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Hidden Headlines: Schwangerschaften verändern laut Studie Mäusegehirn

Das Gehirn weiblicher Mäuse verändert sich bereits früh in der Schwangerschaft. Bislang ging man davon aus, dass vor allem die Geburt diese Veränderungen auslöst.

Im Labor konnten Forschende zeigen, dass sich das Gehirn von Mäusen bereits früh in der Schwangerschaft verändert, um die Tiere auf ihre Mutterrolle vorzubereiten. (Symbolbild: Getty Images)
Im Labor konnten Forschende zeigen, dass sich das Gehirn von Mäusen bereits früh in der Schwangerschaft verändert, um die Tiere auf ihre Mutterrolle vorzubereiten. (Symbolbild: Getty Images)

Weibliche Mäuse, die sich noch nicht fortgepflanzt haben, zeigen wenig Interesse an neugeborenen Mäusen. Ihr Verhalten ändert sich aber grundlegend bei ihrem eigenen Nachwuchs.

Ein Grund für diese Anpassung liegt an Hormonen, die das weibliche Gehirn "neu verdrahten" – so nennen das Forschende, die den Vorgang untersucht haben. Sie konnten jetzt zeigen, dass dieser Vorgang nicht wie bislang gedacht während oder erst nach der Geburt stattfindet. Das Gehirn einer werdenden Maus-Mutter verändert sich schon lange vorher.

Schon während der Schwangerschaft gibt es "parental behaviour"

Eine Gruppe Forschender des Francis Crick Institute in London um den Biochemiker Johannes Kohl hat weibliche Mäuse untersucht. Sie wollten wissen, wann und wie sich die Gehirne verändern, um die Tiere auf ihre Mutterrolle vorzubereiten.

Bekannt ist, dass sich weibliche Mäuse wenig um Jungtiere scheren, wenn sie selbst noch keinen Nachwuchs haben. Dann ist das Ziel ihres Verhaltens vor allem: Fortpflanzung. Durch eine Schwangerschaft verhalten sich die Tiere aber anders – fortan kümmern sie sich die meiste Zeit um ihren Nachwuchs.

Stand der Forschung war bislang, dass für diese Verhaltensänderung vor allem Hormone verantwortlich sind, die während der Geburt und durch das folgende Beisammensein mit den Jungtieren ausgeschüttet werden.

Das Team um Kohl konnte nun aber zeigen, dass sich die Gehirne weiblicher Mäuse bereits sehr viel früher in der Schwangerschaft verändern und dass sie auch vor der Geburt bereits "parental behaviour" zeigen, also typisches Verhalten von Mäusemüttern. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Veränderungen im Gehirn, die früh in der Schwangerschaft geschehen, parental behaviour auslösen. Ihre Ergebnisse hat das Team diese Woche im Journal Science veröffentlicht.

Was löst die Verhaltensänderungen aus?

In einer die Studie begleitenden Pressemitteilung wird erklärt, was die Forschenden als Ursache für die Anpassungen um Gehirn ausgemacht haben: Mit Mini-Apparaturen an den Köpfen der Mäuse haben sie über einen längeren Zeitraum die Aktivität in einer Region des Hypothalamus untersucht. Frühere Forschung hat gezeigt, dass diese Hirnregion eine wichtige Rolle für das parental behaviour spielt.

Sie konnten nachweisen, dass die Hormone Östrogen und Progesteron auf das sogenannten mediale präoptische Areal wirkten. Genauer: auf die Galanin-ausschüttenden Neuronen in dem Areal. Diese bildeten dadurch mehr Synapsen untereinander aus, wodurch sie schneller und stärker auf eingehende Signale reagieren. Gleichzeitig senkten die Hormone die Grundaktivität der Neuronen.

Manche der Anpassungen im Gehirn blieben für mindestens einen Monat, andere hingegen könnten permanent sein, heißt es in der Pressemitteilung. Was bedeuten würde, dass eine Schwangerschaft das weibliche Gehirn für immer verändert.

"Das Gehirn bereitet einen schon viel früher auf diesen großen Wandel vor"

In der Pressemitteilung wird dazu Johannes Kohl zitiert: "Wir wissen, dass sich der weibliche Körper während einer Schwangerschaft verändert. Ein Beispiel ist die Milchproduktion, die lange vor der Geburt beginnt. Unsere Forschung zeigt, dass solche Vorbereitungen auch im Gehirn stattfinden." Diese Veränderungen würden dazu führen, dass sich weibliche Mäuse nicht mehr primär um Fortpflanzung, sondern um das Überleben des Nachwuchses kümmert. "Es ist faszinierend, dass diese Umstellung nicht während der Geburt passiert – das Gehirn bereitet einen schon viel früher auf diesen großen Wandel vor", sagt Kohl.

Die Forschenden schreiben weiter, dass sich ihre Ergebnisse vielleicht auch auf den Menschen übertragen lassen. Denn, so die Überlegungen: Die gleichen hormonellen Veränderungen würden bei Frauen auch zu den gleichen Veränderungen im Gehirn führen.

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