Haaatschi! Erkältungsmythen im Check

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Ziebelwickel für schmerzende Ohren, heiße Zitrone für die Extraportion Vitamin C und am besten alles einfach rausschwitzen: Viele Tipps und Hausmittelchen gegen Erkältungen haben wir von unseren Eltern und Großeltern überliefert bekommen. Einiges hat sich als wahr und hilfreich erwiesen, anderes nicht (oder wirkt ganz anders!): 5 gängige Erkältungsmythen im Check.

Immer öfter schlagen jetzt die Erkältungen zu - doch was hilft wirklich dagegen? (Symbolbild: Getty Images)

Die Dauer einer Erkältung: Drei Tage kommt sie, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie – eine Milchmädchenrechnung?

So viel stimmt grundsätzlich: Im Schnitt dauert eine Erkältung inklusive Fieber, Schwächegefühl und Atemwegserkrankung drei bis fünf Tage. Nicht eingerechnet sind dabei die an- und abklingenden Zeiten, in denen man vom Infekt noch nicht oder nicht mehr viel mitbekommt – also könnte die 9-Tage-Regel durchaus stimmen. Allerdings sind jedes Jahr auch besonders hartnäckige Viren unterwegs, die den Husten statt einer gleich drei oder mehr Wochen bleiben lassen. Ein Besuch beim Arzt oder ärztlichen Bereitschaftsdienst nach Ablauf der neun klassischen Erkältungstage informiert über die gerade umgehenden aggressiven Viren und hilft bei der Einschätzung der Genesungszeit.

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Warmes Bier, gehackte Zwiebel, heiße Zitrone: Welche Hausmittelchen helfen?

Omas Allheilmitteln ist gemein, dass sie fast alle antibakteriell wirken – sowohl die Bitterstoffe im Hopfen als auch die ätherischen Öle in der Zwiebel. Insofern ist auch bei Erkältung gegen die Anwendung der Wickel und selbst gebrauten Getränke nichts einzuwenden. Allerdings mit Einschränkungen: So sollte das Bier beispielsweise alkoholfrei sein, denn Alkohol entzieht dem Körper Wasser und schwächt das Immunsystem. Apropos Immunsystem: Heiße Zitrone hilft bei Halsschmerzen und Schnupfen – das enthaltene Vitamin C wird jedoch im heißen Wasser großteils zerstört.

Frische Luft kann bei Erkältungen gut tun, solange man sich nicht überanstrengt - und benutzte Taschentücher gehören am besten sofort in den Müll! (Symbolbild: Getty Images)

Strikte Bettruhe bei Erkältung hilft am besten, oder?

Einfach im Bett bleiben, dann wird’s bald wieder? Wer Fieber und Gelenkschmerzen hat, schläft die Krankheit am besten so lange aus, bis er sich besser fühlt. Doch genau genommen handelt es sich beim Bettruhe-Tipp um einen Mythos – denn wer nicht regelmäßig für die nötige Sauerstoffzufuhr in Form eines Spaziergangs oder auch nur eines offenen Fensters sorgt, verbaut sich die Chancen auf eine baldige Genesung. Neben der gewonnenen Frischluft sorgt ein kurzer Spaziergang auch dafür, dass der Körper nicht immer denselben Bakterien und Viren ausgesetzt ist und die schmerzenden Bronchien nicht nur dieselbe warme Heizungsluft atmen. Dabei gilt es natürlich sich warm genug anzuziehen, um den Körper nicht gleich einem neuen Erkältungsrisiko auszusetzen.

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Saunagang bei Erkältung – ein Geheimtipp oder hochgefährlich?

Rausschwitzen statt aussitzen, lautet der Tipp, den sich besonders begeisterte Saunagänger gerne zu Herzen nehmen. Doch der Saunagang, der das Immunsystem stärkt und den Kreislauf anregt, ist nur hilfreich, solange der Körper noch keinen Infekt hat. Ist die Erkältung schon im Kommen, bewirkt ein Saunagang das Gegenteil: In der heißen Luft vermehren sich die Keime, das Herz-Kreislauf-System wird doppelt belastet. Wer sich krank fühlt, sollte Saunen und anderen heiß-feuchten Orten definitiv fernbleiben.

Vorsicht, ansteckend! Doch was ist schlimmer: Küssen oder ein benutztes Taschentuch?

Die Ansteckungsgefahr durchs Küssen sei gering, heißt es in zahlreichen Erkältungsratgebern – weil der Speichel die Erreger in den Magen transportiert, wo sie durch Magensäure zersetzt werden. Anders sieht es aus, wenn der Erkrankte seinem Partner ins Gesicht hustet oder niest oder mit ungewaschenen Händen das Gesicht streichelt: Die Krankheitserreger gelangen so schnell und in großen Mengen auf die Haut, von wo aus sie sich schnell weitergeben lassen. Apropos “weitergeben“: Der Viren- und Erregertransport klappt auch durch das Benutzen fremder Taschentücher hervorragend. Der Erkältete sollte seine benutzten Taschentücher am besten sofort entsorgen, damit keine Verwechslungsgefahr besteht und sich ein fremder Körper am Virus ansteckt. Sich am eigenen, gerade verwendeten Taschentuch erneut anzustecken, ist allerdings unwahrscheinlich: Der Körper ist gegen das Virus, das die eigene Erkältung ausgelöst hat, zumindest für eine Weile immun.

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