Was tun deutsche Discounter und Supermarkt-Ketten im Kampf gegen Plastik?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Laut dem "Plastikatlas 2019“ entfallen auf einen Bundesbürger pro Jahr 38 Kilogramm Plastikmüll, wobei der Anteil an Kunststoffverpackungen zuletzt sogar weiter angestiegen ist. Gerade auch die Verpackungen von Discountern und Supermärkten tragen maßgeblich dazu bei, den Plastikberg weiter anwachsen zu lassen. Mit diesen Strategien wollen die Unternehmen gegensteuern.

Insbesondere bei Discountern und Supermärkten steigt der Anteil von Kunststoffverpackungen. (Symbolbild: Getty Images)

Lidl

Der Discounter Lidl mit seinen 3.200 Filialen in Deutschland hat 2017 Einkaufstüten aus Plastik abgeschafft. Zudem betont das Unternehmen auf seiner Website, seit Jahren “eine große Anzahl an unverpackten, losen Artikeln im Obst- und Gemüsebereich“ anzubieten. Zum Transport des Obstes gibt es bei dem Discounter Mehrweg-Netze als Alternative zu den dünnen Einweg-Knotenbeuteln, mit denen die Umwelt geschont werden soll. Zudem werden Plastik und Folien aus den Filialen sowie den Logistikzentren nach Unternehmensangaben zu 100 Prozent recycelt.

Plastiktüten vor dem Aus - Mehr als Symbolpolitik?

Bis 2025 will die Discounterkette den Plastikverbrauch bei Lidl in Deutschland um wenigstens 20 Prozent reduzieren und alle Kunststoffverpackungen der Eigenmarken sollen recyclingfähig sein. Die nachhaltigeren neuen Produktverpackungen sind an dem “verantwortlicher verpackt“-Logo erkennbar.

Entsprechend gekennzeichnete Verpackungen müssen mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen: Recyclingfähigkeit von mindestens 80 Prozent, Rezyklatanteil von mindestens 30 Prozent, Einsatz von alternativen Materialien, Einsparung von Volumen oder Gewicht des Verpackungsmaterials von mindestens 10 Prozent. Zudem soll es bis Ende 2019 keine Einwegplastikartikel wie Trinkhalme, Einweggeschirr und Wattestäbchen mehr in den Filialen geben.

Aldi

2018 hatten Aldi Nord und Süd eine gemeinsame Verpackungsmission verkündet und im Herbst 2019 eine erste Bilanz gezogen. Allein beim Plastik seien in diesem Zeitraum acht Millionen volle Gelbe Säcke eingespart worden, heißt es auf der Website der Discounter.

Erreicht wurde dieses Ziel durch mehrere Maßnahmen, zu denen unter anderem nachhaltigere Obst- und Gemüsebeutel sowie Trennhinweise auf den Verpackungen der Eigenmarken wie auch der Verzicht auf die Plastikfolien bei Salatgurken gehören. Allein die nackten Gurken reduzierten den Kunststoffverbrauch um 120 Tonnen.

Laut Aldi beträgt die Recyclingrate für in Filialen und Logistikzentren anfallendes Papier, Pappe, Kartonage und Kunststofffolien seit 2014 fast 100 Prozent. Jährlich würden 100 Tonnen an Primärkunststoff gespart, weil mit dem Ecolabel versehene Verpackungen von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln vollständig aus recycelten Kunststoffen bestünden. Ausgewählte Regionalgesellschaften sollen zudem testen, ob sich der Alu-Deckel auf Joghurtbechern langfristig durch eine Mehrwegvariante aus Silikon ersetzen lassen könnte.

Zudem haben beide Unternehmen angekündigt, das Verpackungsgewicht bis 2025 um 30 Prozent gegenüber demjenigen aus dem Jahr 2015 zu senken.

Plastiktüten gehören der Vergangenheit an: Die Rewe-Supermarktkette ist Mitglied der Recyclat-Initiative. (Bild: Getty Images)

Rewe

Auch Rewe hat Plastik-Einkaufstüten längst abgeschafft und bietet Mehrweg-Frischenetze für loses Obst und Gemüse an. Zudem ist die Supermarktkette Mitglied der Recyclat-Initiative – eine Kooperation verschiedener Partner, die sich gemeinsam für nachhaltigere Materialkreisläufe einsetzen und vor allem Wert auf die Wiederverwertung von Plastik aus dem Gelben Sack legen.

Müll-Ranking: Plastiktüten erst an 10. Stelle

Um die Menge des recycelten Plastiks zu steigern, wurde zum Beispiel ein spezielles Verfahren entwickelt, mit dem PET-Flaschen zu neuen Flaschen verarbeitet werden. Außerdem hat Rewe mit Aqua Mia Sport eine Eigenmarken-Wasserflasche auf dem Markt, die aus recyceltem Kunststoff besteht. Laut Website spart die Rewe Group jährlich 7.650 Tonnen Kunststoff dadurch ein, dass Eigenmarkenverpackungen umweltfreundlicher gestaltet werden. Während bislang 20 Prozent des wiederverwerteten Plastiks aus dem Gelben Sack stammten, soll dieser Anteil in Zukunft weiter steigen.

Edeka

Auch, wer bei Edeka Obst und Gemüse kauft, kann dieses in Mehrwegnetze packen. Damit solle der Verbrauch der dünnen Plastiktüten weiter gesenkt werden, schreibt das Unternehmen auf seiner Website, wobei in den vergangenen drei Jahren bereits 100 Millionen Knotenbeutel eingespart worden seien.

Neben unnötigen Plastikverpackungen will Edeka aber vor allem auch auf Etiketten auf Bio-Obst und -Gemüse verzichten. Stattdessen setzt die Supermarktkette auf so genanntes “Smart Branding“, bei dem Schrift und Logo mit einem Laser auf die Frucht aufgebracht werden. Auf diese Art werden laut Edeka 50 Millionen Etiketten und Folien pro Jahr eingespart, die wiederum 50 Tonnen Verpackungsmaterial entsprechen.

Außerdem möchte Edeka den ökologischen Fußabdruck bei Verpackungen reduzieren. Diese sollen effizienter gestaltet werden und würden auf ihre Recyclingfähigkeit ebenso geprüft wie auf die zertifizierte Herkunft nachwachsender Rohstoffe.

VIDEO: Tschüss Plastiktüten! Verbot soll 2020 in Kraft treten