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Experten()Wissen: Schräg schlafen - was sagen Schlafexperten dazu?

Schlafexperte Dr. Albrecht Vorster im Interview

Schon mal etwas von der Schrägschlafen-Methode gehört? Angeblich ist es gesünder so zu schlafen, wenn der Kopf höher liegt als die Beine. Doch kann das wirklich stimmen und sollten wir ab sofort nicht mehr auf dem Rücken oder dem Bauch schlafen? Ein Schlafexperte klärt auf.

Frau liegt im Bett und schläft
Schräg schlafen – was bringt es, wenn der Kopf höher liegt als die Beine? (Symbolbild: Getty Images)

Wie liegst du im Bett – auf dem Rücken, auf dem Bauch oder doch lieber seitlich? Glaubt man einem Bettenhersteller, sollten wir auf eine völlig andere Art und Weise schlafen: schräg nämlich. Denn diese Methode soll sich positiv auf die Gesundheit und den Schlaf auswirken. Doch ist dem wirklich so? Yahoo Life hat mit dem Schlafforscher Dr. Albrecht Vorster gesprochen.

Laut einer Studie der Krankenkasse AOK mit 664 arbeitenden Teilnehmenden sagten 54,1 Prozent aus, sie schliefen nachts in der Seitenlage, 37,5 Prozent in der Rückenlage und nur 7,3 Prozent in der Bauchlage. Doch welche Position ist die richtige und wirkt sich am besten auf die Gesundheit aus? Möchte man einem Bettenhersteller Glauben schenken, ist es keine der drei genannten.

"Gravitas Schrägschlafen“ – so nennt sich das Konzept eines deutschen Bettenherstellers, das angeblich unter Berücksichtigung von internationalen Forschungsergebnissen aus der Astronautik und Raumfahrt entwickelt wurde und den Menschen zu einem besseren Schlaf verhelfen soll. Denn Schrägschlafen soll Beschwerden wie Migräne lindern, Bluthochdruck senken und nächtlichem Frieren durch eine verbesserte Blutzirkulation effektiv entgegenzuwirken.

Bei der Methode geht es darum, den Kopf des Schläfers um 12 bis 19 Zentimeter höher zu legen als die Füße. Dank dieser Schräglage sollen die Auswirkungen der Schwerkraft auf die Blutzirkulation reduziert werden. Doch was bringt das wirklich?

Keine gesundheitlichen Vorteile durch das Schrägschlafen

"Wenn jemand drei Prozent mit dem Kopf nach oben schläft, hat er davon keine gesundheitlichen Vorteile“, erklärt Dr. Albrecht Vorster, Biologe und Schlafforscher am Universitätsspital in Bern. Aus gutem Grund: Denn sobald wir etwas schräg nach oben oder etwas schräg nach unten liegen, passt unser Körper dem Schlafexperten zufolge den Blutdruck an.

"Die aktuelle Forschungslage zu dem Thema ist sehr mager, es gibt lediglich zwei Publikationen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Generelles Schrägschlafen kann nicht empfohlen werden und scheint keinen generellen gesundheitlichen Vorteil zu bringen“, so der Schlafforscher vom Swiss Sleep House Bern weiter. "Hier handelt es sich um ein Marketing-Versprechen, propagiert vor allem durch eine Bettenfirma – ohne ausreichend Belege oder eigene Forschung dazu zu bringen.“

Reflux wird durch das Schrägschlafen vermindert

Stattdessen empfiehlt Vorster normal horizontal zu schlafen, wie es einem bequem ist: "In Rücken oder Seitenlage. Beides ist gleich gesund.“ Doch wieso wird Schrägschlafen dann als neuester Trend gehandelt? Gibt es denn gar keine Vorteile? Laut dem Schlafexperten vom Inselspital kann es bei einigen Herzerkrankungen die Atmung erleichtern, doch er warnt auch: "Bei einer Rechtherzinsuffizienz wäre die Hochlagerung kontrainduziert, es käme zu einem vermehrten Stau von Blut und Wasser in den Beinen.“ Lediglich Refluxkranke würden von der Schrägschlafen-Methode profitieren können. "Reflux wird gemindert, da die Magensäure leichter und schneller nach unten abfließen kann“, meint Vorster.

