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Better Life: Comfort Food - darum hilft es uns bei Angst, Stress oder Trauer

Ob Liebeskummer, graues Winterwetter oder einfach nur ein Tag im Büro, der nicht enden will – manchmal hilft nur noch Comfort Food. Was ist sein Geheimnis und streichelt Nervennahrung wirklich die geschundene Seele?

Frau isst Pizza auf der Couch
Pizza, Pudding oder Omas Eintopf: Welche Nahrungsmittel wir als Comfort Foods wählen, ist höchst individuell. (Symbolbild: Getty)

Für die einen sind es Käsespätzle, für andere eine Pizza oder eine Schüssel warmer Schokopudding: Inmitten unseres hektischen Alltags ist Comfort Food (auf Deutsch: Wohlfühlessen) oftmals ein wahrer Seelentröster.

Psychologischer Effekt: Mit Comfort Food zurück in die Kindheit

"Ein Grund, warum wir zu diesen Lebensmitteln greifen, sind die Assoziationen, die wir mit ihnen verbinden", sagt Dr. Uma Naidoo, Psychiaterin, ausgebildete Köchin und Ernährungsexpertin im Interview mit Yahoo Life. Erinnerungen würden eine große Rolle spielen. "Darüber wurden bereits ganze Bücher geschrieben. Im Gegensatz zu anderen Spezies können Menschen Entscheidungen rund um die Nahrung treffen, die sie essen. Das wirkt sich auf natürliche Weise auf unsere psychologische Verfassung aus." Sie selbst liebt "das goldene Chai-Rezept meiner geliebten verstorbenen Großmutter, dessen Zubereitung sie mir beigebracht hat – es gibt mir immer dieses warme und flauschige Gefühl, das an eine Umarmung erinnert." Warum das so ist, erklärt eine Studie: Gewohntes Essen schmeckt uns einfach am besten und unser Gedächtnis verbindet Gefühle wie Geborgenheit und Wärme fest mit bestimmten Geschmackseindrücken.

Vater und Tocher essen Kuchen in der Küche
Unser individuelles Wohlfühlessen ist oft eng mit Kindheitserinnerungen verbunden. (Symbolbild: Getty)

Dennoch sind viele klassische "Wohlfühlnahrungsmittel" nicht gut für uns, weiß die Expertin. "Während sich die kurzfristigen Auswirkungen positiv anfühlen können, sind die langfristigen körperlichen und geistigen Auswirkungen selten positiv – es sei denn, Ihr Wohlfühlessen ist Brokkoli."

Fett und Kohlenhydrate sind Turbo-Stimulantien

Wozu wir greifen, wenn wir uns nicht gut fühlen, ist höchst individuell. Je nach Herkunft, Lebenssituation, Alter und Geschlecht unterscheiden sich die gewählten Trostmahlzeiten. Jedoch haben viele Comfort Foods eines gemeinsam: Sie enthalten nicht unwesentliche Mengen von Fett, Kohlenhydraten und/oder Zucker. Diese Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass unser Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin und Serotonin wird dadurch angeregt. Kommen Kohlenhydrate und Fette im Essen zusammen, wird dieser Effekt noch verstärkt. Zudem kommt es laut Naidoo zu einer "beruhigenden Wirkung von Serotonin, die innerhalb von 30 Minuten oder weniger nach dem Verzehr dieser Lebensmittel spürbar ist."

Studie belegt: Käse, Sahne und Joghurt machen glücklich

Die Kehrseite: Forschenden des Max-Planck-Instituts zufolge überlagern die Belohnungssignale das Sättigungsgefühl. Übersättigung und Übergewicht sind die Folgen. Ein Belohnungsreiz, der in der Evolution zum Überleben beigetragen habe, werde uns in der heutigen Welt des Überflusses zum Verhängnis, weiß MPI-Forscher Marc Tittgemeyer: "Wir sind nicht dazu gemacht, ständig nein zu sagen – deshalb hören wir meistens nicht auf zu essen, obwohl wir satt sind."

Infografik: Ernährungsbewusste Deutsche? | Statista
Infografik: Ernährungsbewusste Deutsche? | Statista

Genuss sinnvoller als Verbote

Gänzlich verzichten müssen wir aber nicht auf die kulinarischen Seelentröster. Uma Naidoo rät: "Ich stelle lieber keine festen Regeln auf, da diese nicht nachhaltig für eine Verbesserung des psychischen Wohlbefindens sind. Menschen wegen ihrer Ernährungsgewohnheiten zu beschämen, trägt nicht zu ihrer allgemeinen psychischen Gesundheit bei und führt dazu, dass sie sich schlechter fühlen." Die Expertin ist der Meinung, dass es zwar besser sei, den regelmäßigen Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln zu vermeiden, ein völliger Verzicht aber auch schädlich sein könne.

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"Ich versuche, meine Klient*innen daran zu erinnern, bei der nächsten Mahlzeit oder Gelegenheit eine Kurskorrektur vorzunehmen und beispielsweise nicht auf der Fast-Food-Spur zu verharren", sagt Naidoo. "Mit anderen Worten: Wenn Sie an Ihrem Geburtstag ein Stück Kuchen genießen, wäre es mir viel lieber, wenn Sie das Stück genießen und am nächsten Tag wieder zu einer gesünderen Ernährung übergehen, als es sich selbst zu verweigern – und sich dann danach zu sehnen und als nächstes den ganzen Kuchen zu essen. Denn das passiert."

Comfort Foods berühmter Persönlichkeiten: Croissants, Hot Dogs und Erdnussbutter-Bananen-Sandwiches

Der Begriff "Comfort Food" tauchte erstmals 1966 in einem Artikel der Zeitung "Palm Beach Post" auf. Das Wort wurde 1997 in das Oxford English Dictionary aufgenommen. Die Idee von Essen als Quelle des Vergnügens war jedoch auch schon Königin Marie Antoinette bekannt. Die gebürtige Österreicherin und spätere Königin Frankreichs war für ihre Vorliebe für süße Leckereien – ganz besonders Croissants – bekannt.

Elvis Presley (Bild: Courtesy of Metro Goldwyn Mayer/Sunset Boulevard/Corbis via Getty Images)
Auch Elvis Presley hatte ein besonderes Comfort Food. (Bild: Courtesy of Metro Goldwyn Mayer/Sunset Boulevard/Corbis via Getty Images)

Elvis Presleys Comfort Food waren "Fried Peanut Butter and Nanner Sandwiches". Diese süßen Sandwiches bestehen aus zwei Scheiben Toast, die mit Erdnussbutter bestrichen werden. Darauf kommen Bananenscheiben. Anschließend wird das Ganze von beiden Seiten in Butter knusprig gebraten. Die Schwäche von US-Präsident Franklin D. Roosevelt sollen hingegen Hot Dogs gewesen sein. Er soll sie sogar King George VI. bei einem Empfang serviert haben, um dadurch eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

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