Ist Sitzen genauso gesundheitsschädlich wie Rauchen?

·Freie Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Sitzen ist das neue Rauchen. So lautet das Mantra von Gesundheits-Gurus und Stehtisch-Fans. Da ist mit Sicherheit etwas Wahres dran. Aber wie sollen wir es vermeiden zu sitzen, wenn ein Großteil der Menschen heutzutage in einem Bürojob arbeitet?

Durch das dauerhafte Arbeiten von Zuhause aus sitzen viele Angestellten noch mehr als normalerweise. (Bild: Getty Images)
Durch das dauerhafte Arbeiten von Zuhause aus sitzen viele Angestellten noch mehr als normalerweise. (Bild: Getty Images)

Die meisten Büroangestellten sitzen spätestens seit dem ersten Corona-Lockdown einen Großteil ihrer Zeit im Homeoffice fest. Das heißt im Sitzen bei wenig Bewegung. Und dabei muss man kein Experte sein, um zu ahnen, dass das nicht gesund sein kann. Ähnlich wie das Rauchen. Leider bietet diese Arbeits-Struktur wenig Möglichkeiten, dem gesundheitsschädlichen Verhalten entgegenzuwirken. Sind wir so gesehen fast alle nun unfreiwillig zu Rauchern geworden?

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, glaubt Dylan Thomson, Professor für menschliche Physiologie an der Universität Barth. In einem Interview mit dem Guardian erklärt er, dass die Schäden, die durch das Rauchen entstehen, irreparabel sind. Dem Schaden, der durch zu viel Sitzen entsteht, kann man hingegen mit ein wenig Bewegung gut entgegenwirken. So hat er in einer seiner Studien herausgefunden, dass schon zwei Minuten leichte Bewegung jede halbe Stunde unseren Blutzuckerspiegel wieder auf ein normales Level senkt.

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Wer hingegen zu lange unbeweglich sitzt, hat ein erhöhtes Risiko, Diabetes zu bekommen. Denn die Glukose, die man mit dem Essen zu sich nimmt, kann nicht mehr abgebaut werden und sammelt sich im Blut an. Zudem erhöht sich das Risiko von Herzkreislauferkrankungen, Herzerkrankungen und Schlaganfällen.

Durch Online-Bestellungen & Co. bewegen wir uns immer weniger. (Bild: Getty Images)
Durch Online-Bestellungen & Co. bewegen wir uns immer weniger. (Bild: Getty Images)

Smartphones und Social-Media-Plattformen als weitere Risikofaktoren

Dabei ist das zu viele Sitzen nicht nur ein Problem, das Büroangestellte haben. Denn unser gesamtes gesellschaftliches Leben ist mittlerweile so konstruiert, dass wir uns nur noch selten bewegen müssen – sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Freizeit. 

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Social-Media-Plattformen und Smartphones tragen laut Thomson ihren wesentlichen Teil dazu bei, dass die Menschen immer fauler werden und vermehrt Tätigkeiten im Sitzen durchführen, statt sich draußen an der frischen Luft zu bewegen. Auch seine Studien in Schulen haben ergeben, dass Kinder nur noch einen kleinen Teil ihrer Zeit mit Bewegung verbringen. Die meiste Zeit führen sie Tätigkeiten im Sitzen aus.

Arbeitslosigkeit ist gesundheitsschädlicher als zu arbeiten

Sollten wir angesichts dieser Tatsachen nicht darüber nachdenken unser gesellschaftliches Leben und vor allem unsere Arbeitskultur umzuwälzen?

So weit würde der Experte nicht gehen. Es reiche seiner Meinung nach, sich einfach bewusster und öfter zu bewegen und diese Strukturen möglichst in den Alltag einzubauen. Wie etwa geschäftliche Meetings während eines Spazierganges führen. Davon abgesehen sei eines der größten Risikofaktoren für Gesundheitsprobleme nicht die Arbeit, sondern vielmehr die Arbeitslosigkeit. Denn dadurch sind die Menschen nicht mehr eingebettet in einen sozialen Kontext, der automatisch mit Bewegungen verbunden ist – wie morgens aufzustehen und zur Arbeit zu fahren. Aber auch hierbei ist der Experte vorsichtig mit seiner Aussage, denn letztlich sei das Bewegungslevel jedes Menschen höchst individuell.

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