Regionales Superfood: Warum in die Ferne schweifen...

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

... wenn man sich auch mit heimisch wachsendem Obst und Gemüse ausgewogen und reichhaltig ernähren kann? Diese regionalen Lebensmittel geben der Gesundheit den Superfood-Kick.

Wer sich gesund ernähren will, muss nicht auf importierte Ware zurückgreifen. Auch heimische Gewächse stecken voller Vitamine und Mineralstoffe (Bild: Getty Images)

Chia-Samen, Granatäpfel, Matcha- und Moringapulver und natürlich Gojibeeren: Jedem, der sich besonders gesund und ausgewogen ernähren will, sind diese Superfoods ein Begriff. Leider wachsen sie bei uns entweder gar nicht oder nicht so gut wie in ihren Heimatregionen am anderen Ende der Welt. Schade, dass heimische Obst- und Gemüsesorten mit den Superkräften der Superfoods nicht mithalten können. Können sie nicht? Können sie doch! Diese zehn regionalen Obstsorten und Gemüsen haben ähnlich effiziente Wirkstoffe – und können im Herbst auch hier in der Umgebung geerntet werden.

Mangold – statt rohem Kakao

Dank der warmen Witterung liegt heimischer Mangold auch den gesamten Herbst über in unseren Läden aus und ist dank seines hohen Magnesium-Gehalts ein echter Superlieferant in Sachen Vitalstoffe. Experten handeln die Unterart der Rübe in Sachen Nährstoffgehalt als Ersatz für rohen Kakao. Zudem steckt im Mangold viel Eisen, Kalium und Kalzium. Achtung: Da Mangold auch große Mengen an Nitrat und Oxalsäuren enthält, sollten Menschen mit Nierensteinen das Gemüse nur in Maßen genießen.

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Brokkoli – statt Granatapfel

Bis Ende Oktober kann der Sprossenkohl geerntet werden, die Zubereitungsarten von Suppe über Salat bis Ofenbrokkoli sind vielseitig. In Sachen Inhaltsstoffe ist Brokkoli ein echter lokaler Superstar: Phosphor, Eisen, Zink, Natrium und sämtliche Vitamine wie B1, B2, B6 und viele mehr sind im Kohl enthalten. Mit seinem hohen Kaliumgehalt kann er es locker mit dem Granatapfel aufnehmen und sich dabei die weite Anreise aus dem Nahen Osten oder Mittelmeerraum sparen.

Kresse – statt Granatapfel

Kresse liefert bis zu 600 Milligramm Kalium je 100 Gramm des frischen Grüns – das sind doppelt so viel wie der Granatapfel enthält, der vor allem im Nahen Osten und Spanien, Marokko und Anatolien kultiviert wird. Zubereitet mit gekochtem Ei als Salat, mit Frischkäse auf warmem Brot oder als Pesto ist besonders die heimische Gartenkresse ein Gedicht!

Moringa-Pulver, das bei Biomarkt-Kunden sehr beliebt ist, hat meist einen weiten Weg hinter sich - dabei gibt es gute Alternativen (Bild: Getty Images)

Kürbis – statt Moringa und Matcha

Jetzt wird’s doppelt super, denn Kürbisse und vor allem deren Kerne sollen Experten zufolge sogar mit den Pulvern der internationalen Superfoods Moringa und Matcha konkurrieren! Vitamin E und Antioxidantien stehen auf der Liste der besonders hochwertigen Inhaltsstoffe, derzufolge der Kürbis es durchaus mit den Blättern des nährstoffreichen Moringabaums aus Indien und Afrika und den Matcha-Teesträuchern in Japan und China aufnehmen kann. Zudem wächst er in Form von Butternuss, Hokkaido und anderen Sorten in vielen Gärten und landwirtschaftlichen Flächen. In diesem Fall muss man wirklich nicht in die Ferne schweifen!

Walnüsse - statt Moringa

Auch Walnüsse gehören in die Kategorie der regionalen Superfoods. Mineralien, Vitamine, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren stecken in den Nüssen, die oft ganz unentdeckt an vielen Bäumen in Parks und Gärten wachsen. Die Suche nach Moringapulver aus dem Bioladen, das unter anderem für seinen Zinkgehalt berühmt ist, kann man sich als Nussliebhaber sparen und sich als Ersatz ein paar Handvoll Walnüsse, aber auch Paranüsse oder Sonnenblumenkerne schmecken lassen.

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Kohl – statt Schisandra

Schon mal was von Schisandra gehört? Wer die berühmte Beere aus der Chinesischen Medizin kaufen will, kann sich entweder durch zahlreiche Onlineshops klicken – oder für einen vergleichbaren Gesundheits-Boost einfach zum heimischen Kohlkopf greifen. Denn auch Grünkohl und andere Kohlsorten beinhalten die in Schisandra enthaltenen Flavonoide und Vitamin B6. Als Suppe oder schonend gegart zubereitet wird so aus der langweiligen Kohl-Diät ein echtes Superfood-Festival.

Esskastanien – statt Gojibeere

Hochwertiges Eiweiß ist auch in Pflanzen enthalten. In der Gojibeere etwa, die besonders in Asien und Nordafrika angebaut wird, oder aber in simplen Esskastanien, die hierzulande in Weinanbaugebieten, aber auch im Schwarzwald, Odenwald und Taunus wachsen. Weitere Benefits der Maroni: Sie enthalten weniger Fett als Nüsse, Spurenelemente, Mineralstoffe und viele wichtigen Vitamine.

Ob als Saft, Tee oder Brotaufstrich: Sanddorn ist vielseitig anwendbar, sehr gesund und vor allem heimisch (Bild: Getty Images)

Sanddorn - statt Gojibeere

Im Herbst sieht man Sanddorn golden am Straßenrand wachsen. Frisch geerntet sind die Beeren zwar sehr sauer, doch sie gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die Vitamin B12 enthalten. Als Konfitüre oder Saft verarbeitet kann Sanddorn auf dem täglichen Speiseplan Platz finden und Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe zuführen. Wer braucht denn da noch Gojibeeren?!

Hagebutten – statt Gojibeere, Matcha und Chia

Unsere Großmütter fertigten nach mühevoller Pflückarbeit die leckerste Marmelade aus den etwas harten Beeren, in den Folgejahren fand man Hagebutten fast nur noch in Tees. Schade eigentlich, denn in Sachen Antioxidantien, Vitamin C und Zuträglichkeit für die Verdauung kann es die Beere locker mit Goji, Matcha und Chia-Samen aufnehmen. Je nach Sorte lassen sich die Hagebuttenrosensträucher zwischen September und November ernten.

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Äpfel – statt Schisandra, Chia und rohem Kakao

Ein Biss in einen frischen Apfel ersetzt den Kauf von rohem Kakao und Schisandra-Beeren (durch die enthaltenen Flavonoide) sowie Chia (Antioxidantien). Außerdem trägt das im rohen Apfel enthaltene Pektin zur Linderung bei Durchfallerkrankungen bei, dient der Entschlackung und unterstützt das Bindegewebe. Natürlich ist auch hier die Menge maßgeblich für den gesunden Effekt: Experten raten dazu, nicht mehr als drei mittelgroße Äpfel pro Tag (als einziges Obst) zu sich zu nehmen.

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