So viele bedenkliche Inhaltsstoffe stecken in Plastik

·Freie Journalistin
·Lesedauer: 2 Min.

Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich haben in einer Studie untersucht, wie viele verschiedene Chemikalien in Produkten aus Kunststoff zur Verwendung kommen und wie gefährlich diese sind. Das Ergebnis ist ziemlich beunruhigend.

Recycle concept Separate Plastic Garbage waste collection bottles and containers
Bei der Diskussion um Plastik steht die Umwelt meist im Vordergrund, doch auch für die Gesundheit sind derartige Verpackungen schlecht. (Bild: Getty Images)

Das Plastikproblem der Erde ist längst bekannt, und jedes Jahr werden dennoch weltweit ganze 350 Millionen Tonnen neuer Kunststoffe hergestellt. Je nachdem, wofür der Kunststoff gebraucht wird, werden ihm unterschiedliche Zusatzstoffe wie Weichmacher, Lösungs- oder Flammschutzmittel beigemengt. Wie viele es davon gibt, wie schädlich sie sind und welche Auswirkungen sie auf Mensch und Natur haben, ist teilweise bis heute nicht bekannt.

Jede vierte Chemikalie ist "besorgniserregend"

Stefanie Hellweg, Professorin für Ökologisches Systemdesign an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), hat zusammen mit einem Team versucht, Licht ins große Plastikdunkel zu bringen. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin "Environmental Science & Technology" veröffentlicht wurden, haben in ihrem Ausmaß selbst die Forschenden überrascht. 

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Rund 10.500 verschiedene Chemikalien fanden die Wissenschaftler in verschiedensten Kunststoffprodukten. Darunter knapp 2.500 in Verpackungen und in Textilien, 2109 in Produkten mit Lebensmittelkontakt, 522 in Spielzeug und 247 in medizinischen Gegenständen inklusive Mund-Nasen-Schutzmasken. Jede vierte Substanz wurde von den Forschern als "potenziell besorgniserregend" eingestuft.

Giftig, nicht abbaubar, eine Gefahr für die Gesundheit

Was genau man sich darunter vorstellen muss, erklärte die Doktorandin Helene Wiesinger so: "Das bedeutet, dass knapp ein Viertel aller Chemikalien in Plastik entweder nicht abbaubar sind, sich in Organismen anreichern oder toxisch sind. Häufig sind diese Stoffe für Wasserlebewesen giftig, verursachen Krebs oder schädigen bestimmte Zielorgane." Rund die Hälfte dieser Chemikalien würden im großen Stil in Europa oder den USA produziert.

Ein weiteres Problem: Von mehr als 50% der Chemikalien ist entweder nicht einmal die genaue Zusammensetzung bekannt oder es fehlen Kontrollmechanismen.

Verbraucher können nicht einschätzen, was gefährlich ist und was nicht

Dagegen gäbe es allein in der EU, den USA und Japan 900 Substanzen, die in Kunststoffen mit Lebensmittelkontakt eingesetzt und zugelassen seien, von den Wissenschaftlern aber als gefährlich eingestuft wurden. Diese könnten für Menschen gesundheitsschädlich sein, die Ökosysteme belasten, Probleme beim Recycling machen und sich auch negativ auf die Qualität der Produkte auswirken. 

Verpackungen und Umwelt: Die besten und die schlechtesten

Da bislang viele Risikostoffe in keinem zentralen Register gelistet würden und auch Informationen zu ihrer Anwendung fehlten, sei für Verbraucher auch nicht erkenntlich, welche Artikel aus Kunststoff sicher seien und welche nicht. Die Lösung wäre ein transparentes und unabhängiges globales Chemikalienmanagement, das alle Risikostoffe erfasse.

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