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Balenciaga-Armreif geht viral: Klebeband-Rolle für 4.000 Dollar

Das Internet fragt sich: Witz oder Wahnsinn?

Modedesigner und Kreativchef von Balenciaga: Demna (Bild: Getty Images)
Muss sich – und seine provokanten Entwürfe für Balenciaga – immer wieder erklären: Modedesigner und Kreativchef Demna. (Bild: Getty Images)

Das französische Modelabel Balenciaga steht erneut in der Kritik: Bereits in der Vergangenheit hat die Luxusmarke immer wieder für kontroverse Diskussionen gesorgt, mal aufgrund von Kollektionsteilen wie Sneakern oder Pullovern im Destroyed-Look, mal aufgrund kultureller Aneignung oder einer umstrittenen Werbekampagne, bei der Kinder mit Teddys in Bondage-Kleidung abgelichtet worden waren – für letzteren Fauxpas hatte Chefdesigner Demna Gvasalia sich schließlich öffentlich entschuldigt und die Werbung zurückgezogen.

Neuester Aufreger im Netz, der Balenciaga einen weiteren Shitstorm beschert: Demna (der Creative Director verzichtet seit 2021 auf seinen Nachnamen) polarisiert mit einem Accessoire der Herbst/Winter-Kollektion 2024 – ein Armreif, der aussieht wie eine Rolle handelsübliches Klebeband. Der Preis für dieses ungewöhnliche Designer-"Schmuckstück": rund 4.000 Dollar.

Klebeband zum Luxus-Preis: Witz oder Wahnsinn?

In der Mode werden unter Haute Couture individuelle und maßgeschneiderte Kreationen renommierter Modehäuser im Luxuspreissegment bezeichnet, sprich: Höchste Schneiderkunst trifft auf außergewöhnliche Materialien, Schnitte und Visionen der Designer*innen.

Das Armreif-Modell von Balenciaga, welches nun die Internet-Gemeinde spaltet, kann mit Fug und Recht als extravagant bezeichnet werden, auch die Wahl des verarbeiteten Materials ist ungewöhnlich – aber rechtfertigt das einen derart hohen Preis?

Der Name des Accessoires "Gaffer Bangle" ist angelehnt an das herkömmliche Gaffer-Tape, ein stabiles, stark klebendes Gewebeklebeband. Das Material an sich findet sich als Stilelement in mehreren Entwürfen der Herbst/Winter-Kollektion und Kreativchef Demna setzt bei seinen Designs für Balenciaga immer wieder auf Alltagsgegenstände, die als Accessoire genutzt werden.

Den künstlerischen Anspruch in Kombination mit den exorbitanten Preisen können die User*innen auf TikTok nicht nachvollziehen: Über 13 Millionen Views und 10.000 Kommentare sammelte bereits ein Video der Mode-Plattform Highsnobiety, das die Community in der Caption fragt: Würdest du das tragen?

Zu lesen sind belustigte, hämische Kommentare wie "Ich glaube Balenciaga veräppelt GenZ", "Ich habe gestern beim Obi das Gleiche gekauft" oder "Balenciaga bringt Sachen raus die man damals in der 4. oder 5. Klasse gebastelt hat", doch unter dem Clip geht es auch gesellschaftskritisch ordentlich zur Sache: "Cristobal Balenciaga [Gründer der Marke; Anmerkung d. Red.] würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was aus seiner Haute Couture, klassisch und elegante Marke, geworden ist", schreibt eine*r, "Balenciaga vera****t seit Jahren das konsumierende Normalvolk und die Stinkreichen lachen sich die ganze Zeit tot", findet ein*e andere*r.

Balenciaga – Kritik an Superreichen mit Mode für Superreiche?

Tatsächlich setzte sich Kreativdirektor Demna in vergangenen Kollektionen immer wieder mit der Realität der Welt auseinander, wollte auf Missstände hinweisen und mit seinen Entwürfen provozieren. Darüber, ob man mit luxuriöser Kleidung – und seien es zerschlissene Pullover für über 1.000 Dollar – ein politisches Statement setzen kann, ist man sich in der Branche nicht einig. Die Kluft derer, die in einer Welt voller Luxus leben, und derer, die menschliches Leid erfahren ist groß. "Es geht nicht darum, ein Image zu erschaffen oder einen Hype auszulösen oder solche Dinge", so Demna in einem Interview mit Vogue Germany im Februar 2023.

Bleibt die Frage, wie weit Kunst gehen darf – oder ist es genau diese Art Spiegel, der der Gesellschaft vorgehalten werden muss, um den Blick auf das Wesentliche zu richten?