Alltagsfrage: Ist schwarze Kleidung wirklich giftiger als andere?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Die Farbe Schwarz wird als clean und elegant angesehen, kann zu vielen Anlässen getragen werden und gilt abseits von Schnitt und Stoff als schicker Schlankmacher. Dabei stand sie lange im Ruf, aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht eine ziemlich schlechte Wahl zu sein. Aber stimmt das wirklich? Yahoo Style hat eine Expertin gefragt.

Muss man sich bei schwarzen Klamotten mehr Gedanken machen als bei heller Kleidung? (Symbolbild: Getty Images)

Um ein schwarzes Textil herzustellen, braucht es zwei Schritte: Im ersten werden verschiedene Farbpartikel wie Blau, Orange und Gelb vermischt. Je mehr Partikel zum Einsatz kommen, desto dunkler und satter wird der Farbton. Damit die Farbe aber auch auf den natürlicherweise hellgrauen Baumwoll- oder alternativ Synthetikfasern hält, muss man sie chemisch behandeln und fixieren. Bei helleren Stoffen kann man auf die dicke Chemiekeule verzichten und die Farben mit Wasserdampf fixieren.

Bei Chemikalien macht nicht unbedingt die Menge das Gift

Die schiere Menge an Chemie hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu beigetragen, dass schwarze Klamotten als besonders umwelt- und gesundheitsgefährdend angesehen wurden. Mythos oder Wahrheit? Viola Wohlgemuth von Greenpeace nennt das “eine Mär“ und betont: “Man kann nicht sagen, dass eine bestimmte Farbe mehr gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe enthält als andere.“ Wo früher in der Textilproduktion viele gefährliche Azofarbstoffe verwendet wurden, auch, aber nicht nur bei schwarzer Kleidung, sei das heute nicht mehr der Fall. Zudem sei bei Chemikalien auch nicht die Menge ausschlaggebend für eine potenzielle Schädlichkeit, sondern vielmehr die Art der Chemikalie.

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“Detox my Fashion“

Wohlgemuth ist die Frau hinter der Greenpeace-Kampagne “Detox my Fashion“, die es seit 2011 gibt und in deren Verlauf bis heute 80 Firmen ein Detox-Commitment unterzeichnet haben, indem sie sich verpflichten, bis spätestens 2020 auf gefährliche Chemikalien in der Textilproduktion zu verzichten - egal ob in heller oder dunkler Kleidung.

Schwarz heißt nicht automatisch ungesund (Symbolbild: Getty Images)

Gefahren für die Gesundheit

Abgesehen davon, dass schädliche Chemikalien die Gesundheit der Arbeiter in den Produktionsländern gefährden, vor Ort die Gewässer verschmutzen und beim Waschen der Kleidung auch hierzulande ins Abwasser gelangen, können sie über die Haut und im Fall von Unterwäsche auch über die Schleimhäute in den Körper gelangen und sich dort anreichern. Manche werden als potenziell krebserregend eingestuft oder sind hormonell wirksam, andere reizen die Haut oder verbreiten sich wie die PSC-Stoffe, die besonders in Outdoorkleidung vorkommen, über die Luft.

Was kann man tun, um sich und die Umwelt zu schützen?

Um den Verbrauchern eine Orientierung zu bieten, gibt Greenpeace jedes Jahr einen Textilsiegel-Ratgeber mit den besten acht Siegeln heraus. Laut Viola Wohlgemuth sind die besten aktuell IVN Best, GOTS und Made in Green. “Wenn ich mich auf die drei verlasse, weiß ich, dass ich saubere Kleidung bekommen, die auch unter vernünftigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde.“

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Allerdings sollte man sich vor jedem Kauf überlegen, ob man wirklich ein neues Teil braucht, alternativ auf Second-Hand-Ware zurückgreift oder zum Beispiel an einer Kleidertauschbörse teilnimmt.