Nach unschöner Begegnung: Paralympic-Schwimmerin teilt wichtige Botschaft

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Schwimmerin Jessica Long meistert ihr Leben auch ohne Beine und hat es zur erfolgreichen Paralympics-Sportlerin geschafft. Eine Aussage von anderen Menschen begegnet ihr im Alltag jedoch immer wieder. Nach der jüngsten unschönen Begegnung dieser Art teilt sie nun eine wichtige Botschaft.

NEW YORK, NY - OCTOBER 19:  Paralympic Swimmer Jessica Long attends the 37th Annual Salute To Women In Sports Gala at Cipriani Wall Street on October 19, 2016 in New York City.  (Photo by Theo Wargo/Getty Images for Women's Sports Foundation )
Schon als Kleinkind wurden Jessica Long beide Beine amputiert, was sie nicht an einer erfolgreichen Sportlerkarriere hinderte. Bestimmte Dinge im Alltag bereiten ihr dennoch Schwierigkeiten - dazu gehören auch unerwünschte Aussagen (Symbolbild: Theo Wargo/Getty Images for Women's Sports Foundation )

“Es ist schon wieder passiert”, beginnt Jessica Long ihr TikTok-Video. Was sie damit meint: Jemand hat sie dafür beschimpft, dass sie ihr Auto auf einem Behindertenparkplatz abstellt. Dabei hat die Paralympic-Sportlerin keine Beine und ist auf ihren Parkausweis angewiesen.

Eine Frau habe ihr einen “angewiderten Blick” zugeworfen und ihr gesagt, dass sie den Behindertenparkplatz nicht nutzen dürfe. Dass Long einen gültigen Parkausweis hatte schien der Dame ebenso egal zu sein wie deren Aussage, dass ihr beide Beine amputiert worden waren.

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“Und ja: Ich bin jung, ich bin sportlich, aber mir fehlen auch die Beine. Und ich weiß, dass ich es leicht aussehen lasse, aber es ist trotzdem schwierig. Meine Beine sind schwer, sie tun mir weh, ich habe Schmerzen.”

Ihre Botschaft: “Seid einfach nett!”

Als Kind sei sie nie gemobbt worden, wie Jessica Long fortfährt. “Und ich hätte nie gedacht, dass es mir als Erwachsene passieren würde, nur weil Behindertenparkplätze nutze.”

Ihre Botschaft an die “Behinderten-Polizei”, wie Long sie nennt: “Seid einfach nett zueinander. Ihr müsst nicht wissen, warum jemand den Parkplatz benutzt. Seid einfach nett.”

Gehen mit Prothesen bereitet immer Schwierigkeiten

Auf TikTok erhält sie nun viel Zuspruch, unter anderem in Form von 790.000 Likes. Aussagen wie die der Frau seien jedoch kein Einzelfall, wie die 13-fache Goldmedaillen-Gewinnerin in ihrem Video erklärt, und auch ein Blick in ihre früheren Social-Media-Posts beweist das. Denn schon im September vergangenen Jahres berichtete sie in einem Instagram-Post von einem ähnlichen Vorfall, der ihr “zwei bis viermal pro Woche” passiere.

Wie wichtig der Parkausweis trotz ihrer Sportler-Karriere für sie sei, erklärte sie in dem Post: Im Sommer würden ihre Beine unter den dicken Silikonsocken, die vor Reibung an den Prothesen schützen, sehr schwitzig. Im Winter sei Eis eine Gefahr - wenn sie hinfällt, könne sie ohne Hilfe nicht aufstehen. “Und von Regen will ich gar nicht erst anfangen”, fügte sie hinzu. “Je weniger ich gehen muss, desto besser. Amputierte haben jeden Tag nur eine bestimmte Anzahl an Schritten, bevor wir müde werden.”

Ihre Botschaft lautete schon damals: “Man weiß nie, was jemand durchmacht. Aber Freundlichkeit gewinnt immer.”

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Schon mit 18 Monaten wurden Jessica Long aufgrund des angeborenen Defekts Fibulare Hemimelie beide Beine amputiert. Sie lernte von klein auf das Gehen mit Prothesen, interessierte sich frühzeitig für Sport und startete schließlich als Schwimmerin durch. Derzeit trainiert sie für die Paralympischen Spiele 2021. Ihren vielen Medaillen könnte sie dort noch weitere hinzufügen - ob das was an den stetigen Rechtfertigungen auf dem Parkplatz ändert, bleibt abzuwarten.

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