Karl Lagerfeld: Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind riesig

Stefica Budimir-Bekan
Freie Autorin

“Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Seit ich diesen Satz von Karl Lagerfeld gehört habe, denke ich zwei Mal darüber nach, ob ich tatsächlich in meine bequemen Sweatpants schlüpfe, um schnell Brötchen zu holen, oder vielleicht nicht doch lieber Jeans anziehe. Doch ich bin nicht die Einzige, die der Meister der Mode beeinflusst hat. Die Welt trauert um einen ganz Großen. Eine Hommage an sein Werk und sein Leben.

Au revoir, lieber Karl! (Bild: Getty Images)

So muss es sich vermutlich angefühlt haben, als Coco Chanel von uns gegangen ist. Stille, Leere überall. Denn die Todesnachricht, die geschockte Gesichter auf der ganzen Welt hinterlässt, betrifft nicht irgendeinen Designer, sondern Karl Lagerfeld. Ein Mode-Revolutionär, der seinesgleichen sucht.

Die Sorgen um ihn wurden in den letzten Wochen immer größer. Als er zum ersten Mal nicht bei der Haute-Couture-Show von Chanel erschien, hatten es die meisten schon vermutet: Das kann nichts Gutes heißen. In einem Statement des Modehauses hieß es da: “Mr. Karl Lagerfeld, Artistic Director von Chanel, fühlte sich müde und bat deshalb Virginie Viard, die Direktorin unseres Ateliers, ihn zu vertreten.”

Karl Lagerfeld bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte im Dezember 2018 (Bild: Getty Images)

Nun aber ist klar, dass bereits da mehr dahintersteckte: Wie Chanel am 19. Februar 2019 bestätigte, ist Karl Lagerfeld im Alter von 85 Jahren in Paris gestorben. Als Todesursache gab das französische Magazin “Public“ die Folgen einer Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung an.

Karl Lagerfeld in seinem Lieblingslook: Anzug und Krawatte (Bild: Getty Images)

Er war laut, er war exzentrisch, mit seiner scharfen Zunge sorgte er immer mal wieder für große Aufregung – doch das war eben Karl Lagerfeld. Ein Mann mit einem Hang zum Dramatischen, mit der Vision, die Welt zu erobern. Sieben Jahrzehnte lang war der Designer, der sogar eine Katze zur Fashion-Ikone machte, im Geschäft.

Karl Lagerfelds Katze Choupette hat einen eigenen Instagram-Account (Bild: Getty Images)

Und, seien wir mal ehrlich, hätte wirklich jemand Accessoires mit dem Konterfei von Choupette gekauft, wenn es nicht Karls Katze gewesen wäre? Vermutlich hätte man sich mehr als albern gefühlt, mit einer weißen Birma-Miezekatze auf dem T-Shirt herumzulaufen, wenn der Designer Himself nicht seinen modischen Fingerabdruck hinterlassen hätte.

Drei Modehäuser, drei verschiedene Kollektionen

Doch was machte einen Karl Lagerfeld eigentlich aus? Die dunkle Sonnenbrille? Sein weiß gepuderter Zopf? Nicht nur. Im Gegensatz zu vielen anderen Fashion-Designern arbeitete der gebürtige Hamburger nicht nur für ein Modelabel. Jedes Jahr entwarf er mehr als ein Dutzend Kollektionen für drei grundverschiedene Modehäuser: Chanel, Fendi und sein eigenes, nach ihm benanntes Label. Außerdem war er der einzige Modeschöpfer, der in Paris jede Saison zwei Haute-Couture-Kollektionen präsentierte.

Karl Lagerfeld mit Claudia Schiffer (Bild: Getty Images)

Und dann ist da noch die Sache mit seinen Musen. Kein anderer Designer ließ sich so sehr von schönen Frauen (und Männern!) inspirieren, verhalf einigen von ihnen sogar zu Weltruhm: Claudia Schiffer, Inès de la Fressange, Baptiste Giabiconi, Florence Welch, Kristen Stewart, Vanessa Paradis, Lily-Rose Depp, um nur einige zu nennen. Über Heidi Klum sagte er dafür mal: “Ich kenne sie nicht. Claudia Schiffer kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.“

Modegott Lagerfeld: Eine Ära nach Karl scheint undenkbar

Die Botschafterinnen seiner Visionen trugen Lagerfelds Werke in die Welt hinaus. Doch so richtig zufrieden war der deutsche Modedesigner nie. “Ich bin wie ein Mode-Nymphomane, der nie zum Orgasmus kommt. Ich bin nie befriedigt“, behauptete er.

Designer Karl Lagerfeld mit Inès de La Fressarge (Bild: Getty Images)

Dass mal jeder auf der Welt seinen Namen kennen würde, hätte Karl Lagerfeld anfangs vermutlich selbst nicht für möglich gehalten. Er wuchs als Sohn eines Hamburger Kondensmilch-Fabrikanten auf. Im Alter von 14 Jahren zog er mit seiner Mutter nach Paris, wo er seine Schulausbildung am Lycée Montaigne abschloss und wo er zeichnen und skizzieren lernte.

“Es war mir eine Ehre”: Promis verabschieden sich von Karl Lagerfeld

Dass er 1954 den “International Woolmark Prize” in der Kategorie “Mantel” gewann, diente Lagerfeld als Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere. Er wurde sofort als Junior-Assistent und in der Folge als Auszubildender beim Haute-Couture-Modehaus Balmain eingestellt. 1958 folgte eine Anstellung als Designer bei Jean Patou.

“Ich brauche nicht viel”

Trotz seines frühen Erfolgs war Karl Lagerfeld nie gierig: “Ich lebe ein spartanisches Leben. Ich brauche nicht viel – nur meine 300.000 Bücher. Der größte Luxus ist meine Freiheit und dass ich zwei Mal am Tag eine neues, frisch gebügeltes Hemd anziehe. Und meine weiße Unterwäsche trage ich meistens nur einmal.“ 1964 fing er an, bei Chloé zu arbeiten, 1965 folgte Fendi. Im Jahr 1984 gründete er sein eigenes nach ihm benanntes Label. Seine erste Haute-Couture-Kollektion für Chanel entwarf er im Januar 1983.

Karl Lagerfeld in jüngeren Jahren (Bild: Getty Images)

Karl Lagerfeld war ein genialer Designer, der mit seinen Kollektionen Generationen von Fashion-Liebhabern glücklich machte. “Wenn ich tot umfalle? Ist mir doch egal! Mein Gott! Millionen Menschen sind vor uns gestorben…“, sagte er mal. Dass aber Millionen Menschen eines Tages um ihn trauern würden, darüber hat einer der größten Modedesigner unserer Zeit nicht nachgedacht.