Superfrauen in der ARD: Wird der deutsche Film weiblicher?

Superfilm einer Superfrau: Maren Ades “Toni Erdmann”. (Bild: Rex Features)

Während Patty Jenkins’ “Wonder Woman” weltweit die Kinokassen klingeln ließ, sorgte Maren Ade mit “Toni Erdmann” in Cannes für Furore, wurde hinterher sogar für einen Oscar nominiert. Happy End in Hollywood und Deutschland, um die Gleichberechtigung im Film brauchen wir uns keine Sorgen mehr zu machen. Richtig? Nicht ganz. Dass es trotz dieser und ähnlicher Erfolge von Filmemacherinnen noch immer ein weiter Weg ist, zeigt die aufschlussreiche ARD-Dokumentation “Superfrauen – die weibliche Seite des deutschen Films”.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

Die Doku von Heiko Rauber rückt weibliche Filmschaffende wie Regina Ziegler, Doris Dörrie, Margarethe von Trotta und Anika Decker in den Mittelpunkt, Frauen, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben, sich durchzusetzen und erfolgreiche Filme zu realisieren. Gleichzeitig wird deutlich, dass das leider noch immer nicht die Regel im Filmbusiness ist.

An der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film beispielsweise studieren etwa gleich viele Männer und Frauen. Filmemacherin Doris Dörrie, die dort unterrichtet, erklärt aber: “Zwei, drei Jahre nach dem Abschluss findet man kaum noch Frauen. Bei den Regiestudenten sind am Ende nur noch 14 Prozent Frauen als Regisseurinnen tätig. Das muss man ändern.” Auch Anika Decker, die unter anderem das Drehbuch zu Til Schweigens Erfolgskomödie “Keinohrhasen” schrieb und sich mit Filmen wie “Traumfrauen” auch als Regisseurin etabliert hat, betont, dass übergangsweise eine Quote sinnvoll wäre: “Wir haben ja gemerkt: Seit den 80er Jahren hat sich da nicht besonders viel geändert und es ändert sich nicht von alleine.”

Systematische Benachteiligung

Ein Zusammenschluss von Regisseurinnen, der sich für gerechtere Verhältnisse durch eine Erhöhung des Frauenanteils in der Filmbranche einsetzt, ist die 2014 gegründete Initiative ProQuote Regie, die seit Anfang 2018 ProQuote Film heißt: “Wir haben keine Lust mehr auf die systematische Benachteiligung von Frauen in der Filmbranche, in allen Branchen, aber wir sprechen jetzt von unserer Branche und wir wollen, dass sich was ändert“, betonte Schauspielerin Jasmin Tabatabai Anfang des Jahres gegenüber dem Deutschlandfunk.

Dass es auch bei Kunstschaffenden bestimmter struktureller Voraussetzungen bedarf, um Arbeit und Familienleben sinnvoll vereinbaren zu können, zeigt die ARD-Doku am Beispiel von “Toni Erdmann”. Regisseurin Maren Ade, die mit Produzentin Janine Jackowski 1999 die Produktionsfirma Komplizen Film gründete, arbeitete beim Schnitt von “Toni Erdmann” bis drei Uhr nachmittags, um hinterher ihre Kinder von der Kita abholen zu können. Dasselbe galt für ihre Cutterin. “Das kostet natürlich alles mehr Geld”, erklärt Jackowski. “Aber das ist das, was uns wichtig ist und zwar nicht nur für uns, sondern für alle Teammitglieder.”

Bis die gesamte Branche das ermöglicht, was bei Komplizen Film bereits erfolgreich vorgelebt wird, ist es wohl noch ein weiter Weg. Dank der Ausstrahlung der Doku “Superfrauen” im Ersten wird die Notwendigkeit struktureller Änderungen im Film auch mal einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen geführt. Das ist wichtig. Und gut. Ein Wermutstropfen bleibt aber: Die ARD-Doku wurde am vergangenen Sonntag im Nachtprogramm “versteckt”. Die gute alte Kultur hat es eben auch bei den Öffentlich-Rechtlichen schwerer, als sie es eigentlich haben sollte.

Das Gute: “Superfrauen – die weibliche Seite des deutschen Films” steht nach wie vor in der ARD-Mediathek zur Verfügung. Anschauen lohnt sich!

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