7 häufige Anzeichen psychischer Probleme und wie man sie überwindet

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Anmerkung der Redaktion: Psychische Erkrankungen können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

Silhoutte von Frau vor einem wolkigen, hellen Himmel
Psychische Probleme sind, anders als von vielen angenommen, keine Seltenheit. (Bild: Getty Images)

Weltweit bekommt jeder vierte Mensch irgendwann in seinem Leben psychische Probleme und benötigt Hilfe oder eine Beratung. Dr. Andrew Thompson arbeitet als Arzt bei der australischen Telemedizin-Plattform InstantScripts und berichtet, dass die Zahl der Patienten, die sich zum ersten Mal aufgrund solcher Probleme beraten lassen, noch nie so hoch war. Sie sei vor allem seit Beginn der Pandemie deutlich gestiegen.

„Für viele Menschen war es eine schwierige Zeit, aber am wichtigsten bei der Überwindung psychischer Probleme ist es, sich einzugestehen, dass man Probleme hat“, so Dr. Thompson gegenüber Yahoo Lifestyle.

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„Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man die Symptome bekämpfen kann: Sie können sich ärztlichen Rat einholen, Ihr soziales Umfeld um Hilfe bitten und bestimmte Verhaltensweisen, Methoden und Strategien zur Bewältigung anwenden.“

Dr. Thompson berät regelmäßig Patienten und Patientinnen und hilft ihnen, Strategien zu entwickeln, um psychische Symptome zu bekämpfen und ein gesünderes, erfülltes Leben zu führen. Hier erzählt er von den sieben häufigsten Symptomen und gibt Betroffenen Tipps, wie man sie überwinden kann.

Appetitlosigkeit

„Appetitlosigkeit kann ein häufiges Symptom von Angstzuständen oder Depressionen sein, die meist durch erhöhten Stress ausgelöst werden. Wenn Ihre Appetitlosigkeit länger als ein paar Tage anhält, ist es wichtig, dass Sie sich ärztlichen Rat einholen. Lassen Sie sich verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie Ihren Appetit steigern können, z. B. Gesprächstherapien, ein Bewegungsprogramm, einschließlich leichter Übungen vor den Mahlzeiten zur Appetitanregung, und ein verbesserter Schlafrhythmus. Vielleicht wird man Ihnen raten, Ihre Essenszeiten zu planen, z. B. indem Sie sich durch einen Alarm daran erinnern lassen, zu essen oder häufiger kleine und ausgewogene Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen.

Übermäßige Ängste oder Sorgen oder extreme Schuldgefühle

Um diese Gefühle zu überwinden, besteht ein erster wichtiger Schritt darin, die Ursache dafür zu ermitteln. Beispielsweise mithilfe der Erstellung einer Liste mit all den Sorgen, Ängsten oder Dingen, für die man sich schuldig fühlt. Vermeidungsverhalten kann diese Gefühle oft noch verschlimmern. Suchen Sie eine medizinische Fachkraft auf, die Ihnen hilft, Vermeidungsstrategien zu überwinden und die Ursachen hinter den Symptomen anzugehen.

Vielleicht werden Ihnen Meditationstechniken für die Achtsamkeit vorgeschlagen, um diese Gefühle zu beobachten und anzunehmen, und um ein Gefühl der Ruhe zu erzeugen. Ängste und Sorgen entstehen oft, wenn man sich auf negative Ereignisse oder Erfahrungen konzentriert. Sich auf das Positive zu fokussieren, kann eine erste Hilfe sein. Neben der Meditation fördert auch ein Spaziergang an der frischen Luft, insbesondere in der Natur, eine positive Einstellung. Einige Untersuchungen haben ergeben, dass die Verbundenheit mit der Natur Glücksgefühle auslösen, den Blutdruck senken und Stress reduzieren kann.

Müdigkeit oder Schlaflosigkeit

Diese Symptome lassen sich oft durch bessere Schlafgewohnheiten in den Griff bekommen. Dazu gehören die Einhaltung regelmäßiger Schlaf- und Aufwachzeiten, das Ziel von acht Stunden Schlaf pro Nacht, die Einschränkung der Bildschirmzeit, das Lesen eines Buches vor dem Schlafengehen oder die Einnahme von beruhigenden Kräutern oder pflanzlichen Ergänzungsmitteln. Müdigkeit oder Schlaflosigkeit können auch mit Stress zusammenhängen.

