Ein Computerprogramm hat errechnet, wie der ideale Influencer aussieht – das Ergebnis ist enttäuschend

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Die Plattform Instagram erlaubt es uns, Bilder von Menschen zu sehen, die nicht perfekt sind und dazu stehen. Dass sich deshalb irgendwas an unserem Schönheitsideal geändert hat, ist allerdings ein Irrglaube, wie ein Experiment des Magazins “Paper“ zeigt.

Influencer gibt es wie Sand am Meer – doch wie sieht eigentlich das ideale Gesicht dazu aus? (Symbolbild: Getty Images)

Speckrollen, Pigmentstörungen, Narben, oder Akne: Körperliche Eigenschaften, die lange Zeit als Ausschlusskriterium für die Mode und Beauty-Industrie galten, sind dank der Photo-Sharing-App Instagram sichtbarer geworden.

Models und Blogger, die diese Eigenschaften besitzen, können sogar viel Geld verdienen, indem sie ihre Geschichte auf Instagram mit ihren Followern teilen und sich dabei von großen Marken sponsern lassen beziehungsweise Werbung für sie machen. Beinahe könnte man meinen, dass unser Schönheitsideal vielfältiger und vielleicht sogar erreichbarer geworden sei.

Jung, weiblich, weiß, mit Stupsnase

Dass dem jedoch nicht so ist, zeigt ein Experiment des “Paper“-Magazins aus den USA. Um herauszufinden, wie der ideale Influencer aussieht, hat die Redaktion Bilder der Top 100 Influencer auf Instagram – und zwar ausschließlich Personen, die mit Hilfe der App berühmt geworden sind – übereinander gelegt; mit einem sehr enttäuschenden Ergebnis: Der ideale Influencer ist immer noch jung, weiblich und weiß. Sie hat mandelförmige Augen, ein herzförmiges Gesicht und eine Stupsnase.

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So sieht der perfekte Influencer aus (Bild: Paper)

Ein Gesicht, das uns schon tausendfach auf Instagram oder auf den Anzeigeseiten großer Lifestyle und Modemagazine entgegen gelächelt hat. Ein Gesicht, das in keiner Weise besonders, aber trotzdem sehr angenehm anzusehen ist.

Fortschritt braucht Zeit

Wie aber kann es sein, dass sich dieses westliche Schönheitsideal immer noch durchsetzt? Ein möglicher Grund ist die Befangenheit von Marken und PR-Agenturen. Wer eine vorwiegend weiße Kundschaft ansprechen will, wird mit großer Sicherheit auch ein weißes Model für die Kampagne buchen. Werbung und Anzeigen gelten dann als erfolgreich, wenn sie den Konsumenten in seiner Lebensrealität abholen und diese ist im Fall von westlichen Europäern eben meistens weiß.

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Bevor sich nicht etwas an der Weltanschauung der großen Werbe- und PR-Agenturen ändert, wird uns dasselbe herzförmige, weiße Gesicht mit den Mandelaugen also noch öfter begegnen. Was ja auch nicht schlimm ist. Aber eben auch irgendwie verdammt langweilig und überholt.

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