Wundertricks gegen Hitze: Nur heiße Luft oder hilft’s wirklich?

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Ganz schön heiß zurzeit. War es überhaupt schon j-e-m-a-l-s SO WARM? Alle Sommer wieder lassen wir uns von der Hitze überraschen (als hätten wir bislang am Nordpol gewohnt) – und probieren auch immer wieder aufs Neue dieselben Wundertricks aus, die uns ja angeblich die Temperaturen besser aushalten lassen. Oder haben die eigentlich auch im vergangenen Jahr schon nicht funktioniert? Welche Hitzemythen wirklich helfen und wobei es sich – wortwörtlich – nur um heiße Luft handelt.

Was hilft wirklich gegen Hitze - kühle oder heiße Getränke? (Symbolbild: Getty Images)

Mythos 1: Heißgetränke helfen bei Hitze

So viel ist bekannt: Je kälter das Getränk, umso mehr Energie muss der Körper aufwenden, um nach dem “Kälteschock“ innerlich wieder auf eine verträgliche Temperatur aufzuheizen. Zudem wird nach einem kalten Drink der Stoffwechsel angeregt, wir schwitzen mehr. Heißt das im Umkehrschluss, dass Heißgetränke gegen Hitze helfen? Leider nicht wirklich: Besonders hitzesensible Menschen sollten heiße Getränke meiden, die den Kreislauf zusätzlich schwächen können.

Der Glaube, dass Heißgetränke bei heißem Wetter getrunken werden sollten, basierte in Tropengebieten ursprünglich wohl auf hygienischen Sorgen – wobei die Getränke weniger heiß als (viel wichtiger!) abgekocht getrunken werden sollten. Kein Mythos, sondern tatsächlich hilfreich ist der Glaube an lauwarmen Pfefferminztee, auf den zum Beispiel die Beduinen in der Wüste schwören: Das Menthol in der Minze aktiviert im Mund genau diejenigen Rezeptoren, die sonst Kälte melden. Sie reagieren auf das Menthol und sorgen für ein Erfrischungsgefühl.

Kühlen Ventilatoren wirklich oder machen sie alles nur noch schlimmer? (Symbolbild: Getty Images)

Mythos 2: Ventilatoren, Klimaanlagen oder einfach Fenster zu? Was Wohnungen wirklich kühlt

Jeder hitzegestresste Tourist aus Down Under oder den USA verzweifelt am deutschen Sommer – denn dem kann man doch sicher nur mit einer Hochleistungsklimaanlage begegnen, oder? Die gemütlichen Mittel- und Nordeuropäer können da nur den Kopf schütteln – und lüften erst mal ein paar Stunden richtig durch. Oder lassen das Fenster ganz offen, aber nur bei geschlossenem Rollo. Oder wie war das noch mal?

Ganz logisch: Wer das Fenster bei Hitze öffnet – und sei es für noch so viel Durchzug oder Stoßlüften – lässt die Hitze nach drinnen. Und da bleibt sie dann und wird noch schlimmer, wenn die Sonne ungebremst ins Fenster scheinen kann. Sonnenstrahlen, die durch ein zwei Quadratmeter großes Fenster scheinen, haben übrigens einen ähnlichen Effekt wie der Dauerbetrieb eines Tausend-Watt-Heizlüfters in warmer Umgebung.

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Wer schlau ist, lüftet frühmorgens oder spätabends durch und lässt tagsüber Rollos und Vorhänge zu, bei ebenso geschlossenem Fenster. Und wo wir schon dabei sind: Ventilatoren kühlen die Temperatur nicht herunter – sie wirken allerdings kühlend, wenn der Luftstrom auf einen schwitzenden Menschen trifft. Durch das Verdunsten des Schweißes verspürt der Mensch Kühlung – kälter wird es im Raum aber natürlich nicht.

Mythos 3: Kalte Duschen machen alles noch schlimmer

Wenn kalte Getränke den Körper eher aufheizen, kann das bei Duschen ja kaum anders sein, oder? Stimmt genau, weshalb Experten von ausgiebigen kalten Duschen abraten: Der Körper gibt durch den Kontakt mit der Kälte weniger Wärme nach außen ab und wir beginnen zu schwitzen. Wer auf den erfrischenden Abkühlungssschock nicht verzichten will, greift zu gekühlten Bodysprays, die lediglich kurz die Haut befeuchten, oder badet nur einzelne Körperteile im kalten Wasser: die Füße zum Beispiel oder die Handgelenke – das schafft Erleichterung, ohne dass der Körper gleich den Kälte-Notruf ans Gehirn schicken muss.

