So schädlich ist die Fashion-Industrie für die Umwelt

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Die Modeindustrie gehört zu den fünf umweltschädlichsten Industrien der Welt. (Bild: Getty Images)

Ende letzten Jahres hatte der britische Naturforscher David Attenborough an die Menschheit appelliert, indem er erklärte, welche Schäden Plastikmüll den Ozeanen zufügt. Um seinen Erläuterungen Nachdruck zu verleihen, fügte er seinem Beitrag eine Fotoaufnahme hinzu, die eine unschuldige Meeresschildkröte mit einem Plastikhalm in der Nase zeigte. Das Foto schaffte es tatsächlich, die Welt ein wenig wachzurütteln. Nur leider wurde der Rattenschwanz zum Thema Umweltverschmutzung ab diesem Tag immer länger.

Nach der Veröffentlichung von Attenboroughs Schildkrötenbildern rief die britische Tageszeitung „Evening Standard“ die Kampagne „The Last Straw“ ins Leben. Viele Londoner Bars und Restaurants kündigten an, Einweg-Plastikstrohhalme zu verbieten und auch international schlossen sich viele Gastronomieunternehmen und Restaurants deren Beispiel an. Ein erster Fortschritt, aber eben auch nicht mehr.

Knapp ein Jahr später wehen von der britischen Insel erneute Warnungen zum Thema Umweltverschmutzung herüber. In Stacey Dooleys neuer BBC-Show „Fashion’s Dirty Secrets“ geht es, wie der Titel unweigerlich verrät, um unsere Kleidung. Die Modeindustrie gehört zu den fünf umweltschädlichsten Industrien der Welt. Wundern tut es wohl keinen, dass die Länder, die unsere Kleidung herstellen, am meisten unter der Verschmutzung leiden. 20 Prozent der Süßwasserverschmutzung wird allein von der Textilindustrie verursacht. Dank unseres immensen Verlangens nach Baumwolle haben wir es sogar geschafft, den Aralsee in Kasachstan, auszurotten. Heute herrscht dort, wo einst einmal Wasser war, trockene Wüstenlandschaft – primär wegen der Bewässerung von Baumwoll- und Reisfeldern.

Dank der unersättlichen Gier nach mehr Baumwolle, schaffte es die Modeindustrie aus einem einstigen Meer eine Wüste zu machen.

Die Schuldfrage soll nicht unbeantwortet bleiben. Ausgerechnet Social Media spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Denn Instagram, Facebook und Co. fördern unsere Konsumgelüste und tragen somit dazu bei, dass wir immer mehr Kleidung für immer weniger Geld besitzen wollen. Nachhaltige Produktion ade! Und weil ein echter Influencer kein Kleidungsstück doppelt trägt, landet es erst im Second-Hand, dann in der Altkleiderspende und wenig später auf dem Müll. Und das wäre noch der Idealfall …

Das Aktionsprogramm für Abfall und Ressourcen will nun endlich Abhilfe schaffen. Es fordert die Modeindustrie dazu auf, zeitlosere Designs und nachhaltigere Materialien zu verbreiten.
Textilunternehmen wie Marks & Spencer haben sich bis 2020 zu der ausschließlichen Nutzung nachhaltiger Baumwolle verpflichtet. Und auch für unsereins sollte es in Zukunft heißen: reparieren, recyceln – und vielleicht doch einmal ein exklusives Kleidungsstück mehrmals tragen, bevor man sich von ihm verabschiedet.