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Bakterien in wiederverwendbaren Flaschen – das sollte man laut Expert*innen wissen

Besser gründlich reinigen: Mehrwegflaschen bieten den idealen Nährboden für Keime und Bakterien

Wiederverwendbare Wasserflaschen sparen jede Menge Plastik ein. Oftmals wird aber vergessen, sie gründlich zu reinigen. (Foto: Getty Images)
Wiederverwendbare Wasserflaschen sparen jede Menge Plastik ein. Oftmals wird aber vergessen, sie gründlich zu reinigen. (Foto: Getty Images)

Wer Survival-Formate wie 7 vs. Wild schaut, kennt eine der grundsätzlichen Regeln des Überlebens: Ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser geht nichts! Ohne Wasser kann ein Mensch schließlich nur wenige Tage überleben. Je nach Körpergewicht und Größe sollten Menschen nach Angaben der deutschen Verbraucherzentrale etwa 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. "Bei Hitze, beim Sport oder einer anstrengenden körperlichen Arbeit kann aber das Drei- bis Vierfache notwendig sein", so die Verbraucherzentrale.

Wie gut, dass gerade das Leitungswasser in Deutschland regelmäßig kontrolliert wird und in sehr guter Qualität zur Verfügung steht. Der große Vorteil: Durch die Nutzung von Leitungswasser statt dem Kauf von Plastikflaschen mit Mineralwasser kann auch noch Plastik gespart werden. Laut dem Umweltbundesamt sind Mehrweg-Glasflaschen ökologisch vorteilhaft – denn sie können bis zu 50-mal wiederverwendet werden. Um auch unterwegs Leitungswasser trinken zu können, eignen sich wiederverwendbare Flaschen aus unterschiedlichen Materialen. Sie können mittlerweile fast überall erworben und nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern inzwischen auch an mehr als 7.000 Refill-Stationen und Trinkbrunnen deutschlandweit befüllt werden. Kein Wunder also, dass manche Exemplare auf Social Media zum Statussymbol geworden sind.

Der einzige Nachteil: Werden die Flaschen nicht oft und gründlich genug gereinigt, können sich dort Keime niederlassen. Eher ungünstig, nicht nur für das Survival-Szenario vom Anfang.

Flaschen mit Druckverschluss laut Studie am saubersten

Keime begegnen uns im Alltag ständig – und das auch in wieder verwendbaren Wasserflaschen. Denn gerade die feuchte Umgebung in der Flasche bietet einen idealen Nährboden für Bakterien und Schimmelpilze.

Die bescheidenen Erreger benötigen dabei gar nicht viel, um zu wachsen. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer signifikanten bakteriellen Belastung laut Dr. Alexander Mortensen, Hausarzt am Mayo Clinic Health System, gering – jedoch ist sie auch nicht "gleich null, vor allem wenn die Wasserflasche über eine längere Zeit nicht gereinigt wird".

Ein Forschungsteam von waterfilterguru.com mit dem Sitz in den USA hat wiederverwendbare Wasserflaschen und deren einzelne Komponenten wie Schraubdeckel oder Mundstücke in einer Studie einmal genauer unter die Lupe genommen. Dabei konnten zwei Arten von Bakterien gefunden werden: gramnegative Stäbchen und Bazillen (Bacillus). Gramnegative Bakterien können schwere Infektionen auslösen, darunter beispielsweise Lungenentzündungen (Pneumonie), Harnwegsinfekte oder Blutvergiftungen. Das Problem: Die Bakterien werden immer resistenter gegen Antibiotika.

Organismen können sich unter geeigneten Bedingungen zu einer
Organismen können sich unter geeigneten Bedingungen zu einer "koloniebildenden Einheit" (KbE) zusammentun. Einen Nährboden für Pilze könnte eine feuchte Wasserflasche bilden. (Bild: Getty Images)

Martin Loessner, Professor für Lebensmittelmikrobiologie an der ETH, beruhigt gegenüber dem Tagblatt aber: "Etwa die Hälfte aller Bakterien sind gramnegativ, und ein Großteil davon ist nicht gefährlich, sofern das Immunsystem nicht geschwächt ist."

