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Mogelpackungen - so wird getrickst

Podcast-Empfehlung der Verbraucherzentrale

Mogelpackungen beinhalten nicht nur viel Luft und wenig Inhalt. Denn Lebensmittelhersteller greifen zu immer dreisteren Marketingtricks. Es wird gemogelt, was das Zeug hält. Vermutlich auch der Grund, weshalb die Zahl der Mogelpackungen im Jahr 2023 einen neuen Höchststand erreichte. Ein Podcast der Verbraucherzentrale klärt auf, worauf du achten solltest.

Frau liest eine Verpackung eines Lebensmittels im Supermarkt
Mogelpackungen im Supermarkt lassen sich oft nicht erkennen (Symbolbild: Getty Images)

Unklare Angaben auf Lebensmittelverpackungen und versteckte Preise – Lebensmittelhersteller mogeln auf die verschiedensten Arten und Weise, um die Verbraucher in die Irre zu führen. Dabei wird nicht nur bei der Verpackung und beim Preis, sondern auch bei der Qualität geschummelt. Viele Hersteller argumentieren damit, dass Rezepturänderungen auf Wunsch der Verbraucher erfolgen. Doch das entspricht nicht immer der Wahrheit. Doch wie kann ich Mogelpackungen erkennen und welche Produkte sind betroffen? Der Podcast "Klar Tisch“ enthüllt, worauf die Verbraucher beim Einkauf achten sollten.

Zahl der Mogelpackungen in zwei Jahren verdoppelt sich fast

Zwischen November 2022 und November 2023 sind die Preise für Nahrungsmittel laut Verbraucherzentrale um 5,5 Prozent gestiegen. Ein Marktcheck in Nordrhein-Westfalen im Mai 2023 zeigt außerdem, dass sich ein Preisvergleich lohnt: Bei 19 getesteten Grundnahrungsmitteln in verschiedenen Filialen von vier Supermarkt- und Discounterketten in fünf Großstädten gab es enorme Preisunterschiede von bis zu 400 Prozent (!).

Nicht immer sind Preiserhöhungen und Mogelpackungen auf den ersten Blick erkennbar. Laut dem Podcast von "Klar Tisch" führt das nicht nur zu Frust, sondern auch zu verrückten Wortkreationen wie Shrinkflation oder Skimpflation. Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg spürt seit rund 18 Jahren Mogelpackungen auf und sagt: "Wir stellen in der Tat einen extremen Anstieg bei Preiserhöhungen fest, was bei den Inflationsraten im letzten und in diesem Jahr auch zu erwarten war.“

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Betroffen von diesen Preistricksereien seien fast alle Produkte – von der Margarine über die Gummibärchen, über Pralinen, Chips, Snacks, gefrorenen Spinat bis hin zu Babybrei, Apfelschorle oder Eiscreme. Und es werden täglich immer mehr. "Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 2021 haben wir in der Verbraucherzentrale Hamburg 50 Mogelpackungen veröffentlicht. 2022 waren es schon fast 80 und jetzt im Dezember 2023 sind wir schon bei 95 Mogelpackungen gelandet“, so Valet.

Weniger drin, Preis gleich

Die meisten Mogelpackungen beinhalten laut dem Experten weniger Inhalt, werden jedoch zum gleichen Preis angeboten. "International wird diese Masche als Shrinkflation bezeichnet“, klärt der Verbraucherexperte auf. Ein Wortspiel, das sich aus dem Englischen "shrink“ für "schrumpfen“ und dem Wort "Inflation“ zusammensetzt. Bei dieser Trickserei gebe es verschiedene Varianten. "Eine davon ist, dass der Preis und die Füllmenge gesenkt werden“, erklärt Valet. "Das haben wir zum Beispiel bei einem Bio-Tee gefunden. Da sank die Füllmenge von 75 auf 40 Gramm, der Preis aber nur um 30 Cent. Unterm Strich kostete der Tee rund 50 Prozent mehr. Das heißt, dass das Produkt, das auf den ersten Blick günstiger erscheint, am Ende sogar deutlich teurer geworden ist.“

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Infografik: Das sind die größten Mogelpackungen 2023 | Statista
Infografik: Das sind die größten Mogelpackungen 2023 | Statista

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Laut dem Experten sollten Verbraucher sich ebenfalls nicht von der Werbung für "Mehr Inhalt“ täuschen lassen. "Das kann sich als Preisfalle herausstellen, weil der Preis überproportional angehoben sein kann. Somit ist das Produkt auch wieder teurer geworden“, sagt Valet. Verschleiert werde die Masche damit, dass sich außer der Füllmenge nichts an der Verpackung ändere. Teilweise werde sogar die Kennzeichnung der Füllmenge von der Schauseite entfernt und hinten ins Kleingedruckte gepackt.