Vergessen Sie nicht, Ihre Haut in der Sonne zu pflegen. (Symbolbild: Getty Images)

Mythos 4: Sonnenbrand kriegt man nur in der Sonne

Oh, die böse Sonne! Wie gut, dass man selbst ja immer nur im Schatten liegt und deshalb vor Sonnenbrand gefeit ist. Blödsinn oder Expertentrick? Wissenschaftlich erwiesen ist, dass auch der “Schatten-Bader“ noch 30 bis 40 Prozent der UV-Strahlung abbekommt, da diese von Luftbestandteilen wie etwa Staubpartikeln gebrochen wird und uns von der Seite und auch unter Wasser trifft – trotz Sonnenschirm oder Wolken.

Mythos 5: Vorbräunen im Solarium schützt später vor Sonnenbrand

Billige Ausrede von allen, die noch nicht verstanden haben, dass auch vornehme Blässe etwas für sich hat: Tatsächlich ist das “vorsorgliche“ Vorbräunen im Solarium kein Garant dafür, dass man im Urlaub danach das Krebsrot-Stadium auslässt. Im besten Fall werden in Solarien nämlich nur UVA-Strahlen verwendet – Sonnenbrand und Hautkrebs werden jedoch durch UVB-Strahlen verursacht.

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Mythos 6: Ausziehen, ausziehen! Je weniger Kleidung, desto weniger schwitzt man

Ein schwitzender Körper braucht Luft – aber auch Schutz vor noch mehr Hitze. Deshalb lautet das Motto an heißen Tagen nicht “Ausziehen!“, sondern ganz kryptisch “WLDL“: Weit, locker sitzend, dünn und luftdurchlässig soll die Kleidung sein, die einen an heißen Tagen am wenigsten schwitzen lässt. Es hat schon seine Gründe, dass Wüstennomaden und Bewohner anderer Gegenden mit extremen Temperaturen auch an heißen Tagen tendenziell eher mehr Kleidung tragen als weniger.

Mythos 7: Wie praktisch - wer an heißen Tagen viel schwitzt, nimmt ab

Blödsinn – und noch schlimmer: Das Gegenteil ist der Fall! Wer an heißen Tagen viel schwitzt, verliert vorwiegend Wasser, kein Fett. Zudem verlangsamt sich bei den hohen Temperaturen der Stoffwechsel, so dass auch Kalorien langsamer verbrannt werden. Den Plan, endlich was für den Beach Body zu tun, sollte man deshalb am besten nicht erst am Strand umsetzen.

Ein Glas Wasser ist hilfreicher als Bier und Wein. (Symbolbild: Getty Images)

Mythos 8: Ein kühles Helles (oder anderer Alkohol) am Abend vertreibt die Hitze der Nacht

Schön wäre das schon, doch auch dieser Mythos ist ein Irrglaube, besonders wenn man sich zu sehr darum bemüht: Denn vielleicht hilft ein Schlückchen Alkohol als Betthupferl beim Einschlafen. Doch wer ein Schlückchen zu viel erwischt hat, fällt in der zweiten Nachthälfte vor allem in einen Traumschlaf, der wenig erholsam ist – besonders in tropischen Nächten. Auch hier lautet die Devise: Lauwarm ist besser als kalt, und Tee oder Wasser sind hilfreicher als Bier und Wein. Und wer will schon seinen Kater in der Sonne ausbaden.

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Mythos 9: Raucher haben mehr mit der Hitze zu kämpfen

Wie jetzt, die stehen mit ihren Kippen doch eh immer in den schattigsten Ecken? Kann sein, doch tatsächlich verengt Nikotin die Gefäße und der Körper kann Wärme schlechter abgeben. Wer es nicht lassen kann, verzichtet an heißen Abenden wenigstens zwei Stunden vor dem Schlafengehen auf das Rauchen.

Mythos 10: Nackt schlafen ohne alles – kühler wird’s nicht

Schlafanzug aus, Bettdecke weg – weniger ist manchmal eben mehr, richtig? Nicht wenn es um das Schlafen in heißen Nächten geht! Schwitzende Körper (vor allem wenn sie nackt sind!) erkälten sich leichter, deshalb machen ein leichtes Shirt und Shorts aus Baumwolle auch im Sommerbett Sinn.

Zudem fängt die leichte Kleidung den Schweiß auf, den der Körper in heißen Nächten in Strömen (bis zu einem halben Liter!) verliert. Was das “Darüber“ angeht: Klar kann man auf das dicke Oberbett verzichten, doch dünne Laken aus Naturfasern wie Baumwolle, Seide oder Leinen können sogar kühlend wirken – und keimtötend, was bei dem feucht-warmen Klima auch kein Fehler sein kann.

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