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Sechs Dinge, die Leute in Bezug auf Migräneanfälle falsch verstehen

Migräneanfälle kann man laut Experten nicht mit herkömmlichen Kopfschmerzen vergleichen.(Foto: Getty Images)
Migräneanfälle kann man laut Experten nicht mit herkömmlichen Kopfschmerzen vergleichen.(Foto: Getty Images)

Obwohl viele Menschen unter Migräne leiden - etwa 12 Prozent der US-Bevölkerung sind davon betroffen - wird die neurologische Erkrankung oft falsch diagnostiziert und missverstanden. So werden Kopfschmerzen und Migräneanfälle manchmal in einen Topf geworfen oder es wird unterschätzt, wie schwächend Migräne tatsächlich sein kann.

Nach Angaben der American Migraine Foundation wurde Migräne in der Vergangenheit als „eine der am stärksten beeinträchtigendenKrankheiten der Welt vernachlässigt“.

Obwohl sie bei Frauen dreimal häufiger auftritt als bei Männern und auch genetisch bedingt sein kann, kann Migräne jeden treffen, auch Kinder. Zu verstehen, was sie auslöst und wie man sie am besten behandelt, kann den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Experten haben erklärt, was die Leute oft über Migräne missverstehen.

1. Migräneanfälle sind das Gleiche wie Kopfschmerzen

Migräneanfälle sind nicht nur einfache Kopfschmerzen, sagen Experten. „Migräne ist viel komplexer“, erklärt Lauren Green, Neurologin am Keck Medicine of USC, gegenüber Yahoo Life.

Dr. Kiran Rajneesh, ein Neurologe, der sich in der Abteilung für Neurologie am Wexner Medical Center der Ohio State University auf Kopfschmerzen, Migräne und Schmerzmedizin spezialisiert hat, erklärt gegenüber Yahoo Life, dass Migräne „lähmend“ sein kann und durch „elektrochemische Ungleichgewichte“ im Gehirn verursacht wird.

„Sie geht mit Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit und einer Vielzahl anderer Symptome einher“, so Green. Sie fügt hinzu: „Oft ist Personen, die nicht an Migräne leider nicht bewusst, wie stark eine unbehandelte Migräne schwächen kann. Die Schmerzen können beträchtlich sein und die damit verbundenen Symptome horrend, sodass jemand nicht mehr in der Lage ist, seine normalen täglichen Aufgaben zu erfüllen.“

2. Nicht alle Migräneanfälle verlaufen gleich

Migränesymptome sind nicht universell und können von Person zu Person variieren. „Eine Person kann eine Migräne mit einer Aura haben, die aus blinkenden Lichtern oder Zickzacklinien besteht, während dies bei einer anderen Person vielleicht nicht der Fall ist“, erklärt Green. „Manche Menschen leiden unter starker Übelkeit, während andere eher von Lichtempfindlichkeit oder Schwindelgefühlen geplagt werden. Die Art und Weise, wie eine Migräne verläuft, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und so ist auch der Behandlungsplan sehr individuell.“

Rajneesh erklärt, dass das elektrochemische Ungleichgewicht, das zu einer Migräneattacke führt, in verschiedenen Teilen des Gehirns beginnen kann. „Je nachdem, wo es beginnt, können die Symptome unterschiedlich sein“, sagt er. Er stellt jedoch fest, dass das Ungleichgewicht in den meisten Fällen im Okzipitallappen entsteht, der sich im hinteren Teil des Gehirns befindet und die Sehrinde enthält, die den Menschen bei der Interpretation des Gesehenen hilft. Dies erklärt auch, warum manche Migränepatienten Auren sehen. Diese entstehen im Okzipitallappen und können als „Flecken, Zickzacklinien [und] Blitze erscheinen“.

Dr. Niushen Zhang, klinische Assistenzprofessorin in der Abteilung für Neurologie und neurologische Wissenschaften an der Stanford Medicine, weist auch darauf hin, dass es viele Klassifizierungen von Migräne gibt. „Zum Beispiel bestimmt die Häufigkeit der Migräneanfälle, ob eine Person an episodischer oder chronischer Migräne leidet“, erklärt Zhang gegenüber Yahoo Life. „Menschen mit episodischer Migräne haben weniger als 15 Kopfschmerztage im Monat. Von chronischer Migräne spricht man, wenn jemand mehr als 15 Kopfschmerztage im Monat hat, wobei [mehr als] 8 dieser Tage mittelschwer bis schwer sind und mit Migränesymptomen einhergehen und das über mehr als 3 Monate.“

