Gesünder ins neue Jahr: Das steckt hinter dem Sober-Curios-Trend

·Freie Autorin
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Falls du darüber nachdenkst, dich im neuen Jahr gesünder zu ernähren und auf Alkohol zu verzichten, dann bist du damit nicht alleine. Es gibt sogar eine "Sober-Curious"-Bewegung, die es sich zum Ziel gemacht hat, Menschen in die Abstinenz zu führen und ihre bisherigen Gewohnheiten zu überdenken. Das steckt dahinter.

Neues Jahr, neue Vorsätze (Symbolbild: Getty Images)
Neues Jahr, neue Vorsätze (Symbolbild: Getty Images)

Viele Menschen ziehen gerade zwischen Weihnachten und Silvester Bilanz aus den vergangenen Monaten und nehmen das neue Jahr als Anlass für gute Vorsätze, die vor allem der Gesundheit zugute kommen. Dazu gehört vor allem der Verzicht auf Junk Food, Zigaretten und natürlich Alkohol. Letzteres hat in den USA sogar eine ganze Bewegung ausgelöst, die sich Sober Curiousity nennt. 

Dabei geht es nicht nur um Fitness und Gesundheit, sondern auch um Reinheit von Körper und Geist. Der alkoholfreie Trend findet auch hierzulande immer mehr Anhänger, viele Feierwütige tauschen die hochprozentigen Getränke gegen Mocktails aus. Verantwortlich für den Hype ist zum größten Teil Autorin Ruby Warrington, die 2018 den Bestseller "Sober Curious" veröffentlicht hat.

Was genau bedeutet "sober-curious"?

"Sober-curious" bedeutet übersetzt so viel wie "nüchtern, aber neugierig". "Es ist ein Begriff, der mein eigenes ungutes Verhältnis zum Alkohol beschreibt", erklärt Ruby Warrington in einem Statement mit Yahoo Life. "Nach vielen Jahren, in denen ich mein Trinken hinterfragt habe, fing ich 2015 offen an, über mein kompliziertes Verhältnis zum Alkohol (mit Freunden und Familie und auch an Events, die ich organisierte und die sober-curious als Motto hatten) zu sprechen."

Warrington merkte, dass "viele Menschen genauso fühlen wie ich – sie wussten, dass Alkohol ihnen Probleme machen könnte, sahen sich selbst aber nicht als Alkoholiker. Allerdings hatten sie entweder Angst, darüber zu sprechen, oder hatten keine Möglichkeit über ihre Probleme in einer offenen Diskussion zu sprechen, die Trinker 'normalerweise' erfahren."

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Millie Gooch, die die britische "Sober Girl Society" gegründet und das Buch "Sober Girl Society Handbook" veröffentlicht hat, erklärt im Gespräch mit Yahoo Life, dass der Begriff "sober-curious" "entstand, um einen auftauchenden Aufmerksam-Trinken-Trend zu beschreiben". Doch sie fügt hinzu, dass die tatsächliche Erklärung davon, was "Sober-Curiousity" bedeutet, inzwischen "etwas konfus" geworden ist.

Ruby Warrington hat das Buch
Ruby Warrington hat das Buch "Sober-Curious" geschrieben (Bild: Ruvan Wijesooriya)

"Während manche Menschen den Begriff benutzen, um ein Vollzeit-Nicht-Trinker zu werden, benutzt ihn Ruby, um die Beziehung zu Alkohol und auch die Art und Weise, wie wir ihn als Gesellschaft sehen und konsumieren, in jeglicher Hinsicht zu hinterfragen", erklärt Gooch. "Statt sich selbst zum Nicht-Alkoholiker erklären zu müssen, beschreibt 'sober-curious' einen Dauerzustand, in dem du zu seltenen Anlässen immer noch trinken darfst, doch du wirst dir der Gründe deines Trinkens mehr bewusst und hast das Ziel, die Beziehung zum Alkohol auf eine positive Art und Weise zu verändern."

Auch Heather Molnar, ein Mitglied der Selbsthilfegruppe Moderation Management, die Leuten helfen möchte, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren, erklärt gegenüber Yahoo Life: "Eine Sober-Curious-Person wird auch weiterhin an allen Aktivitäten teilnehmen, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, aber sie wird keinen Alkohol trinken. Sie lernt es, Kontakte zu knüpfen – oder allein zu sein – ohne den Alkohol."

