Kleiner Sakko-Knigge: Die Passform, die Knopffrage und das absolute No-Go

Ena Clarke
Freie Autorin

Mit einem gut sitzenden Anzug oder sogar nur einer Anzugjacke ist man doch eigentlich immer richtig angezogen. Sollte man meinen. Doch bei keiner anderen Bekleidung gibt es so viele potenzielle Fettnäpfchen. Welche Regeln beim Tragen von Anzugjacken du kennen und unbedingt befolgen solltet, wann kreative Fashion-Freiheit erlaubt ist – und eine Modesünde, die jeden Anzugträger disqualifiziert.

Anzugjacken können natürlich auch kreativ gestylt werden – wenn du die wichtigsten Fashion-Regeln beherrscht. (Bild: Getty Images)

Das Problem bei Anzugjacken: Sie sind immer im direkten Blickfeld des Gegenübers, dessen Blick nach deinem Gesicht fast immer auch den Oberkörper streifen wird. Entsprechend fallen Fashion-Fehler schnell auf und bleiben im Gedächtnis. Aber keine Angst: Wenn du diese 5-Punkte-Checklist abhaken kannst, bist du stiltechnisch auf der sicheren Seite:

Check 1: Die Passform

Die Todsünde jedes Anzugträgers: wenn Hose und Sakko (natürlich auch Blazer oder Jackett) nicht richtig sitzen. Dabei ist es doch gar nicht so schwer – lediglich folgende Punkte sollten stimmen: Keine Falten am Rücken der Jacke (weder quer noch längs). Die Anzugjacke bedeckt das Gesäß (keinesfalls mehr). Die Naht der Schulterpartie sollte bündig mit dem Oberarm abschließen, die Ärmel auf Höhe des Handgelenks.

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Zwischen Revers und Hemdkragen sollten keine Lücke, Knicke oder sonstigen Abstände zu sehen sein. Wer sich ganz sicher sein will, dass der Anzug richtig sitzt, kauft entweder einen Maßanzug oder ein Made-to-measure-Modell. Aber auch Konfektionsmode aus dem Einzelhandel kann toll aussehen, allerdings solltest du dann nach dem Kauf im Zweifel noch in Änderungen beim Schneider deines Vertrauens investieren.

Check 2: Die Knopf-Frage

Bei Einreihern mit zwei oder mehr Knöpfen wird der unterste Knopf nicht, wir wiederholen, NICHT geschlossen. (Bild: Getty Images)

Ob Einreiher, Zweireiher, Einknopf, Zweiknopf oder Dreiknopf-Sakko, ist Anlass und Körperbau seines Trägers überlassen: Einreiher mit einem Knopf sind sehr formal, perfekt für den eleganten Look am Abend und gut für schmale und sportliche Männer geeignet. Zweiknopf-Sakkos sind eine sichere Bank fürs Büro und Business-Dinner, drei Knöpfe sind die klassischste Variante, machen den Oberkörper schön lang und werden für Freizeit wie Business genutzt.

Kleiner Knopf-Knigge Teil 1: Bei Einreihern mit zwei oder mehr Knöpfen wird der unterste Knopf nicht, wir wiederholen, NICHT geschlossen. Jacken mit einem Knopf können offen oder geschlossen getragen werden. Der geschlossene Knopf sollte immer erst kurz vor dem Hinsetzen geöffnet werden.

Zweireiher-Sakkos setzen tendenziell eher ein modisches Statement und stehen vor allem schlanken und sportlichen Männern gut, da der Fokus stark auf den Oberkörper gerichtet wird. Kleiner Knopf-Knigge Teil 2: Die mittleren Knöpfe des Zweireihers sollten immer geschlossen sein, die untere Knopfreihe kann offen oder geschlossen getragen werden. Eine Zweireiher-Jacke bitte nie komplett offen tragen, das wirkt schnell ungepflegt und nur übergeworfen statt richtig gestylt.

Check 3: Das „Darunter“ (es muss nicht immer Hemd sein)

Die meisten Fehler beim klassischen Hemd-Sakko-Look werden bei Kragen und Ärmel gemacht. Dabei geht es nur marginal um den Stil des Hemds (am elegantesten ist der Haifischkragen, der Kent-Kragen sorgt für den klassischen Look, lässig ist man mit Button-Down unterwegs). Die generelle Faustregel für den perfekten Hemd-Fit lautet: Der Kragen sollte etwa drei Finger breit sein, der Ärmel sollte circa 1 cm unter dem Ärmel hervorragen.

Auch ein T-Shirt kann zum Anzug äußerst cool aussehen. (Bild: Getty Images)

Wer sich nicht fürs Hemd entscheidet, hat die Qual der Wahl: Poloshirts aus Baumwolle oder gewebter Wolle (schicker wird’s bis oben zugeknöpft), Rundhalspullover (bitte nur bei nicht allzu buschiger Brustbehaarung), eng anliegende Rollkragenpullover (nicht aus Grobstrick, sondern fein gewebt!) oder ein T-Shirt aus einem passenden Stoff.

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Apropos passender Stoff: Edle Anzugstoffe sollten nicht mit Shirts aus simpler matter Baumwolle kombiniert werden, hier passt eher ein Oberteil aus Seide, Nylon oder Wolle. Generell passen ein Baumwollshirt zum Baumwollanzug, dünne Wollstoffe zu Anzügen aus demselben Material. Nur Nylon oder Seide bei Shirt UND Anzug wäre etwas zu viel des Guten…

Check 4: Die Taschen

Die Nähte an Taschen wie auch Gesäßschlitz der Anzughose sind dafür da, aufgetrennt zu werden. Ja, wirklich! Allerdings heißt das nicht, dass ihr die Taschen entsprechend vollstopfen könnt. Bei Anzugjacken ist Zurückhaltung angesagt: Smartphone, Kreditkarte, zwei, drei Scheine oder ein sehr, sehr schmaler Geldbeutel – mehr Platz ist nicht in Innen- und Seitentaschen, ohne dass die Jacke ausgebeult erscheint.

Check 5: Die richtige Pflege

Ist es ein Glück oder ein Unglück, dass Anzugjacken meist gepflegter aussehen als sie riechen? Aber bei Businessmeetings und anderen offiziellen Anlässen wird eben viel geschwitzt und nur wenig gekleckert – leider kommt deshalb oft die Reinigung zu kurz.

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Tipp: Sakkos alle paar Tage für eine Nacht an die frische Luft hängen (auf einem passenden Bügel, nicht am Haken!) und je nach Tragehäufigkeit regelmäßig in die Reinigung bringen. Der finanzielle Aufwand hat sich schon gelohnt, wenn beim nächsten Meeting der Tischnachbar nicht die Nase rümpft.

 Dieser Modefehler ist unverzeihlich:

Wer bei seinem schicken Designeranzug das Herstelleretikett nicht entfernt, outet sich als Fashion-Rookie (oder eiliger Käufer, der seine Jacke offenbar direkt aus dem Handel zum Event gebracht hat). Die Etiketten am Ärmel sind nur für den Verkäufer gedacht, der damit auf den ersten Blick die Marke des Sakkos sehen kann, ohne es vom Bügel zu nehmen. Wer sich unbedingt direkt vor dem Meeting neu einkleiden muss, dem wird im Geschäft gerne beim Entfernen geholfen – so viel Zeit für guten Stil muss einfach sein.