Good News des Tages: Amerikanerin spendet ihrem Ex-Mann eine Niere

Johannes Giesler
Freier Autor
Eine Amerikanerin erklärt sich ohne zu zögern bereit, ihrem Ex-Mann eine Niere zu spenden. (Symbolfoto: Getty Images / Capuski)

Sobald eine Beziehung zu Ende geht, wollen manche Menschen nichts mehr von ihrem Ex-Partner wissen. Dass es auch anders geht, zeigt die Geschichte von Mary und Bill. Denn er verdankt seiner Ex-Frau seine Gesundheit.

In guten, wie in schlechten Zeiten. Auch dann noch, wenn der Bund der Ehe lange gelöst ist – das gilt wohl für Mary Zeigler. Denn was die 62-jährige Amerikanerin für ihren Ex-Mann Bill Henrichs getan hat, ist eine „etwas ungewöhnliche Geschichte“. So nennt sie es selbst in einem Interview mit Fox9, einem Fernsehsender in Minneapolis. Es ist aber auch eine Geschichte über Nächstenliebe.

Mary lernt Bill schon in der Schule kennen, mit gerade mal 14 Jahren werden sie ein Paar. Er ist bis heute ihr erster und einziger Freund. „Er war damals Musiker und ich wollte mit ihm und seiner Band abhängen, ich half ihm sogar dabei, seinen Verstärker überall hin zu schleppen“, erinnert sich Mary. Es ist keine kurze Romanze, denn sobald sie volljährig sind, geben sie sich das Ja-Wort.

Vierzehn Jahre später haben die beiden zwei Kinder, Matthew und Macy. Doch mit der Zeit entwickeln sie sich auseinander, haben immer weniger gemeinsam. Bill sei zu verkopft, sagt Mary, sie selbst hingegen eher sportlich. Zehn Jahre nehmen sie diese Entwicklung weiter in Kauf, dann aber lassen sie sich doch scheiden. Gehen aber keine getrennten Wege, sondern wollen weiterhin gute Eltern und für ihre Kinder da sein.

Selbst eine lebenslange Dialyse kommt in Frage

Soweit, so normal. Auftritt: Linda. Linda wird Bills zweite Frau, sie bringt ebenfalls zwei Kinder aus einer früheren Ehe in die nun bunte Patchworkfamilie. Und was macht Mary? „Ich dankte Gott, dass Linda in unser Leben gekommen ist. So hat Bill unsere gemeinsame Familie nie verlassen müssen, stattdessen hat sich Linda ihr angeschlossen.“

Doch damit ist diese Geschichte noch nicht zu Ende. Im vergangenen Februar verlieren Bills Nieren mehr und mehr an Leistungsfähigkeit. Die behandelnden Ärzte sagen ihm, er brauche dringend ein Transplantat. Um die 30 Freunde und Familienangehörige lassen sich testen. Macy, seine Tochter, kommt als Spenderin in Frage. Aber sie hat mittlerweile selbst ein Kind, ist eine junge Mutter, die alle Hände voll zu tun hat und ihre Kraft braucht. Deswegen hoffte Bill auf eine bessere Option – selbst eine lebenslange Dialyse denkt er durch. Und dann kommt: Mary.


Sie ist eine Spende-Kandidatin. „Wir teilten sogar einige Antigene“, sagt sie. „Ich musste nicht lange um eine Entscheidung ringen. Es war für mich, als bat er mich darum, beim Laub rechen zu helfen.“ Und so spendet Mary ihrem Ex-Mann Bill, 44 Jahre nachdem sie ihm ihr Herz geschenkt hat, eine Niere.

„Wir sind immer füreinander da“

„Vor der Operation trank ich richtig viel Wasser, damit er eine schön fette und üppige Niere bekam“, sagt sie mit einem Lachen. Und erinnert an ein Versprechen, das sie und Bill sich bei ihrer Trennung vor ihren Kindern gaben. „Auch wenn wir vielleicht kein gutes Paar waren, werden wir doch immer füreinander da sein.“

Wie selbstlos sie ist, zeigt Mary auch mit diesen Worten: „Wenn meine Geschichte die Handlung oder Einstellung auch nur einer einzigen Person zu ihrem Verflossenen verändert, hat sie sich schon gelohnt.“ Kurz vergessen hat sie da wohl, dass sie einem Menschen vielleicht das Leben, zumindest aber die Gesundheit, gerettet hat.