Gegen den Druck ankneten: Was bringen Anti-Stressbälle?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Auf Stress im Büro reagieren alle Menschen unterschiedlich: Raucher greifen erst einmal zur Zigarette, andere klicken auf dem Kugelschreiber herum, kauen an den Fingernägeln, wippen mit den Füßen oder lassen ihre Laune an den Kollegen aus. Anti-Stressbälle versprechen Hilfe, ohne jemand anderem auf die Nerven zu gehen. Doch wie funktioniert das?

Wie hilft der Anti-Stress-Ball gegen den Stress? (Symbolbild: Getty Images)

Man kann es albern finden, wenn der Kollege oder die Kollegin auf einmal wie wild an einem kleinen Ball herumknetet, dabei kann das in vielen Situationen genau das richtige sein. Dass Anti-Stressbälle tatsächlich helfen, Stress abzubauen, hat der Sportpsychologe Prof. Dr. Jürgen Beckmann von der TU München in einer Studie nachgewiesen. Dafür ließ er verschiedene Sportler vom Fußballer über den Basketballspieler bis zum Kampfsportler die Bälle kneten, kurz bevor diese ein wichtiges Spiel beziehungsweise einen Wettkampf antraten. Das Ergebnis: Die Sportler machten weniger Fehler und zeigten eine verbesserte Leistung. Allerdings mit der Einschränkung, dass sich dieses Ergebnis nur dann einstellte, wenn Rechtshänder den Ball mit der linken Hand bearbeiteten und andersherum.

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Wenn die Hände beschäftigt sind, wird der Geist freier

Die Aktivität der Hände fungiert als Ablenkungsmanöver für den unter Hochdruck stehenden Geist. Während man den Ball also drückt, knetet oder quetscht, wird das akute Stressereignis quasi im Hintergrund psychologisch verarbeitet, die Konzentration bessert sich, und auch Denkblockaden können auf diese Weise gelöst werden.

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Das Kneten des Balles ersetzt die instinktive Flucht

Die heilsame Wirkung hat auch einen rein physischen Aspekt. Unter Stress stößt der Körper vermehrt Adrenalin und Cortisol aus. Derart in Alarmbereitschaft versetzt wären unsere Ur-Ahnen schnell vor der Gefahr weggerannt, was freilich schwierig ist, wenn man kurz vor einem wichtigen Abgabetermin steht oder es sich nicht mit dem Kunden verderben will, der einen mit einem Auftrag an die Grenzen bringt. Diese überschüssige Energie kann man abbauen, indem man den Ball mit aller Kraft so lange bearbeitet, bis die Anspannung nachlässt. Die paar Euro für einen Anti-Stressball sind also gut angelegt.

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