Verharmlosung häuslicher Gewalt: Horoskop in Frauenzeitschrift erntet Shitstorm

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

Ob man an Horoskope glaubt oder nicht: Hin und wieder einen Blick reinzuwerfen ist für die meisten ein amüsanter Zeitvertreib. Ganz und gar nicht zum Lachen ist allerdings das Jahreshoroskop der Frauenzeitschrift “tina”, das stattdessen für blankes Entsetzen sorgte.

Viele Deutsche halten immer noch viele Stücke auf Astrologie - manchmal gibt es dabei eine unschöne Überraschung (Symbolbild: Getty Images)

Wer an Astrologie glaubt und hierfür das Horoskop der Zeitschrift “tina” zu Rate zieht, erlebte im September eine unschöne Überraschung. Denn darin wird nicht nur scheinbar vorhergesagt, dass der Partner gewalttätig werden wird - es wird auch noch erschreckend ungerührt mit dem Thema umgegangen.

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Die Twitter-Userin Guillotines postete einen Screenshot der entsprechenden Stelle im Horoskop.

“Ihr Partner wird Sie diesen Monat nicht mit Samthandschuhen anfassen”, prophezeit die Zeitschrift zum Thema Beziehung. “Blaue Flecken und Prellungen” seien zu erwarten. Weiter geht es mit: “Aber vielleicht musste das auch mal sein, denn nach dem großen Knall scheint sich alles wieder einzurenken. Sie fangen gemeinsam neu an, schließen nun endlich Frieden.”

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Entsetzte Reaktionen, kleinlaute Entschuldigung

Für den lieben Frieden braucht es also nichts weiter als “blaue Flecken” und “Prellungen”? Metapher hin oder her - bei den Twitter-Usern herrscht Fassungslosigkeit, wie eine solche Formulierung im Druck landen konnte. Denn in den Augen vieler wird hier häusliche Gewalt nicht nur in einem unangebrachten Kontext thematisiert, sondern als zweckdienliche Streitmethode geradezu verherrlicht.


Einige User fordern sogar, den Presserat einzuschalten. Es finden sich jedoch auch Stimmen in den Kommentaren, die den Text für falsch verstanden und die Reaktionen für übertrieben halten.

Eine Userin kündigte an, die Verlagsgruppe Bauer Media Group Deutschland um Stellungnahme zu bitten, und die reagierte prompt mit einer Entschuldigung für den “fundamentalen Formulierungsfehler”:

Für viele Twitter-User sind allein damit die Wogen nicht geglättet - es läge schließlich nicht allein an der Formulierung, sondern konkret am Inhalt. Man darf jedoch davon ausgehen, dass die Redaktion der “tina” nach diesem PR-Fauxpas ein ganz besonders waches Auge auf die Texte der Horoskope werfen wird.