Werbung

Brauchen Menschen im Winter mehr Schlaf?

Eine Schlafstudie legt nahe, dass Menschen im Winter mehr Schlaf brauchen als im Sommer. Weil darauf aber kaum jemand Rücksicht nimmt, fühlen sich viele im Frühjahr erschöpft.

Guter Schlaf ist wichtig für die Gesundheit
Guter Schlaf ist wichtig für die Gesundheit. Eine Studie hat deshalb untersucht, welche Gründe es für Schlaflosigkeit gibt. Foto: Symbolbild / gettyimages

Vielen fällt es in den Wintermonaten ungleich schwerer, sich morgens aus dem Bett zu schälen. Wie eine Studie jetzt nahelegt, könnte das einen guten Grund haben: Im Winter brauchen Menschen offenbar mehr Schlaf.

Schlafstörungen in Großstädten stark verbreitet

188 Proband*innen mit Schlafproblemen wurden 2019 ein Jahr lang für eine wissenschaftliche Studie begleitet. Jeden Monat verbrachte ein Teil von ihnen drei Tage lang in einem Schlaflabor in Berlin. Im Januar waren es beispielsweise 20 Proband*innen, im Februar 13. Sie einte, dass sie alle unter unterschiedlichen Erkrankungen litten, die Schlaf negativ beeinflussen. Beispielsweise an Depression oder dem Restless-Legs-Syndrom.

Ein Team aus Forschenden der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin des Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin wollte mit der Untersuchung herausfinden, welche Behandlung Schlafstörungen lindern könnten. Denn: 20 bis 30 Prozent aller Personen in Großstädten leiden an Schlafstörungen.

Grünes Pulver: Wie schmeckt das virale TikTok-Getränk?

Die Proband*innen haben aus folgendem Grund drei Nächte im Schlaflabor zugebracht: In der ersten sollten sie sich an die Umgebung und Verkabelung gewöhnen. In der zweiten Nacht erfolgte die Überwachung und Analyse des Schlafs. Vor der dritten Nacht wurde eine neue Behandlung durchgeführt oder ein neues Medikament verabreicht, um zu prüfen, ob sich die Schlafdaten dadurch verbessern.

Schlaf verändert sich mit Jahreszeiten

Bei Auswertung der Daten der zweiten Nächte ist den Forschenden aber noch etwas anderes aufgefallen: eine Saisonalität. Das bedeutet, dass sich offenbar der Schlafbedarf übers Jahr, mit den Jahreszeiten, ändert. Dieses „Nebenergebnis“ wurde kürzlich im Journal Frontiers in Neuroscience veröffentlicht.

Dazu sagt einer der Studienautoren, der Facharzt für Psychiatrie und Somnologe Dieter Kunz, im Interview dem ORF: „Unsere Studie zeigt, dass sich der Schlaf von Erwachsenen in Städten mit den Jahreszeiten verändert.“ Ihre Untersuchung sei die erste, die Schlafverhalten in einem natürlichen Umfeld ohne künstliches Licht, technische Temperaturregulierungen oder Geräuschkulissen erforscht habe.

Mehr Schlaf im Winter

Kunz und sein Team haben herausgefunden, dass die Traumphase des Schlafes im Winter um rund eine halbe Stunde länger andauert. Die sogenannte REM-Phase dient dabei der Verarbeitung des vergangenen Tages und ist dem Wachzustand am nächsten. Das war aber nicht alles. Die Probandinnen und Probanden der Studie schliefen im Winter insgesamt rund eine Stunde länger als im Sommer. Im Herbst wiederum zeigten die Daten kürzere Tiefschlafphasen.

Gleichzeitig blieben die Proband*innen eigenen Aussagen zufolge aber das ganze Jahr über „unverändert leistungsfähig“ ohne ihre Schlafmenge anzupassen. Das könne laut den Forschenden ein Gefühl der Erschöpfung auslösen – vor allem trete das im Februar und März auf.

Zu wenig Schlaf führe außerdem zu Konzentrationsproblemen und einem erhöhten Infektionsrisiko. Deshalb sagt Kunz: „Im Allgemeinen sollten Gesellschaften ihre Schlafgewohnheiten, einschließlich der Dauer und des Zeitpunkts, an die Jahreszeit anpassen oder die Schul- und Arbeitszeiten auf den saisonalen Schlafbedarf abstimmen.“

Einschränkungen der Studie

Diese Empfehlung sollte allerdings zum jetzigen Zeitpunkt mit Einschränkungen betrachtet werden. So bestanden einige Proband*innen darauf, geweckt zu werden – obwohl Wecker im Studiendesign eigentlich verboten waren. Dadurch könnten die Ergebnisse der Studie verzerrt worden sein, weil die natürliche Länge des Schlafs in einigen Fällen unterbrochen wurde.

Neue Mogelpackungen: Joghurt und Schokolade

Weiterhin handelt es sich bei der Studie um eine rückwirkende Betrachtung. Die Untersuchungen im Schlaflabor wurden ursprünglich mit einer anderen Forschungsfrage durchgeführt – es ging um die Behandlung von Schlafstörungen – die Erkenntnisse zur Saisonalität von Schlaf sind deshalb Nebenergebnisse.

Aus diesem Grund heißt es in der Studie auch: „Wenn die Ergebnisse mit gesunden Proband*innen wiederholt werden können, wären sie ein erster Hinweis auf die Notwendigkeit, Schlafgewohnheiten an die Jahreszeit anzupassen.“

Gleichzeitig schreiben die Forschenden aber auch, dass es durchaus möglich ist, dass die Saisonalität bei gesunden Proband*innen noch stärker ausgeprägt ist.

VIDEO: Das ist die optimale Uhrzeit für das Abendessen