Auch die Qualität der Lebensmittel kann schlechter werden

Womit die Lebensmittelhersteller außerdem tricksen, ist den Experten zufolge die sogenannte Skimpflation – ebenfalls aus dem Englischen vom Wort "skimp“ für "sparen“ abgeleitet. Damit ist allerdings nicht die Füllmenge gemeint, sondern die Zutaten. So werden beispielsweise wertvolle Zutaten bei Fertiglebensmitteln durch kostenloses Wasser oder andere minderwertige Zutaten wie Bindemittel dreist ersetzt.

Verschiedene Plastikflaschen im Regal im Supermarkt
Bei Mogelpackungen nicht immer zu erkennen ist auch, wenn sich die Rezeptur des Produkts ändert (Symbolbild: Getty Images)

"Wir haben Rahmspinat gefunden, bei dem statt 88 Prozent nur noch 67 Prozent Spinat enthalten war. Dafür ist der Wasseranteil gestiegen“, so Valet. Weitere Beispiele: ein Sonnenblumenöl, bei dem ein Teil des Öls mit umstrittenen Palmöl ersetzt worden war, ein Nektar, bei dem der Fruchtsaft durch Aroma ausgetauscht wurde, ein Spaghettifertiggericht, bei dem plötzlich der Käse weggelassen wurde und eine Haselnuss-Nougat-Creme, bei der der Kakaoanteil gesenkt worden war.

So dreist sind die Tricksereien der Lebensmittelhersteller

Das Portal Lebensmittelklarheit.de setzt sich ebenfalls im Auftrag der Verbraucherzentrale für die Verbraucher ein. So werden dort beispielsweise auch Produkte aufgedeckt, bei denen der Name und die Abbildung nicht zur tatsächlichen Zusammensetzung des Produkts passen. Verbraucher können dort aber auch Mogelpackungen melden oder Produkte, bei denen sich die Rezeptur geändert hat, beispielsweise ein Fruchtsaft, der plötzlich weniger Fruchtsaft enthält.

"Ein Hersteller von Snacks hat Erdnüsse in einer Pappröhre verkauft. Darauf stand die Werbung 'Volles Rohr', was eigentlich auch gut zu der Pappröhre passte. Bloß, dass sie bei Weitem nicht voll war“, erklärt Claudia Weiß, Chefredakteurin von Lebensmittelklarheit.de. Darüber habe sich ein Verbraucher beim Portal beschwert, weshalb die Meldung online genommen worden war.

Weniger Inhalt, mehr Geld: Verbraucherschützer suchen "Mogelpackung des Jahres"

Was Lebensmittelklarheit.de in solchen Fällen macht? "Wir schreiben den Hersteller an und bitte um eine Stellungnahme. Wir verfassen selbst eine Einschätzung und dann stellen wir alles online“, so Weiß. "Die Beschwerde, Produktfotos, unsere Einschätzung und die Stellungnahme, wenn der Hersteller uns geantwortet hat. So wollen wir im Portal klarstellen, es ist aus unserer Sicht nicht in Ordnung, die Qualität ohne jeden Hinweis zu verschlechtern“, erklärt die Chefredakteurin.

Rezepturänderungen nicht unbedingt eine Verbesserung

Das Problem sei allerdings, dass man eine Qualitätsminderung bei den Produkten nicht immer belegen könne. "Wir brauchen die alte und die neue Verpackung, um die Zutaten vergleichen zu können“, so Weiß. Häufig komme man aber an die alte Verpackung nicht mehr heran. Und auch der Verbraucher oder die Verbraucherin haben sie nicht aufgehoben. "Außerdem müssen wir eine Verschlechterung belegen", sagt Weiß. Ein konkretes Beispiel sei der Hersteller eines Mandeldrinks, der auf seine Verpackung schreibt "Neue Rezeptur, aromatischer im Geschmack.“ Durch diesen Aufdruck werde der Eindruck vermittelt, dass die Qualität besser geworden sei. "Aber es sind nicht etwa mehr Mandeln im Getränk, sondern weniger. Der Mandelanteil ist von sieben Prozent auf drei Prozent gesunken“, erklärt die Verbraucherexpertin.

Kann man Mogelpackungen erkennen?

"In den meisten Fällen nicht“, so Claudia Weiß. "Wer kennt schon die Zutatenliste auswendig? Deshalb fordern wir einen deutlichen Hinweis wie 'Neue Rezeptur’ auf der Verpackung. Und es ist aber tatsächlich so: Neu heißt häufig schlechter. Gleichzeitig kann es sein, dass weniger Inhalt in der Verpackung steckt.“

Das war die höchste versteckte Preiserhöhung im Jahr 2023

Übrigens: Die wohl dreisteste Mogelpackung des Jahres gab es laut Armin Valet bei einer Art Knäckebrot. Hier war der Preis um satte 127 Prozent gestiegen. Dabei wurde nicht nur die Füllmenge drastisch reduziert und der Preis deutlich erhöht. "Der Hersteller hat den Markennamen gewechselt und verkauft jetzt das identische Produkt unter einer scheinbar hochwertigeren Marke“, so Valet. "Das ist wirklich ein besonders krasses Beispiel, wie Konzerne tricksen können.“

VIDEO: Diese Knabberei ist die "Mogelpackung des Monats"