotos zu schicken, wäre das toll." Die Reaktionen auf das Ölgemälde waren gemischt. Positiv äußerten sich vor allem ältere Frauen, die dieses Verhalten in den Dating-Apps schon mehrfach erfahren hätten, meinte die Kunststudentin.

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