Wollen wir das wirklich wissen? Diese Minitiere bevölkern unser Gesicht

·Freie Autorin

Sie sind unbemerkte Untermieter, die in unserem Gesicht leben: winzig kleine Milben, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Nachts schlüpfen sie aus unseren Poren – auf der Suche nach einem kompatiblen Partner, mit dem sie Sex haben können. Wenn du nun ins Bad rennen möchtest, um dein Gesicht zu schrubben und die Milben abzuwaschen: Dafür gibt es keinen Grund, denn die Minitierchen erfüllen einen ganz bestimmten Zweck.

Überall in unserem Gesicht leben winzige kleine Tierchen (Symbolbild: Getty Images)
Überall in unserem Gesicht leben winzige kleine Tierchen (Symbolbild: Getty Images)

Neun von zehn Menschen haben sie: Mikro-Milben, die sich in unseren Poren eingenistet haben. Sie werden nach der Geburt beim Stillen übertragen und fühlen sich in unseren Gesichtern, Augenbrauen und Wimpern so wohl, dass sie auch dort bleiben. Wer allein beim Gedanken an Tierchen im Gesicht ins Bad rennt und zum Reinigungsschaum greift, kann das gerne tun, bewirken wird das jedoch nichts. Die Milben leben so tief in den Poren, dass ihnen Wasser und Seife nichts anhaben können. Und außerdem brauchen wir sie, sagt Dr. Alejandra Perotti von der University of Reading: "Wir sollten sie lieben, weil sie die einzigen Tiere sind, die unser ganzes Leben lang auf unseren Körpern leben. Wir sollten sie schätzen, weil sie unsere Poren reinigen."

"Außerdem sind sie niedlich", sagt Dr. Perotti. Mit dieser Aussage wären vermutlich nicht alle einverstanden. Die Milben haben vier Stummelbeinpaare mit jeweils zwei Krallen. Darüber hinaus einen langen, wurmförmigen Körper, der unter dem Mikroskop manchmal aus unseren Haarfollikeln herausragt.

Zwei Milbenarten leben in unserem Gesicht

Mindestens zwei Milbenarten sind in unseren Follikeln zu Hause, beide gehören der Gattung Demodex an und sind etwa 0,3 Milimeter groß. Bei der Demodex brevis handelt es sich um die kürzere und rundlichere Art. Diese verkriecht sich gerne in unseren Talgdrüsen. Die längere, dünnere Milbenart ist Demodex folliculorum, die sich in unseren Haarfollikeln nahe der Hautoberfläche tummelt.

In der neusten Studie, die in der Zeitschrift Molecular Biology and Evolution veröffentlicht wurde, fanden die Forscher*innen nun heraus, dass die Beziehung der Milben zum Menschen derart innig geworden ist, dass die Tierchen vom Aussterben bedroht sind. Die Forscher*innen analysierten das Genom der Milben und stellten fest, dass es die geringste Anzahl an funktionellen Genen aller Arthropoden (Insekten, Spinnentiere und Krebstiere) aufweist. Die Tiere sind also so abhängig von ihrem menschlichen Wirt geworden, dass ihr Genom "aushöhlt“. Das bedeutet, dass es auf das absolute Minimum an Genen reduziert wird, die zum Überleben benötigt werden, so die Forscher*innen.

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Sie fanden heraus, dass das Gen, das normalerweise das Wachen und Schlafen bei Arthropoden reguliert, verloren gegangen ist. Stattdessen erkennt der Organismus Veränderungen im Spiegel des Hormons Melatonin in unseren Hautsekreten. Dieser erhöht sich, wenn wir schlafen gehen und sagt den Milben, dass es Zeit ist, aufzustehen, er fährt erneut herunter, wenn wir aufwachen, ein Zeichen, zurück in unseren öligen Poren zu verschwinden. Sie haben auch das Gen verloren, das ihren Körper vor UV-Licht schützt. Was bringt es also, wenn sie nur nachts herauskommen?

Milben paaren sich nachts

Tatsächlich gibt es einen Grund, warum sie gerade nachts besonders aktiv sind. "In der Nacht, während wir im Tiefschlaf sind, besuchen sie die Poren, um Sex zu haben und Babys zu bekommen“, sagt Dr. Perotti. Oh wow, ehrlicherweise hätte es uns besser gefallen, wenn wir diese Tatsache nie erfahren hätten.

Der Körperbau der Milben ist minimalistisch – jedes Bein wird von nur einer einzigen Muskelzelle angetrieben. Ihre Ökologie ist so eng mit den Menschen verbunden, dass sich ihre Art, auf dem besten Weg von einem Parasiten zu einem Symbionten befindet, einem Organismus, der für sein Überleben vollständig von einem anderen abhängig ist. Im Fall der Milben sind das die Menschen. Da ihre genetische Vielfalt schrumpft und damit ihre Fähigkeit, ihren Wirt zu verlassen und neue Partner zu finden, besteht auch die Gefahr, dass sie schließlich aussterben – entweder durch den Menschen oder als Folge einer signifikanten Veränderung ihrer Umwelt.

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Früher ging man davon aus, dass die Milben eine Ursache für häufige Hauterkrankungen seien, aber bei gesunden Menschen helfen Demodex tatsächlich dabei, Probleme wie Akne zu verhindern, indem sie die Poren freigeben. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum wir uns um sie kümmern sollten, sagt Dr. Perotti: "Wir leben in einer Welt, in der wir die Biodiversität schützen sollten – und diese Tiere gehören uns alleine.“

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