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Bettenhersteller verweist auf Schwerelosigkeitsstudie

Woher also die These, schräg schlafen könne die Gesundheit und den Schlaf verbessern? Der Bettenhersteller bezieht sich auf Forschungen aus der Raumfahrt und Weltraummedizin sowie die negativen Auswirkungen der fehlenden Schwerkraft auf den Körper. Abhilfe soll ein Bettrahmen schaffen, der für das Schrägschlafen konzipiert wurde und mit einem Handgriff in Schräglage versetzt werden soll. Tatsächlich existiert eine Weltraumstudie, die sogenannten "Bed rest studies“, in denen die Probanden gebeten wurden, das Bett nicht zu verlassen und dabei schräg zu liegen, um die Schwerelosigkeit im Weltall zu simulieren. "Daraus lässt sich nicht ableiten, was passiert, wenn der Kopf höher liegt als die Beine“, erklärt Vorster. "Hier wird die Versuchsperson genau in die andere Richtung durchgehend für 30 Tage gelagert. Also ein ganzer anderer Versuchsaufbau.“

In der Bed-Rest-Studie platzierten die Wissenschaftler Probanden auf einem Kipp-Tisch, um die Reaktionen ihrer Körper auf die schrägliegende Position mit dem Kopf nach unten zu untersuchen (Bild: DLR)
In der Bed-Rest-Studie platzierten die Wissenschaftler Probanden auf einem Kipp-Tisch, um die Reaktionen ihrer Körper auf die schrägliegende Position mit dem Kopf nach unten zu untersuchen (Bild: DLR)

Auch dass flaches Schlafen, wie es oft im Internet propagiert wird, zu Atemnot oder Rücken- und Gelenkproblemen führen könnte, kann der Schlafmediziner nicht bestätigen. "Das ist eine Falschaussage“, erklärt Vorster. Wer gut und lange schlafen möchte, solle lieber regelmäßig, ausreichend, schnarchfrei und ohne Alkohol, Rauchen und Koffein ins Bett gehen.

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Die besten Tipps für einen gesunden Schlaf

Wer morgens ausgeschlafen sein möchte, sollte sich laut dem Swiss Sleephouse an regelmäßige Bettgeh- und Aufstehzeiten halten, das Bett nur zum Schlafen nutzen und tagsüber nicht schlafen. Hilfreich sei auch ein Abendritual wie beispielsweise Zähneputzen, etwas Lesen oder Licht löschen. Außerdem solle man morgens nach dem Aufstehen für 30 Minuten in die Sonne gehen und auf Koffein nach 15 Uhr verzichten. Nachts auf die Uhr zu schauen, sollte ebenfalls vermieden werden, denn der Blick zur Uhr löse meist direkt Anspannung und Erregung aus und raube den letzten Rest an Unbefangenheit gegenüber dem Schlaf.

Unser Experte: Dr. Albrecht Vorster

Dr. Albrecht Vorster ist Leiter des Swiss Sleep House Bern des Universitätsklinikums Inselspital Bern (Bild: Pascal Gugler)
Dr. Albrecht Vorster ist Leiter des Swiss Sleep House Bern des Universitätsklinikums Inselspital Bern (Bild: Pascal Gugler)

Bei Dr. Albrecht Vorster dreht sich alles um das Thema Schlaf. Er ist Leiter des Swiss Sleep House Bern des Universitätsklinikums Inselspital Bern. Der gebürtige Kölner forscht an der Verbesserung des Schlafes von Krankenhauspatienten sowie Sportlern. Seine schnarchende Großmutter war es, die ihn das erste Mal über Schlafprobleme nachdenken ließ. 2020 veröffentlicht Vorster die App 7Schläfer, die Menschen beim Einschlafen helfen soll.

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