Für die Studie wurde untersucht, wie viele "koloniebildende Einheiten (KbE)" in wieder verwendbaren Flaschen zu finden sind. Als koloniebildende Einheit bezeichnet man Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien oder Pilze, die zur Probe weit voneinander verteilt werden. Unter geeigneten Bedingungen wie Wachstum und Vermehrung bilden die Organismen jeweils eine Kolonie.

Nach der Zählung konnten in den wiederverwendbaren Wasserflaschen durchschnittlich 20,8 Millionen KbE gefunden werden. Flaschen mit Druckverschluss waren am saubersten und wiesen nur ein Zehntel dieser Menge an Bakterien auf. Zum Vergleich, wenn auch sehr plakativ: Ein Toilettensitz hat 515 KbE – in der Flasche befinden sich demnach über 40.000 mal mehr Bakterien als an einer Toilette – so die Ergebnisse der Untersuchung in USA.

Menschlicher Mund beherbergt große Anzahl verschiedener Bakterien

Der Molekularmikrobiologe Dr. Andrew Edwards vom Imperial College London gibt bezüglich der Waterfilterguru-Studie gegenüber dem Tagblatt Entwarnung. Denn der menschliche Mund beherberge von Natur aus schon eine große Anzahl verschiedener Bakterien. Dementsprechend sei es nicht überraschend, dass Trinkgefäße mit Mikroben bedeckt seien. Zudem gebe die Studie keine Auskunft darüber, dass die gefundenen Bakterientypen für den Menschen schädlich seien. Die meisten Bakterien in der Trinkflasche kommen aus unserem Mund und Speichel, aber auch Darmbakterien sind dabei. Diese machen einen aber nicht automatisch krank, weil unser Organismus sie bereits kennt.

Der Mikrobiologe Jason Tetro erklärt gegenüber Yahoo Life, dass man in der Regel nicht von Dingen krank werden kann, die bereits im Körper sind. Sprich: Hat man bereits eine Grippe, kann einem der mit Grippe verseuchte Sitznachbar im Wartezimmer des Hausarztes nichts mehr anhaben.

Der menschliche Mund beherbergt laut dem Experten von Natur aus eine große Anzahl verschiedener Bakterien. (Foto: Getty Images)
Der menschliche Mund beherbergt laut dem Experten von Natur aus eine große Anzahl verschiedener Bakterien. (Foto: Getty Images)

Teilt man die Flasche allerdings mit anderen Personen, herrscht Ansteckungsgefahr. Und auch das Befüllen unterwegs birgt gewisse Risiken, da hier neue Bakterien auf uns lauern, die Magen-Darm-Probleme oder Atemwegsbeschwerden auslösen können. Um das zu vermeiden, könnte man die Flasche also als Konsequenz nur zu Hause auffüllen.

Neben Bakterien können sich, wie bereits erwähnt, auch Pilze ansiedeln, die ebenfalls zu gesundheitlichen Problemen führen können. Laut Dr. Shashank Ravi, klinischer Assistenzprofessor für Notfallmedizin an der Stanford Medicine, können vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem durch die Aufnahme einer großen Menge an Bakterien oder Schimmelpilzen krank werden.

Man könne sich das so vorstellen, als würde man aus einer stehenden Pfütze trinken. "Unser Immunsystem ist zwar sehr gut in der Lage, viele Arten von Bakterien und Pilzen zu bekämpfen, aber wer ein geschwächtes Immunsystem hat oder große Mengen an Bakterien oder Schimmelpilzen zu sich nimmt, kann dadurch krank werden", sagt Ravi. Dabei seien die Risiken unterschiedlich: von Durchfall über Magenverstimmungen bis hin zu "bestimmten Organismen, die in den Blutkreislauf gelangen und sich auf andere Teile des Körpers ausbreiten".

