Männer und Cheerleader sind kein Widerspruch

Quinton Peron (links) und Napoleon Jinnies (rechts): Die ersten männlichen Cheerleader bei einem Super Bowl. (Bild: REUTERS/Rory Carroll)

Das gab’s noch nie beim Super Bowl: Beim diesjährigen NFL-Finale zwischen den Los Angeles Rams und den New England Patriots wurden die Football-Spieler nicht nur von weiblichen Cheerleadern angefeuert – sondern auch von zwei männlichen.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

In Zeiten, in denen zunehmend über ein toxisches Männlichkeitsbild diskutiert wird, rütteln zwei Herren kräftig an gängigen Vorstellungen vermeintlicher Maskulinität. Quinton Peron und Napoleon Jinnies heißen die beiden Herren, die mit ihrem Auftritt beim Super Bowl 2019 für Furore sorgten, in dem sie als Teil der ansonsten weiblichen Cheerleader-Truppe die Los Angeles Rams anfeuerten. Obwohl es keine Vorschrift gibt, die es den Teams untersagt, auch männliche Cheerleader in ihre Reihen aufzunehmen, sind die beiden dennoch die ersten Männer, die in der Geschichte der NFL als Cheerleader in einem Endspiel zu sehen sind. Zumal sie neben Jesse Hernandez von den New Orleans Saints die einzigen Männer sind, die überhaupt als Cheerleader in der US-amerikanischen Profi-Football-Liga tätig sind.

Der vermeintlich softere Part

American Football: Das ist nicht nur der US-Sport schlechthin, es ist auch die Sportart, die wie kaum eine andere das Bild des vor Testosteron strotzenden Mannes als Kämpfer und Eroberer verkörpert. Schließlich geht es um Raumgewinn durch Schnelligkeit, Durchsetzungsvermögen und körperliche Stärke. Attribute, die traditionellerweise auch außerhalb des Spielfeldes in erster Linie dem Mann zugeschrieben werden. Und während die Männer in die Schlacht ziehen, kommt den Frauen im Team – also den Cheerleadern – der vermeintlich softere, harmlosere Part zu.

Quinton Peron hat es geschafft: Er ist beim Super Bowl dabei. (Bild: Getty Images)

Dass es viel mehr als nur ein aufreizendes Kostüm und ein paar Pompons braucht, um das Zeug zum Cheerleader zu haben, wird dabei nur allzu gern übersehen. Denn auch der Job des Cheerleaders erfordert Athletik, Ausdauer und nicht zuletzt Stärke. Dennoch wird Cheerleading oft als Tätigkeit betrachtet, die in erster Linie Mädchen vorbehalten ist. Was für’s Auge. Und natürlich nix für Jungs. Echte Kerle wälzen sich stattdessen im Dreck des Spielfeldes.

Umso erfreulicher, dass Quinton Peron und Napoleon Jinnies nun die Gelegenheit hatten, auf der größtmöglichen globalen Bühne – weltweit verfolgen den Super Bowl mehrere hundert Millionen TV-Zuschauer – derartige Stereotype wegzujubeln und altgestrigen Vorstellungen vermeintlicher Männlichkeit tanzenden Schrittes in den Arsch zu treten.

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