Unterschätztes Phänomen: Daran erkennst du das Fitness-Burn-out-Syndrom

Antonia Wallner
Freie Autorin

Gerade bei Stress im Job suchen viele Menschen den Ausgleich durch körperliche Anstrengung. Doch Vorsicht: Der vermeintliche Stress-Abbau kann auch zum Gegenteil führen. Statt mentaler Entspannung, folgt das sogenannte Fitness- oder Sport-Burn-out. Das sind die Anzeichen.

Wenn Sport keinen Spaß mehr macht, geht das langfristig auch auf die Psyche. (Symbolbild: Getty Images)

Sport ist gut für die Gesundheit und auch gut für die Seele. Das predigen Mediziner, Personal-Trainer und Fitness-Influencer tagein, tagaus. Doch was bei dem mentalen Glück durch Joggen und Co. oft unterschätzt wird: Es kann auch leider manchmal das Gegenteil bewirken. Sport- oder Fitness-Burn-out nennt sich das Phänomen, wenn die Bewegung dich nicht glücklicher, sondern sogar krank macht.

Fast Zweidrittel: Viele Arbeitnehmer fühlen sich gestresst

Vor allem unter Leistungssportlern ist das Krankheitsbild schon länger bekannt. So veröffentlichte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft 2013 die Studie “Dysfunktionen des Spitzensports“. Von den befragten 1154 Athleten gab die Hälfte an, sich regelmäßig ausgebrannt und kraftlos zu fühlen. Jeder dritte Spitzensportler leidet demnach unter Schlafstörungen, jeder fünfte klagt außerdem über Depressionen.

Fitness-Burn-out: Das sind die Anzeichen

Treibst du Sport, weil du willst oder weil du das Gefühl hast, dass du es musst? Gerade Arbeitnehmer, die im Job sehr ehrgeizig sind, übertragen ihre Ansprüche oft auch auf ihr Sportpensum. Der Körper wird über die Leistungsgrenze hinweg gepusht und die Regeneration oder das Aufwärmen bleiben auf der Strecke.

Kommt dann noch der private Stress dazu, den man ja eigentlich wegtrainieren will, streikt der Organismus irgendwann. Klar, regelmäßig Sport in den Alltag zu integrieren, das ist eine Herausforderung. Aber wenn der Sport statt Spaß zu machen zur manischen Pflichterfüllung mutiert, läuft etwas grundsätzlich falsch. Experten sprechen auch von “Übertrainingssyndrom (OTS)“.

Symptome wie chronische Erschöpfung, starke Muskelschmerzen und Schlafstörungen sind die Alarmsignale. Betroffene fühlen sich ständig müde und sind antriebslos, manche klagen über Depressionen. Unter Umständen drohen sogar Herzrhythmusstörungen. Spätestens dann sollten Betroffene so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.

Betroffene sollten ihr Pensum reduzieren - oder den Sport für längere Zeit an den Nagel hängen. (Bild: Getty Images)

Wie vermeidest du ein Fitness-Burn-out?

Die wichtigste Regel: Kenne deinen Körper und überschätze dich nicht! Fang klein an und steigere dich langsam. Im Schnitt braucht der Körper zwei bis vier Tage, bis er sich vom Training erholt hat und wieder leistungsfähig ist. Halte diese Ruhepausen unbedingt ein. Wenn auch nach der Regeneration die Motivation fehlt, kannst du das Training variieren – oder aber dich in einem ganz neuen Sport versuchen.

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Such dir eine Sportart, die dir wirklich Spaß macht und beginne etwa nicht mit dem Laufen, weil dein Partner Joggen liebt oder die beste Freundin auf ihr Schwimmtraining schwört. Steck deine Ziele nicht zu hoch. Und last but not least: Du selbst solltest die treibende Kraft hinter deinen Ansprüchen sein - und nicht etwa dein Umfeld.

Wo finden Betroffene Hilfe?

Oftmals sind Sportler von der Diagnose eines Übertrainingssyndroms überrascht. Sie suchen meistens einen Arzt auf, weil sie hinter den Symptomen eine ernsthafte Erkrankung vermuten. Die einzig wirksame Therapie ist die Ausschaltung der Ursachen - als die Reduzierung der Trainingsintensitäten und -umfänge. Auch eine längere Trainingspause kann ratsam sein. Solltest du mit Symptomen wie starken Erschöpfungserscheinungen, Schlafstörungen oder gar Herzrhythmusstörungen betroffen sein, suche deinen Hausarzt auf, der nötige Schritte mit dir besprechen wird.