Gerade Schimmel erfreut sich natürlich an der feuchten Umgebung, die eine Wasserflasche bietet. Laut des Centers for Disease Control and Prevention kann eine Schimmelbelastung eine verstopfte Nase, Halsschmerzen, Husten oder Keuchen, brennende Augen oder Hautausschlag verursachen und sich besonders stark auf Asthmatiker*innen oder Menschen auswirken, die allergisch auf Schimmel reagieren.

Tägliche Reinigung verhindert Ansiedlung von Keimen

Demnach ist es wichtig, die Wasserflasche täglich zu reinigen. Denn ähnlich wie beim Händewaschen gilt: Bei einer Ansammlung von Mikroorganismen erhöht sich im Laufe der Zeit auch die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann auch Krankheitserreger dabei sein könnten.

Im Idealfall sollte die Wasserflasche täglich – oder zumindest nach dem Gebrauch – gereinigt werden. Laut der Statistik reinigen 42 Prozent der Befragten ihre Wasserflaschen ungefähr einmal am Tag. (Infografik: WaterFilterGuru.com Study)
Im Idealfall sollte die Wasserflasche täglich – oder zumindest nach dem Gebrauch – gereinigt werden. Laut der Statistik reinigen 42 Prozent der Befragten ihre Wasserflaschen ungefähr einmal am Tag. (Infografik: WaterFilterGuru.com Study)

Wird die Flasche nur immer wieder ausgespült, können sich die Erreger und Keime auch vermehren. Am besten lässt sich am Geruch oder Geschmack erkennen, dass es dringend Zeit für eine Reinigung wird – denn dieser kann auf eine Besiedelung mit Bakterien und Pilzen hindeuten. Empfohlen wird, die Wasserflasche mit heißem Wasser und Seife oder Spülmittel zu reinigen – am besten jeden Tag, um das Wachstum von Keimen zu verhindern, so Mortensen.

Bei einer starken Verschmutzung kann es sich bei Flaschen aus Glas und Edelstahl lohnen, sie mit Reis oder Salz zu behandeln. Dazu drei bis vier Esslöffel in die Buddel geben, das Gefäß schließen und anschließend gut durchschütteln. Durch die Reibung können Ablagerungen gelöst werden. Danach die Flasche mit heißem Wasser füllen und noch einmal geschlossen schwenken. Die Flasche muss dabei nicht bis an den Rand mit Wasser gefüllt sein, es reicht, circa ein Viertel des Flaschenvolumens zu befüllen. Anschließend mit klarem Wasser ausspülen et voila.

Edelstahl-Flaschen sollten mit einer weichen Bürste gereinigt werden. Zudem ist es wichtig, die Wasserflaschen nach der Reinigung richtig zu trocknen. Spätestens, wenn die Trinkflaschen einen unangenehmen Geruch aufweisen, sollte man sie desinfizieren.

Dafür kann die Flasche für mehrere Minuten in heißes Wasser mit einer Temperatur von 80 Grad gelegt werden. Für das Desinfizieren sollte kein Bleichmittel verwendet werden. Stattdessen kann die Flasche auch in Backpulver oder Essig eingeweicht werden.

Reinigt man seine wiederverwendbare Flasche regelmäßig und ordentlich, kann sie bedenkenlos zum treuen Begleiter werden. (Bild: Getty Images)
Reinigt man seine wiederverwendbare Flasche regelmäßig und ordentlich, kann sie bedenkenlos zum treuen Begleiter werden. (Bild: Getty Images)

Das wichtigste ist, die wiederverwendbare Flasche nicht allzu lange ohne eine gründliche Reinigung stehen zu lassen – auch wenn die Verlockung in der Devise "aus den Augen aus dem Sinn" besteht. Und natürlich dürfen Deckel, Schraubverschlüsse und kleine Rillen in der Flasche nicht vergessen werden: Denn auch dort können sich Keime bestens einnisten.

Mit diesem Wissen guckt man seine Wasserflasche sicherlich mit ganz anderen Augen an. Aber mit einer Tiefenreinigung bekommt man das schon wieder in den Griff und einer langen, nie enden wollenden Freundschaft sollte nichts mehr im Wege stehen.