Leichte Entspannungsübungen vor dem Schlafengehen, wie z. B. Yoga, können Ihnen dabei helfen zu entspannen und herunterzukommen, sodass Sie besser auf den Schlaf vorbereitet sind. Regelmäßige Übungen im Laufe des Tages können ebenfalls dazu beitragen, den Stresspegel auf ein niedrigeres Niveau zu bringen: Der Cortisolspiegel sinkt und die Produktion von Endorphinen wird angeregt. Pathologietests zur Bestimmung des Eisen- und Vitamin-D-Spiegels, wie z. B. der InstantScripts-Test ‚Why Am I So Tired?‘ (dt. Warum bin ich so müde?), können helfen, Mangelerscheinungen zu beheben, die sich negativ auf Ihren Schlaf auswirken könnten.

Geringe Motivation und mangelnde Konzentrationsfähigkeit

Diese Symptome werden häufig mit Depressionen in Verbindung gebracht und können oft auch mit anderen Faktoren, wie z. B. der Schlafqualität, zusammenhängen. Psychische Störungen wie Depressionen können einen körperlich auslaugen, und es ist unglaublich wichtig, einen festen Schlafrhythmus einzuhalten, bei dem man sich bemüht, jede Nacht sieben bis neun Stunden zu schlafen. Motivations- und Konzentrationsmangel können auch dadurch entstehen, dass Sie einfach zu viel um die Ohren haben und sich viel zu viel vornehmen.

Wenn Sie sich stattdessen kleine, überschaubare Aufgaben und Ziele setzen, ist das für Sie realistischer zu erreichen und überfordert Sie nicht. Das Gefühl der Erfüllung, das Sie nach der Erledigung einer Aufgabe haben, kann möglicherweise auch zu einem Motivationsschub beitragen.

Gefühl der Ausgrenzung

Fehlende soziale Bindungen kommen sehr häufig vor, und auch wenn eine gewisse Zeit des Alleinseins seine Vorteile hat, kann ein Mangel an sozialen Kontakten die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Holen Sie sich ärztlichen Rat ein und fragen Sie nach Strategien, mit denen Sie sich öffnen, anderen vertrauen und Ihre Gefühle steuern können. Das kann Ihnen dabei helfen, Ihr Gefühl der Ausgrenzung zu überwinden.

Jeder braucht soziale Beziehungen für das allgemeine psychische Wohlbefinden, und es ist wichtig, ein soziales Umfeld zur Unterstützung zu haben, mit Menschen, in deren Nähe Sie sich wohl fühlen. Wenn Sie enge Beziehungen zu einigen wenigen Familienmitgliedern oder Freunden aufbauen, können Sie mit ihnen über Ihre Gefühle sprechen, positive Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen.

Die Lockdowns haben zu einer Isolation geführt, die es schwierig macht, soziale Kontakte zu pflegen. Telefon- und Videoanrufe sind nicht immer die besten Mittel, um starke Beziehungen aufzubauen. Jetzt, da sich die Welt wieder öffnet, kann sich jeder darauf konzentrieren, mit anderen wieder in Kontakt zu treten.

Unfähigkeit zur Bewältigung von Alltagsproblemen oder Stress

Problem erkannt, Problem gebannt: Nur so können Sie die notwendigen Veränderungen angehen, um Probleme und Stress zu beseitigen. Gesprächstherapien bei einer entsprechend qualifizierten Person können ein wirksames Mittel zur Bewältigung sein, um herunterzukommen und ein Gefühl der Erleichterung zu erreichen.

Eine Therapie kann Ihnen helfen, Ihre Gefühle auszudrücken, und Ihnen Strategien und Veränderungen anbieten, die Sie zur Stressbewältigung anwenden können. Es ist auch wichtig, sich im Laufe des Tages mal ganz auf sich zu besinnen: Legen Sie regelmäßig Pausen ein, seien Sie fürsorglich mit sich selbst. Manchmal hilft es, sich auszuweinen, um Spannungen abzubauen und den emotionalen Ballast loszuwerden, den Sie mit sich herumtragen. Entspannende und beruhigende Praktiken wie Yoga oder Meditation können ebenfalls bei der Regulierung von Gefühlen helfen.

Selbstmordgedanken

Nehmen Sie so bald wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch, wenn Sie Selbstverletzungs- oder Selbstmordgedanken haben. Eine Beratung kann Sie ermutigen, Ihr Unterstützungsnetzwerk zu nutzen, während telemedizinische Dienste wie InstantScripts sogar Gesprächs- oder medizinische Therapien einleiten können.

Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann ebenfalls einen Plan für Ihre psychische Gesundheit aufstellen und Sie an eine spezialisierte medizinische Fachkraft, z. B. einen Psychologen, überweisen, der Ihnen detaillierte Ratschläge und Strategien an die Hand geben kann. Zum Glück gibt es auch Dienste und Beratungsstellen, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen und immer bereit sind zu helfen.“

Anmerkung der Redaktion: Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

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