Heruntergefallenes Essen: Stimmt die 5-Sekunden-Regel wirklich?

·Freie Autorin
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Jahrhunderte alt soll die 5-Sekunden-Regel sein, und sie hält sich hartnäckig: Lebensmittel, die auf den Boden gefallen sind, sind noch essbar, solange sie dort nicht länger als besagte fünf Sekunden verbracht haben. Doch stimmt das wirklich?

Eiscreme auf dem Boden (Symbolbild: Getty Images)
Kann man das noch essen? Innerhalb von fünf Sekunden angeblich schon - doch ist an dieser alten Regel wirklich was dran? (Symbolbild: Getty Images)

Jedem fällt mal eine Scheibe Brot oder ein Stück Schokolade auf den Boden. Viele fangen in diesem Moment an zu zählen - denn die 5-Sekunden-Regel besagt ja schließlich, dass man innerhalb dieser Zeitspanne Lebensmittel, die mit dem Boden in Kontakt gekommen sind, noch essen kann. So lange, so die Theorie, brauchen Bakterien also, um unser Essen zu kontaminieren. 

Angeblich soll die Regel bereits aus dem 13. Jahrhundert stammen: Genghis Khan soll erlassen haben, dass auf den Boden gefallene Lebensmittel so lange verzehrbar seien, wie er es für richtig erklärte, wie Paul Dawson, Professor für Ernährungswissenschaften an der Clemson University, der "Huffington Post" erklärte - nach heutiger Überlieferung also offenbar fünf Sekunden. Was ist nun dran an dieser jahrhundertealten Weisheit?

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Zu Genghis Khans Zeiten war die Wissenschaft freilich noch nicht so weit wie heute. Wenig überraschend verrät uns diese, dass sich die Antwort nach der Frage, was man vom Boden essen kann, so pauschal nicht beantworten lässt. 

Teppichboden überträgt Bakterien am langsamsten

Studien zufolge hängt es ganz von der Beschaffenheit des Untergrunds und des Lebensmittels selbst ab, wie lange es bakterienfrei auf dem Boden verbringen kann.

Dawson testete die Theorie 2006 an Brot und Fleischwurst und ließ diese auf dreierlei mit Salmonellen kontaminierte Böden fallen: Teppich, Parkett und Fliesen. Die Ergebnisse veröffentlichte er im Fachmagazin "Journal of Applied Microbiology". 

Ein Bonbon auf dem Boden (Bild: Getty Images)
Auf Teppichboden verkriechen sich Bakterien in die Tiefe - er gibt sie also langsamer ab (Bild: Getty Images)

Dawson stellte fest, dass sich Bakterien auf Teppichboden zwar am längsten halten würden, sie sich dort allerdings vor allem in den tieferen Bereichen des Materials aufhalten würden. Glatte Oberflächen wie Holz oder Kacheln würden die Bakterien also unmittelbarer an Lebensmittel weitergeben. 

Ganz sauber ist das Essen vom Boden nie - auch nicht innerhalb von fünf Sekunden

Eine weitere Studie von Ernährungswissenschaftler Don Schaffner von der Rutgers University, die 2016 im "Applied and Environmental Microbiology Journal" veröffentlicht wurde, stellte zudem fest, dass feuchte Lebensmittel Bakterien schneller an sich binden als trockene.

Schaffner und sein Co-Autor hatten Wassermelone, Brot, Butterbrot und Gummibärchen auf kontaminiertes Holz, Metall, Fliesen und Teppichboden fallen lassen und dort für unterschiedliche Zeitspannen liegen lassen - von einer bis 300 Sekunden. Wassermelone war bei jeder Dauer mit den meisten Bakterien besiedelt. 

Studie: Warum Brot essen wichtig ist

Doch obwohl es stimmt, dass sich mehr und mehr Bakterien auf dem Essen breitmachen, je länger es auf jeglichen Untergründen verbringt, stellte die Studie eines fest: Bakterien haften sich stets sofort an herabgefallene Lebensmittel - und das lange vor Ablauf der sagenumwobenen fünf Sekunden. 

"Unsere Studie stellte fest, dass es bei jedem Versuch - egal auf welchem Boden, mit welchem Lebensmittel oder nach welchem Zeitraum - eine gewisse Übertragung von Bakterien gab", sagte Schaffner. "Es gibt keine sichere Zeitspanne, innerhalb derer wir keine bakterielle Übertragung sahen."

Fazit: Die 5-Sekunden-Regel stimmt nicht

An der Sache mit den fünf Sekunden ist also wenig dran - zumindest nicht, wenn es um vollkommen reines Essen geht. Ob und nach welchem Zeitraum man heruntergefallene Lebensmittel noch essen will, bleibt jedoch weiterhin jedem selbst überlassen. Wie Schaffner der "Huffington Post" sagte: "Ich schreibe niemandem vor, was er zu tun oder zu lassen hat. Ich gebe nur weiter, was die Wissenschaft vorgibt." 

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