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The Social Pulse: Was steckt hinter dem "Uncanny Valley"-Trend?

Internetnutzer schminken sich in Videos zu unheimlich anmutenden Robotern. Was hat es mit dem "Uncanny Valley"-Trend auf sich?

Spooky futuristic male cyborg.
Roboter - ein Segen oder doch eher ein Fluch für die Menschen?

Ein neuer Trend geht um im Internet. Immer mehr Nutzer sozialer Medien begeben sich – online – in ein "Uncanny Valley", in ein unheimliches Tal also. Was aber hat es mit dem Hype auf sich, bei dem sich die User so zurechtschminken, dass sie unheimlichen Wesen ähneln?

Der Begriff geht zurück auf den japanischen Roboteringenieur Masahiro Mori (Jahrgang 1927) und bezeichnet den paradoxen Effekt, dass der Mensch technische oder digitaltechnische Simulation seiner Wirklichkeit, vor allem aber seiner selbst nur bis zu einem gewissen Punkt akzeptiert.

Bis hierhin und nicht weiter

Wird dieser Punkt überschritten, das heißt, beginnt die Simulation mit der Wirklichkeit allzu sehr übereinzustimmen, nimmt die Akzeptanz ab. Sie weicht einem Gefühl des Unbehagens, und die Simulation erfährt eine Ablehnung. Mit der Grenzüberschreitung findet sich der Mensch jäh im "Tal des Unheimlichen" wieder, wo ihm angst und bange ist.

Dieser Effekt wird mit dem "Uncanny Valley"-Trend zum Ausdruck gebracht. Es werden damit die Computerisierung und die Durchdigitalisierung unserer Wirklichkeit aufs Korn genommen, die mit dem Phänomen der Erzeugung von Simulationen durch künstlich intelligente Programme einen neuen Höhepunkt erreicht haben.

Wofür steht der "Uncanny Valley"-Trend?

Konkret äußert sich der Trend dadurch, dass sich Nutzer in kurzen Clips zu Roboter schminken und sich wie solche verhalten. Präsentation und Darstellung geraten aber so überzeichnet, dass das Ergebnis eher einem Monster denn einer Maschine ähnelt.

Der Trend ist nicht nur Spielerei, er ist zugleich kritischer Kommentar digitaltechnologischer Errungenschaften und weiteren Entwicklungen. Die Nutzer drücken ihr Unbehagen aus, ihre Skepsis, ihre Ängste. Die künstlich intelligenten Roboter sind dem Menschen keine Hilfe, so könnte man ihre Videos verstehen, sie bedrohen ihn eher.

"Ich bin ein Mensch ohne Seele"

Einige Beispiele: Da ist etwa auf TikTok das Video einer Frau, die als "unheimlicher" Roboter verkleidet ist. Aber auch mit dem, was die Maschine sagt, entlarvt sie sich selbst, ihre Schöpfer und die menschliche Hybris im Allgemeinen: "Ich existiere nur dank der Intelligenz des Menschen, der mich entworfen hat." Aber der Mensch, fügt sie hinzu, habe etwas, das sie niemals besitzen werde: eine Seele.

Auch im folgenden Video wirkt die Maschine umso unmenschlicher, je beharrlicher sie versucht, menschlich zu sein. "Ich bin ein echter Mensch", sagt sie und lächelt dabei höchst "uncanny".

Und auch von diesem teuflisch dreinschauenden und grinsenden Roboter wird sich der Mensch kaum bedienen lassen wollen:

Unheimlich auch diese Melange aus Roboter, Clown und dem Superhirn aus "Mr. Robot":

"Schon unangenehm?", fragt die Macherin des Videos. Ja, das ist es. Verlassen wir also lieber – und zwar schleunigst – das "Uncanny Valley".

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