Frühchen-Studie: Stimme der Mutter ist entscheidend für die Entwicklung

Larissa Kellerer
Freie Autorin

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 60.000 Kinder zu früh geboren. Somit ist fast jedes zehnte Neugeborene ein Frühchen. Diese Babys, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, sind meist auf einen Brutkasten angewiesen, in dem sie vor allem Krankenhausgeräusche hören. Eine neue US-amerikanische Studie belegt nun, dass sich das Hören der mütterlichen Stimme positiv auf die Entwicklung von Frühgeborenen auf der Intensivstation auswirkt. In einem Kinderspital in Bethlehem wird bereits mit einem “Mami Voice“-Gerät gearbeitet.

Die Beziehung zur Mutter ist für die Entwicklung jedes Neugeborenen wichtig (Symbolbild: Getty Images)

Die Neugeborenen-Intensivstation ist eine der größten medizinischen Fortschritte des späten 20. Jahrhunderts. Dadurch können heutzutage viele Kinder gerettet werden, die früher gestorben wären. Die intensivmedizinische Betreuung in einem Brutkasten, dem Inkubator, hilft den Frühchen dabei, die Entwicklung, die eigentlich noch im Mutterleib hätte stattfinden sollen, nachzuholen.

Ein Problem der Neonatologie, der Neugeborenenmedizin, ist allerdings, dass die Intensivstation und der dort herrschende Geräuschpegel die Entwicklung und den Schlaf der Babys beeinträchtigen kann. Um die durch zu viel Lärm verursachten Probleme zu vermeiden, haben Krankenhäuser versucht, die Frühgeborenen in privaten oder halbprivaten Räumen unterzubringen. Doch leider zeigte sich, dass Babys in ruhigen Räumen eher zu einer abnormalen Sprachentwicklung neigen.

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Forschungsergebnisse aus den USA beweisen nun, dass die Stimme der Mutter den Schlaf und die Entwicklung des Frühchens verbessern kann. Für die Studie wurden 47 Babys untersucht, die in oder nach der 33. Schwangerschaftswoche auf die Welt kamen.

Den Frühgeborenen wurden sechs Stunden lang die Tonaufnahmen ihrer Mütter vorgespielt, die darin aus Kinderbüchern vorlasen. So fanden die Forscher der Universität Michigan heraus, dass die Babys besser schliefen, wenn ihnen die Sprachaufzeichnung der Mutter abgespielt wurde. Auch, wenn es im Behandlungszimmer lauter wurde. Zudem wachten die Frühchen besser auf und waren aufmerksamer, wenn sie sich die Aufnahmen anhörten.

Die Stimme der Mutter wirkt sich positiv auf das Neugeborene im Brutkasten aus (Symbolbild: Getty Images)

Eine Studie der Harvard Medical School kam jüngst zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Wissenschaftler haben für ihre Untersuchung Frühchen im Brutkasten drei Stunden täglich die Stimme sowie die Herztöne der Mutter vorgespielt. Daraufhin konnten ein Auftrieb der Gehirnentwicklung und eine stärkere Entwicklung der Hörrinde nachgewiesen werden.

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Die liebevolle Stimme einer Mutter kann also als durchaus entscheidend für die Entwicklung des Kindes angesehen werden. Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem nutzt bereits ein sogenanntes “Mami Voice“-Gerät, um eine ergänzende Versorgung von Neu- und Frühgeborenen anzubieten.

Dr. Hiyam Marzouqa, Chefärztin des Kinderkrankenhauses im Westjordanland, erläutert in einer Mitteilung:

“Für Frühgeborene ist die Geburt und damit der Start ins Leben besonders schwierig. Wenn sie danach zur intensivmedizinischen Versorgung in den Inkubator gelegt werden, bedeutet das zudem enormen Stress.“

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Und so funktioniert das vom Italiener Alfredo Bigogno entwickelte “Mami Voice“: Die Mutter eines betroffenen Frühchens zeichnet eine Audiobotschaft auf, das Gerät überträgt anschließend den Ton und die Vibration der Stimme direkt in den Brutkasten, ohne dabei elektromagnetische Strahlung zu erzeugen oder die Arbeit des Pflegepersonals zu behindern.

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