Reines Greenwashing? Kosmetikmarke erntet Shitstorm für "umweltfreundliche" Verpackung

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Als Papierflasche stellt sich die neueste Verpackung der koreanischen Kosmetikmarke Innisfree laut Label vor - doch die Aufschrift wird nun als irreführend bezeichnet und das Unternehmen selbst für Greenwashing kritisiert. Wer die Flasche nämlich aufschneidet, erlebt eine Überraschung.

Betreibt Innisfree - hier ein Flagship-Store des Unternehmens in New York - mit seinen neuen Verpackungen nur Greenwashing? (Symbolbild: Richard B. Levine)
Betreibt Innisfree - hier ein Flagship-Store des Unternehmens in New York - mit seinen neuen Verpackungen nur Greenwashing? (Symbolbild: ddp images/Richard B. Levine)

Wer in Südkorea als Beauty-Marke etwas auf sich hält, verpasst sich ein grünes Image. Innisfree, ein beliebter Kosmetik-Hersteller, verfolgt schon seit einigen Jahren Umwelt-Initiativen für Baumschutz und weniger Müll. 

Die Papierflasche, die keine ist

Mit der neuesten Aktion zieht das Unternehmen nun jedoch viel Kritik auf sich. Eines seiner Pflegeprodukte auf Grüntee-Basis versah Innisfree mit der freundlichen Aufschrift: "Hallo, ich bin Papierflasche." In einem Facebook-Post zeigte ein Kunde jedoch, was sich in der vermeintlichen Papierverpackung versteckt, wenn man diese aufschneidet: eine handelsübliche Plastikflasche, um die lediglich eine Pappschicht gehüllt war. 

"Betrogen" fühlt sich ein Kunde von der vermeintlichen Papierflasche (Bild: Facebook/No Plastic Shopping)
"Betrogen" fühlt sich ein Kunde von der vermeintlichen Papierflasche (Bild: Facebook/No Plastic Shopping)

"Ich fühlte mich betrogen, als ich herausfand, dass das angebliche Papierprodukt in Wahrheit eine Plastikflasche ist", heißt es in dem Facebook-Post, der in der Gruppe "No Plastic Shopping" geteilt wurde und Innisfree des Greenwashings bezichtigt. 

Unter Greenwashing versteht man, wenn ein Unternehmen falsche oder täuschende Aussagen tätigt, um sich ein umweltfreundliches Image zu verpassen. 

Innisfree hatte in Pressemitteilungen bei dem Launch der Verpackung auf den Plastikkern hingewiesen. Die große Aufschrift, mit der sich die Flasche als Papierprodukt zu erkennen gibt, scheint jedoch viele Kunden zu irritieren: Der Facebook-Post ging viral. 

Das Unternehmen entschuldigt sich

Der Facebook-User gab an, auch beim Kundenservice von Innisfree eine Beschwerde eingereicht zu haben. Die falsche Papierflasche erregte auf Social Media jedoch so viel Aufsehen, dass sich das Unternehmen für den "irreführenden" Produktnamen entschuldigte. 

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"Wir haben den Begriff 'Papierflasche' verwendet, um das Papier-Etikett zu erklären, das die Flasche umgibt", sagte Innisfree der Zeitung "The Korean Herald" in einem Statement. "Wir haben nicht bedacht, dass die Bezeichnung die Leute denken lassen könnte, dass die gesamte Verpackung aus Papier ist. Wir entschuldigen uns, dass wir die Information nicht klarer rübergebracht haben." 

An dem Umweltgedanken hinter der Verpackung hält das Unternehmen jedoch weiter fest. Die Flasche enthalte 51,8 Prozent weniger Plastik als sein Vorgängermodell. Außerdem enthalte das Etikett Vorgaben, wie Papierhülle und Kunststoffbestandteile getrennt recycelt werden sollten. 

Nicht alle sind zufriedengestellt

Sind damit die Wogen geglättet? Nur zum Teil. Der anonyme Facebook-User, der sich ursprünglich über die Verpackung beschwert hatte, nannte die Erklärung der Beautymarke in der Zeitung "unzureichend". Und auf Social Media werden auch nach der Entschuldigung unterschiedliche Meinungen geäußert. 

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Ein User nannte die Verpackung "beispielhaft für grünen Kapitalismus: außen eine umweltfreundliche Botschaft, aber innen immer noch verfault". Andere wiederum verteidigten das Unternehmen. Die Flasche sei schließlich schon seit einem Jahr auf dem Markt und habe alle Informationen auf dem Etikett. "Es gibt kein falsches Marketing, wenn alles für jedermann sichtbar ist", heißt es in einem Tweet. 

Ob Innisfree die Verpackung oder die Beschriftung überarbeiten wird, ist bislang nicht bekannt. 

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