Männer sind bei der Arbeit doppelt so emotional wie Frauen

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit bei der Arbeit, die schon allein deswegen einen enormen Einfluss auf das Wohlbefinden hat. Eine Studie hat jetzt belegt, welch unterschiedlichen Gefühle der Job bei Männern und Frauen hervorruft und wie sie mit diesen umgehen.

Männer nehmen sich Kritik viel häufiger zu Herzen als Frauen. (Bild: Getty Images)

In einer Studie mit 2000 Angestellten und 250 Managern haben Forscher der britischen Anglia Ruskin University untersucht, wie sich Arbeit auf den Gefühlshaushalt auswirkt. Die gesamten Umstände, unter denen Menschen ihrer Arbeit nachgehen, können laut den Wissenschaftlern vor allem sechs Emotionen hervorrufen: Freude, Überraschung, Wut, Traurigkeit, Abscheu oder Angst. Welche davon beim Einzelnen vorherrscht, hängt laut dem Studienergebnis viel weniger von der konkreten Arbeit an sich ab, sondern vielmehr von den Kollegen, mit denen man seine Zeit verbringt.

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Männer ärgern sich öfter und kündigen schneller

Darüber hinaus gibt es auch einen Geschlechterunterschied: Während Frauen eher Gefühle wie Stress und Frustration verspüren, sind Männer insgesamt emotionaler mit ihrer Tätigkeit und speziellen Projekten verbunden. Vor allem, wenn sie Deadlines nicht einhalten können oder Budgetvorgaben reißen, ruft das bei ihnen negative Gefühle hervor. Zudem nehmen sie sich Kritik doppelt so oft zu Herzen wie Frauen und ärgern sich auch doppelt so häufig, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Ideen ignoriert oder nicht ernst genommen werden. Um den angestauten Ärger loszuwerden, werden 43 Prozent der gefrusteten Männer gegenüber ihren Kollegen laut. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass Angestellte in schwierigen Zeiten kündigen, bei Männern 20 Prozent höher als bei Frauen.

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Wer Gefühle zeigt, gilt als schwach

Dr. Terri Simpkin erklärt das gegenüber dem britischen ”Mirror“ so: ”Bei Männern sind Gefühle und Macht untrennbar miteinander verbunden.“ In ihren Augen nicht genug beachtet zu werden, käme einem Mangel an Macht und Status gleich. Dies rufe bei ihnen wiederum Trauer hervor. Laut Studie ist übrigens jeder dritte Angestellte bemüht, seine wahren Gefühle bei der Arbeit für sich zu behalten und lieber ein fröhliches Gesicht aufzusetzen, als negative Gefühle zu kommunizieren. Ein Verhalten, das wenig überrascht, wenn man bedenkt, dass 30 Prozent der Manager das Ausdrücken von Gefühlen am Arbeitsplatz als Schwäche deuten und gut die Hälfte der Meinung ist, Gefühle, egal ob positive oder negative, hätten im Job überhaupt nichts zu suchen. Laut Dr. Simpkin setzen darum viele Menschen bei der Arbeit ein neutrales Pokerface auf, um der Gefahr zu entgehen, von den Kollegen und Vorgesetzten beurteilt zu werden.

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