3. Lebensmittel sind nicht die Hauptursache für Migräne

Bild: Getty
Bild: Getty

Obwohl bestimmte Lebensmittel und Alkohol wie Rotwein, Schokolade und Käse dafür bekannt sind, dass sie bei manchen Menschen Migräneanfälle auslösen, ist die Hauptursache für Migräne eigentlich Stress. „Das ist ein sehr, sehr wichtiger Auslöser“, sagt Rajneesh. Nach Angaben der American Migraine Foundation ist Stress bei fast 70 Prozent der Menschen, die an dieser neurologischen Krankheit leiden, der Auslöser.

Es kann helfen, den Stress in Schach zu halten, indem man Techniken zur Stressbewältigung anwendet – nach Angaben der Mayo Clinic insbesondere Achtsamkeitsmeditation in Form vonberuhigenden Atemmethoden oder Bilderreisen zur Entspannung von Körper und Geist. Schlaf und regelmäßiger Sport, einschließlich Yoga, helfen ebenfalls bei der Stressbewältigung, so Rajneesh.

4. Freiverkäufliche Schmerzmittel helfen nicht immer gegen die Schmerzen

Wenn du schon einmal einen schmerzhaften Migräneanfall hattest und rezeptfreie Schmerzmittel nicht geholfen haben, bist du nicht allein. Während einige Migränepatienten auf rezeptfreie Medikamente wie Paracetamol mit Koffein ansprechen, „benötigen viele andere verschreibungspflichtige Medikamente, um entweder das Auftreten der Migräne zu verhindern oder die Migräne akut zu behandeln“, sagt Green.

Wenn Patienten nicht auf rezeptfreie Schmerzmittel ansprechen, so Green, stehen „viele“ verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung – darunter auch Triptane – die dir dein Arzt oder Neurologe verschreiben kann. „Jeder Patient ist anders, wenn es darum geht, welche Art von Medikament für ihn wirksam ist“, sagt Zhang. „Es ist hilfreich, wenn Patienten mit ihren Ärzten darüber sprechen, welches für sie das Richtige ist.“

5. Der Zeitpunkt der Einnahme der Schmerzmittel ist entscheidender, als du denkst

Bei der Behandlung von Migräneanfällen kommt es auf das richtige Timing an. Wenn du die ersten Anzeichen einer aufkommenden Migräne spürst, ist es laut Experten wichtig, umgehend das entsprechende Präparat zu nehmen. „Migränemedikamente sollten unmittelbar zu Beginn der Migräne eingenommen werden”, so Green. „Wenn sie nicht gleich genommen werden, verschlimmert sich die Migräne weiter und das Medikament ist weniger wirksam.“

6. Schmerzmittel sind nicht der einzige Weg, um Migräneanfälle zu behandeln

Bild: Getty
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Migränemittel sind nur ein Teil eines Behandlungsplans. Wie Rajneesh erklärt: „Änderungen des Lebensstils sind bei Migräneanfällen genauso wichtig wie die Einnahme von Medikamenten.“

Zu diesen Änderungen des Lebensstils gehört es, herauszufinden, was deine persönlichen Migräneauslöser sind – dazu können Stress, bestimmte Lebensmittel, Gerüche wie Parfüm und sogar Wetterveränderungen gehören – und diese zu vermeiden oder die Exposition gegenüber ihnen so weit wie möglich zu reduzieren. Aber Rajneesh sagt, dass es genauso wichtig ist, sich gesund und ausgewogen zu ernähren – „nicht nur Auslöser zu vermeiden“ – und dem Schlaf Vorrang einzuräumen. Denn Untersuchungen zeigen, dass Schlafmangel die Schwere und Häufigkeit von Migräneanfällen erhöhen kann.

Medikamente können Migränepatienten zwar helfen, aber Rajneesh sagt: „Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, den Lebensstil zu ändern.“

Zhang pflichtet ihm bei und sagt, dass „die Grundlage“ der Migränebehandlung in der Änderung des Lebensstils liegt. „Ein regelmäßiger, vorhersehbarer täglicher Zeitplan für Essen, Schlafen und Bewegung kann sehr hilfreich sein, um die Häufigkeit und Schwere der Migräne zu verringern“, sagt sie.

Rachel Grumman Bender

Video: Leben mit Migräne: So geht man am besten mit Kopfschmerz-Attacken um