Die Vorteile des "Sober-Curious"-Seins

Auf Alkohol zu verzichten, wirkt sich Experten zufolge nicht nur positiv auf die Gesundheit, sondern auch auf die Psyche aus. Dr. George F. Koob, Leiter des National Institute für Alkoholmissbrauch und Alkoholismus (NIAAA), erklärt gegenüber Yahoo Life: "Manche Menschen finden heraus, dass Alkohol für ihre Magen– und Schlafprobleme oder für ihre Gewichtszunahme verantwortlich war. Oder dass sie sich mehr auf Alkohol verlassen hatten, um Stress zu bewältigen, als es nötig war."

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Koob fügt hinzu: "Ohne den Schwindel, das Unwohlsein und andere Katersymptome aufzuwachen, kann die Qualität des Lebens einer Person möglicherweise verbessern. Viele Studien haben herausgefunden, dass sich die Gesundheit und das Wohlbefinden der Person bereits nach einem Monat ohne Alkohol verbessert hat.

Doch wie bleibt man "sober"?

"Der Gedanke, dass wir ohne unsere vertrauenswürdige Flüssigkeit 'performen' müssen, kann für jede Menge Angst sorgen", so Warrington. Sie empfiehlt: "So viele Sober-Firsts zu haben wie möglich". Das bedeutet, dass du versuchst, in möglichst vielen Situationen nüchtern zu bleiben, in denen du normalerweise trinken würdest. "Du wirst vermutlich ein paar Anläufe brauchen, aber du wirst schnell merken, dass du gar keinen Alkohol 'brauchst'."

Laut Molnar ist es in unserer heutigen Gesellschaft "akzeptabler geworden, auf Alkohol zu verzichten" als das früher der Fall war: "Barkeeper begrüßen die Herausforderung, zufriedenstellende 'Mocktails' zu mixen und immer mehr nicht-alkoholische Getränke werden zum Mainstream."

Wie wird man sober-curious?

Koob schlägt vor, erst mal seine eigene Beziehung zum Alkohol zu untersuchen. Warum trinke ich? Ist es aus Langeweile, aus Spaß, weil es schmeckt oder einfach, um Stress zu bewältigen? Wenn du herausgefunden hast, warum du trinkst, "versuche Wege zu finden, diese Dinge ohne den Alkohol zu erreichen. "Zum Beispiel gibt es weitaus gesündere Wege mit Stress oder Angst umzugehen oder Spaß zu haben", erklärt Koob. "Das könnten Yoga sein, Meditation, lange Spaziergänge oder andere Übungen." Auch könnte es helfen, mehr mit Freunden zu reden oder die Schlafgewohnheiten zu verändern. 

Dann solltest du dir einen Plan machen. Molnar empfiehlt "klein und langsam zu starten". Zum Beispiel: "Falls du normalerweise drei Drinks am Tag hast, reduziere sie auf einen oder zwei", so Molnar. "Verschiebe dann deinen ersten Drink – normalerweise trinkst du um 18 Uhr? Dann verschiebe das Getränk auf 19 Uhr."

Wer eine größere Veränderung möchte, sollte eine 30-tägige Pause vom Alkohol einlegen. "Es ist eine gute Möglichkeit, zu ergründen, welche Rolle der Alkohol in deinem Leben spielt. Wenn das zu viel ist, versuche ein paar 'Nicht-Trinken'-Tage für jede Woche zu planen und versuche an vier Tagen die Woche nüchtern zu bleiben."

"Mindestens 100 Tage ohne Alkohol" sollte jeder laut Warrington schaffen, um die ganzen Vorteile des Nicht-Trinkens zu fühlen. Man solle sich selbst aber nicht unter Druck setzen. "Es hat vermutlich eine lange Zeit gebraucht, um deine heutige Beziehung zum Alkohol aufzubauen, und es kann ein paar Versuche und viel Mühe brauchen, um das wieder zu ändern", meint Koob. "Es ist wie mit anderen Lifestyle-Veränderungen rund um Diäten oder Sport: Falls du dein Ziel nicht beim ersten Mal erreichst, kritisiere dich nicht zu stark und versuche es erneut."

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