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Hidden Headlines: Eigentlich winken sie gar nicht: Die wahre Geschichte hinter den "Winkekatzen"

Sie stehen in Restaurants und Imbissbuden, man findet sie in Souvenirläden, als Tattoo-Motive oder sie prangen auf Handyhüllen: "Winkekatzen" haben sich von Asien aus über die ganze Welt verbreitet. Doch woher kommt die "Maneki-neko" eigentlich? Winkt sie uns freundlich zu - oder steckt mehr hinter der Geste? Eine Reise durch ihre Geschichte.

Maneki-Neko
Die Pfotenposition der Maneki-neko ist kein Zufall. Die linke und rechte Pfote stehen für jeweils unterschiedliche Bedeutungen. (Bild: Getty)

Kurz gesagt: Über "Winkekatzen" gibt es zwei weitverbreitete Fehlannahmen.

  1. Sie stammen aus China

  2. Sie winken

Obwohl die Figuren oft mit der chinesischen Kultur in Verbindung gebracht werden, stammen sie tatsächlich aus Japan. Ihr offizieller Name in Japan lautet: "Maneki-neko" (auch Manekineko, japanisch 招き猫). Die Figur der Maneki-neko ist eng mit der japanischen Folklore und Geschichte verbunden. Und die Geste? Wörtlich übersetzt bedeutet Maneki-neko "einladende Katze". Die Katze winkt also nicht. Vielmehr steht die Geste für ein Locken. Die Deutsche Tessa-Karina Inoue, die seit vielen Jahren in Japan lebt, erklärt die Geste auf ihrem Japan-Blog. Anders als in westlichen Kulturen lockt man in Japan jemanden zu sich, indem man die Handfläche auf Kopfhöhe hält (Finger zeigen gerade nach oben) und dann mit der Hand nach unten wedelt (Finger bewegen sich nach unten). Die Bedeutung der Geste lässt sich also am besten mit "Komm her!" übersetzen.

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Katzen in der japanischen Kultur

Katzen spielen in der japanischen Kultur seit jeher eine wichtige Rolle. Die Tiere, so glaubt man, bringen Glück. Sie sind deswegen auch unter dem Namen "lucky cat" (deutsch: "Glückskatze") bekannt. In der japanischen Folklore gibt es viele Geschichten und Legenden, in denen Katzen im Mittelpunkt stehen. Diese Erzählungen helfen dabei, die besondere Bedeutung der Katzen in der japanischen Kultur zu verstehen.

Gōtoku-ji-Tempel: Katzenverehrung auf Japanisch

Eine Legende besagt, dass der adelige Herrscher Naotaka Li in der Edo-Zeit (1603-1868) während eines Gewitters in der Nähe des Gōtoku-ji-Tempels in Tokio unter einem Baum Schutz suchte. Eine Katze namens Tama soll ihn daraufhin mit einer heranwinkenden Bewegung ihrer Pfote zum Tempel gelockt haben. Kurz nachdem er der Einladung gefolgt war, schlug ein Blitz in den Baum ein, unter dem er gerade noch Schutz gesucht hatte. Aus Dankbarkeit wurde Naotaka Li zum Schutzpatron des Tempels und baute das damals bereits baufällige Gebäude zu Ehren der Katze wieder auf. Neben dem Tempel wurde außerdem ein Schrein für Tama errichtet, um Besucher*innen daran zu erinnern, wem der Tempel seinen Wohlstand verdankt. Seitdem wird die Maneki-neko häufig mit dem Glauben an Glück und Schutz in Verbindung gebracht. Der Gōtoku-ji-Tempel in Tokio gilt bis heute als einer der Orte, an denen die Glücksfigur ganz besonders verehrt wird. Er zieht zahlreiche Besucher*innen aus der ganzen Welt an, die auf der Suche nach Glück und Wohlstand sind.

Übrigens: Im Gōtoku-ji-Tempel finden sich fast nur Katzen, die die rechte Pfote heben. Denn die soll Geld und Glück "anlocken". Mit der linken erhobenen Pfote sollen dagegen Kundschaft und Besucher herbeigelockt werden. Deswegen findet man diese Variante oft im Eingangsbereich von Geschäften und Restaurants.

Gōtoku-ji-Tempel
Alle Katzen im Gōtoku-ji-Tempel heben die rechte Pfote. Das hat einen Grund. (Bild: Getty)

Was die Sexindustrie mit den "lucky cats" zu tun hat

Doch wie verbreiteten sich die Katzenfiguren im asiatischen Raum? Offenbar hat die Sexindustrie Japans dabei eine wichtige Rolle gespielt. Laut einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Bill Maurer, Professor für Anthropologie an der University of California, stammen die Figuren aus der Meiji-Zeit (1868-1912).

Während der Edo-Periode (1603-1868) hatte sich Japan vom Rest der Welt abgeschottet und "eine einheimische 'Vergnügungskultur' entwickelt. In den Bordellen wurden damals Glücksbringer in Form männlicher Geschlechtsorgane aufgestellt. Als sich in Japan während der Meiji-Restauration ein neues politisches System nach westlichem Vorbild herausbildete und sich das Land wieder der Welt öffnete, wollte man gegenüber den überwiegend christlichen Teilen der Welt kein "Schmuddel-Image" haben. Die Regierung verbot daher die Verwendung und den Verkauf von Phallusfiguren. Während diese Glücksbringer immer seltener wurden, erlebten die Maneki-neko-Figuren einen Aufschwung.

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Echte Katze als Vorbild

Das Gestaltungsvorbild der Winkekatzen ist eine japanische Katzenrasse, die Japanese Bobtail (auf Japanisch: Kazoku-neko, 家族猫 "Familienkatze"). Genau wie die Japanese-Bobtail-Katzen hat auch die Maneki-neko einen Stummelschwanz.

Japanese Bobtail Katze
Die Rasse Japanese Bobtail ist für ihre Kontaktfreudigkeit und Freundlichkeit bekannt - und für ihren Stummelschwanz. (Bild: Getty)

Varianten der Maneki-neko

In Japan werden die Katzen traditionell aus weißer Keramik hergestellt. Doch mittlerweile gibt es die "lucky cats" aus verschiedenen Materialien. Batteriebetriebene Varianten, die unaufhörlich mit der Pfote wackeln, bestehen meist aus Plastik. Die Farben der Maneki-neko können je nach Tradition, Region und Glauben unterschiedliche Bedeutungen haben:

  1. Weiß: Reinheit, Klarheit und Glück.

  2. Schwarz: Schutz vor bösen Geistern und Krankheiten

  3. Gold: finanzielles Glück und Wohlstand

  4. Rot: Schutz vor Krankheit und Unglück sowie allgemeines Glück und Wohlstand

  5. Grün: akademischer Erfolg und persönliches Wachstum

  6. Rosa: Liebe, Romantik und Beziehungen

  7. Gelb: Erfolg und Wohlstand im Geschäft

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